hervorgebracht wurde durch die lehrreichen Aufsätze und gediegenen Fort-
gabs noch 3 Jahre Kollodion, schwarze Finger und Trockenflecke bei Kinder- aufHoahmen. Dann kam die Herrschaft der Gelatine und mit ibr die denkbar
grösste Erleichterung im Arbeiten, seis im Atelier oder Dunkelzimmer. Die Fachschriften hatten hier ein grosses Feld der Belebrung zu übernehmen, wer sie nicht las, konnte sich um so langsamer mit dem oft heimtückischen
Deutsehe Photographen-Zeitung 1894. Nr. 24.
b
schritts-Schilderungen unserer deutschen Fachliteratur. In den Lehrjahren
Charakter der neuen Platten- Concurrentin einrichten— hatte den Schaden. Viele haben ihn heute noch, diesen Schaden, weil sie nie Zeit fanden, die
Nase ins Buch zu stecken und sich eine Unterlage zum Arbeiten mit dem
plötzlich aufgetauchten Fremdling zu machen. Dann müssen die armen Fabri- kanten herhalten oder sonstige unhaltbare Gründe gesucht werden. Wie viele
Artikel haben in den letzten Jabren das Arbeiten mit farbenempfindlichen Platten besprochen? Wie viele der Herren Gehilfen haben sich dafür inter- essirt, wie viele der Herren Principale einen Versuch gemacht?
Man klagt allgemein über Rückgang im Geschäft und doch hat uns unser
Fach noch nie so viel Neues und Abwechselndes geboten, wie gerade jetzt. Es liegt dann irgend ein anderer Grund vor, wenn der heutige Principal nicht im Stande ist, mit dem ibm zu Gebote stehenden Material seine Kunden zu fesseln und deren Kreis zu erweitern. Die Stellenlosigkeit unserer Gebilfen- welt wird immer grösseren Umfang erreichen, je weniger ernstlich die Herren Gebilfen sich mit dem Studium ihres Faches beschäftigen. Ein kürzlich an mich ge- langter Brief meiner amerikanischen Freunde brachte mir folgende Berichte: Unser Copirer(der nebenbei gesagt 15 lange Jahre in einem ersten Chicagoer Atelier
thätig war) ist jetzt Detectiv, ein anderer junger Mann, der für die Aus-
gange, für Satinage etc. da war, Barbier und ein Dritter, der als Laborant figurirte, lumpt jetzt herum. Das ist in Amerika, wo der Meuseb sich 8so schnell zu etwas entschliessen muss, um der eisernen Hand traurigster Ver- hältnisse zu entgehen. Hier in Europa verbungert map weniger rasch, man kann so einige Wochen in Stellungen aussetzen oder auch mal einspringen, wo der Gehalt den Leistungen nicht angemessen ist. Ich meine das„angemessen“ im günstigen Sinne für den Gehilfen.
Vom Principals-Standpunkt aus giebts aber hier auch ein„nicht an- gemessen“. Retoucheur, aber welche Retouche, Operateur, aber welche Rou- tine, und Copirer, aber was für Abzüge! Ja, wenns ans Alltägliche grenzt, da ist die Reibe unserer Herren Gebilfen endlos; verlangen Sie vom Operateur aber gründliches ernstes Wissen seiner verantwortungsvollen Arbeit, vom Retoucheur und Copirer allgemeine Kenntnisse der ganzen Photographie, da lichtet sich die Reibe der Tauglichen bedenklich. Die Gehilfen haben sehr gerechte Einwendungen zu machen, die durchaus berechtigt sind und von den Principalen schon längst gründlicher berücksichtigt werden sollten. Wo ge- stattet man seinem Gehilfen, der als Retoucheur oder Copirer engagirt wurcdee, seine eintönige Beschäftigung einmal durch einige Unterbrechung mit ganz anderen Arbeiten weniger fühlbar zu machen? Nehmen sie nur unsere grossen Geschäfte! In welch kläglichem Gegensatz steht oft der Inunenraum, das heisst die Verbältnisse zwischen Principal und Gebilfen, gegenüber dem Renommée,
dessen sich das Geschäft in der Oeffentlichkeit erfreut? Ich kann nicht be- b
greifen, wie man heute noch von so roher Behandlung hören kann, wie sie mir einer meiner jetzigen Gehilfen von seinem früheren Principal erzählt? Wie kann sich ein Gehilfe, der sich tüchtig in seinem Fach fühlt, von seinem Brodherrn schlecht bebandeln lassen?
Das„Tüchtig“ ist freilich nothwendig, um selbst dem strengen Herrnh
Principal frei gegenüber zu stehen. Um es zu werden, giebt es viele Wege:
eine gute Schule steht oder stand nicht jedem unserer Gehilfen zur Verfügung, gute tüchtige Lehrbücher und Fachschriften aber einem Jeden. Wenn es dann. Einen oder den Andern gelüstet, dem beendeten Studium eines praktisch ge- schriebenen Artikels einige Versuche folgen zu lassen, wenn er so glücklich ist, wenn auch nach einigen Schwierigkeiten, zu erfolgreichen Resultaten zu kommen, dann erweckt er die Liebe und Lust zu unserer herrlichen Kunst, ohne welche ein Fortschritt in seinem Beruf einfach unmöglich ist.
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