Jahrgang 
1894
Seite
231
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Nr. 24. 231

Deutsche Photographen-Zeitung 1894. wodurch auch die Photographie leiden muss und leidet, ein Berathungspunkt des Congresses sein. Der Grund der Misère wird natürlich, gemäss mannig- fachen Ansichten, auch mannigfach geschildert werden. Doch ein Punkt ist es, welcher allgemein gefühlt wird, und dieser wird auch der Stein sein, den man beachten muss, wenn nicht der ganze Congress ins Stolpern geratben will! Es ist die oft und noch nicht zu oft genanute Lehrlings- und Gehilfenfrage! Fast alle Gewerbe haben ihre Fachschulen, und die Photo- graphie, die sich so gern das Gewand der Kunst umbängt, um die innerlichen Mängel zu verbergen, sie allein hat es noch nicht zu einer solchen Pfleg- und Pflanzschule gebracht! Wohl sind verschiedene Versuche gemacht worden, doch sie alle scheiterten daran, dass ein Geweinsinn nicht besteht und die Tbeorie über die Praxis gesetzt wurde, anstatt beide barmonisch zu verbinden! Wenn nun aungesichts der Congressfrage man in der Reichsbauptstadt den Aus- spruch that, dass, sofern die Berliner Vereine nur zusammen gehen, es sich zeigen würde, dass sie eine Macht gegen die übrigen Vereine bilden(so ist ungefähr der Sinn), so möge dieses Bewusstsein eine edlere Richtung verfolgen und zwar die Lebensfähigkeit einer allgemeinen photograpbischen Fachschule! Wie s. Z. Preussen, als der grösste deutsche Staat, 1870/71 die Fübrung hatte, so möge man auch dem Deutschen Pbotographen-Verein nur die Führung überlassen. Denn dass ein grosser Verein wohl etwas auszurichten vermag, steht völlig ausser Frage! Manche Anstalten, so vortrefflich sie sind, haben doch den Mangel einer bervorragenden Lehrkraft für Retouche und wie gerade bei diesem Theile der Portraitphotographie gesündigt wird, ist wohl anerkannt. Des Weiteren leiden viele der Lehrinstitnte daran, dass zu viel auf ein Mal dort gelehrt wird und die Folge davon ist, dass das ganze Studium nur Halb- wissen bleibt, welches schlimmer ist als völlige Unwissenheit. Aus diesem Grunde können die bisherigen Lehranstalten für den Fachphotographen nicht in Frage kommen, denn man muss immer im Auge behalten, dass der junge Mann, der sich ausbilden will, entweder Portraitphotograph oder Lichtdrucker etc. ete. werden will und daher für diesen seinen Lebensberuf ein abge- schlossenes ganzes Wissen und Können haben muss! Vom Catheder herab nur die Photographie etc. zu lebren und rein wissenschaftliche Lehrer die Mani- pulationen zeigen zu lassen, ist durchaus unrichtig. Leute, die in der Praxis jahrelange Erfahrungen haben, müssen mit dabei sein, denngrau, Freund, ist alle Theorie! Wie man z. B. bei der lugenieurcarrière erst praktisch arbeiten muss und dann die Hochschule bezieht, so muss es bei der zukünftligen photo- graphischen Fachschule äbulich, wohl verstanden, ahnlich sein! Die Errungen- schaften unserer wissenschaftlichen Freunde der Photographie sollen nicht im Geringsten heruntergezogen werden! Sie siud, dies mögen sie aber nie ver- gessen, selbst Menschen, und:Irren ist menschlich. Die Nothwendigkeit einer Fachschule ist wobl unleugbar und wenn auch Maucher diesem Ziele zu- strebte und sein Streben und Schaffen den gewünschten Erfolg nicht hatte, so wäre die Aufgabe des ganzen Planes doch eine Unterlassungssünde, die nicht genug gegeiselt werden könnte! Die das Ziel nicht erreichten, fielen als edle Vorkämpfer der guten Sache, doch brachen sie immerhin Bahn, so dass ihren Namen die Anerkennung nicht versagt bleiben wird! Wer sich in die beran- wachsende Photographenwelt hineinleben kann, wer in ihr steht, weiss die Mängel und die Art und Weise der Ausbildung unserer jungen Kräfte. Mancher Jünger der Photographie wàre ohne eigene Selbstachtung und das Wohlwollen besserer Gehilfen zu Grunde gegangen, und dass derselbe sich heute ehrlich durch die Welt schlägt, ist weniger das Verdienst seines Lehr- chefs als die Erkenntniss, sich selbst bilden zu müssen. Nicht alle Ateliers, in denen Lehrlinge arbeiten, sind sich der Aufgabe bewusst, die sie mit der Annahme der jungen Leute sich stellten! Lust, Liebe, Geduld und Opfer an Zeit sind dazu nötbig, und wie wenig von diesen vier Grundmauern oft vorhanden ist, möge Jeder ahnen! Im Geschaäftsleben heisst es aber Zeit ist Geld, und dadurch stürzen die anderen Grundvesten! Da nun aber die Aus- bildung in der sogenannten Lehre mangelhaft ist, so müssen wir eine Ergänzungsstätte haben und diese ist und bleibt: die photographische Fach- schule!