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„sehr leicht entfernen lassen würde. I. G gewesen, dass der aus Silbernitrat gebildete Niederschtag stets metallisches Silber und dementsprechend dunkel gefärbt sei, es ist uns daher vollständig an unbegreiflich, wie man mit ein und demselben Papier und gleichem Entwickler durch physikalische Entwicklung bald dunkle, bald intensiv rothe Bilder zu erzielen im Stande sein sollte. Mit der chemischen Entwicklung ist dies nach
Nr. 23. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 223 Zersetzung ein, indem das durch das Licht gebildete Subchlorid von dem aus- geschiedenen Chlor wieder zurückverwandelt wird; die Lichtwirkung kommt also zum Stillstand, bevor ein markantes Bild erzielt ist.
Anders ist es, wenn man das Bild nur ancopirt und darnach mit dem Entwickler behandelt. Auch in diesem Falle findet durch das Licht eine Ausscheidung von Chlor statt und hierdurch wird der Reductionsprocess ein- geleitet, der Entwickler aber besorgt nach Maassgabe der Belichtung die weitere Ausscheidung von Chlor, welches gebunden wird, und bierdurch ent-
steht das Bild in derselben Weise wie beim Entwickeln einer Bromsilberplatte
oder beim Auscopirverfahren, bei welchem das ausgeschiedene Chlor von dem anwesenden freien Silbernitrat unter Bildung von Chlorsilber grösstentheils absorbirt wird.
Nimmt man nun eine kurze Belichtung und einen schwachen Entwickler, so erhält man naturgemäss nur ein unvollkommeues Bild, weil der Reductions- process durch das Licht nicht genügend eingeleitet wurde, um vom Entwickler genügend fortgesetzt werden zu können. Nimmt man hingegen bei kurzer Belichtung einen energischen, sehr kräftig wirkenden Entwickler, so wird in vielen Fällen alles Chlor aus der durch Licht affieirten Schicht ausgeschieden und das Silber metallisch als amorphenes, sechwarzes Paulver gefällt. Wurde länger belichtet und der Entwickler nicht moderirt, so treten Solarisations- erscheinungen ein. Bei längerer Belichtung und moderirtem Entwickler aber erbält man nicht mehr metallisches Silber, sondern ein Silberchlorür, dessen Farbe mit der Länge der Belichtung und Verdünnung des Entwicklers immer heller wird.
Ein Ancopiren ist eigentlich bei keinem Chlorsilbergelarinepapier noth-
wendig, wenn man die Belichtung genau trifft und einen passenden Entwickler anwendet. Man zieht aber das Ancopiren vor, um möglichst gleichmässige Resultate zu erzielen. Man braucht in diesem Falle weder künstliche constante Lichtquelle, welche auch ihre Nachtheile zeigt, noch einen Photometer, da jedes ancopirte Bild sein eigner Photometer ist. Die Entwicklung ist aber ent- schieden analog der bei Bromsilberpapier. Auch auf diesem kann man, wenn es in geeigneter Weise präparirt und behandelt wird, durch Entwicklung farbige Drucke erzielen, die sich obne Weiteres tonen lassen, indem in diesem Falle auch hier kein metallisches Silber, sondern ein Silberbromür gebildet wird. Um ein solches Papier zu erhalten, ist es nothwendig, eine ganz wenig empfindliche, nicht gereifte Brom- silberemulsion herzustellen. Diese erfordert selbstverständlich wiederum eine sehr lange Belichtung, giebt aber dafür auch zarte Copieen, welche sich je nach Belichtung und Entwicklung sowohl in schönen Albumin- als auch in Platintönen tonen lassen. Derartige Emulsionen lassen sich daber mit Vor- theil zur Herstellung von Diapositiven und Duplicatnegativen verwenden, wobei sie noch den Vorzug hbaben, bei selbst starker Vergrösserung kornlos zu erscheinen. Wie man sieht, ist bier eine physikalische Entwicklung voll- ständig ausgeschlossen.
Nehmen wir aber einmal an: die Entwicklung eines ancopirten Bildes erfolge physikalisch, so würde nothwendigerweise Folgendes eintreten müssen: Weil die Reduction der empfindlichen Schicht zur Erzeugung des schwachen Bildes nur an der Oberfläche stattgefunden hat, d. b. nicht tief in die Schicht eingedrungen ist, muss sich selbstredend der Niederschlag aus dem anwesenden freien Silbernitrat auch auf die Oberfläche des Bildes niederschlagen. Die un- ausbleibliche Folge aber davon würde sein, dass sich derselbe durch Reiben Ferner ist es bisher immer der Glaube
den angegebenen Gründen theoretisch und praktisch eine Kleinigkeit. Um aber wieder auf die Liesegangsche Annahme zurückzukommen, wollen
wir noch Folgendes bemerken: Der durch die Oxydationsproduete des Ent-


