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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 23.
unter dem Einfluss reducirender Agentien in metallisches Silber oder in ein Silberbromür,-Jodür oder-Chlorür, d. h. in ein farbiges(einfarbiges), aber nicht schwarzes Bild verwandelt. Bei der physikalischen Entwicklung findet (wie man annimmt) keine Reduction der empfindlichen Schicht zu einem Bromür u. s. w. statt(?), sondern es schlägt sich metallisches Silber aus an. wesendem freien Silbernitrat nieder und bildet in äbnlicher Weise die Bild- contouren wie bei der chemischen Entwicklung.
Beide Entwicklungsarten waren bis dato bei der latenten Bilderzeugung je nach den Umständen angewendet worden. Da trat nun auf einmal das Ancopirverfahren mit zugeböriger Entwicklung in den Vordergrund und es entstand die wichtige Frage: Welcher Natur ist die Entwicklung dieser Bilder! Zunächst wurde schlankweg bebauptet: dieselbe sei durchaus physikalischer Natur, also analog dem nassen Kollodionverfahren, bis ich dies seinerzeit in der D. Phot.-Ztg. widerlegte. Neuerdings hat nun R. E. Liesegang das angeregte Thema im Phot. Archiv berührt und nach Angabe des Wochenbl. Nr. 6 daran gezweifelt, dass der Vorgang der Entwicklung nicht derselbe sei wie bei einer Trockenplatte, vielmehr vermuthet er, dass der durch Oxydation des Entwicklers gebildete Farbstoff sich an den metallischen Silberkern ablagere.
Diese Ansicht können wir durchaus nicht theilen.
Wäre dies nämlich der Fall, dann müssten nachstehende Bedingungen einfach unerfüllbar sein:
1) Herstellung von Bildern in verschiedenen Farbernuancen in ein und
demselben Entwickler.
2) Herstellung von Bildern in annähernd gleichem Ton in verschiedenen
Entwicklern. Nebmen wir z. B. einfach das Herzheimsche Excelsior-Papier zum Ver-
such an. Dasselbe enthält kein freies Silbernitrat, wird aber zur Erzielung
eines brillanten Bildes mebr oder weniger ancopirt. Die hierbei zu erzielenden Töne schwanken zwischen roth, rothbraun, braun und violettschwarz und zwar erzielt man die dunklen Töne, braun und violettschwarz, durch kurze Belichtung, die wärmeren Töne durch längere Belichtung. Wenn nun das Bild durch die Oxydationsproducte gebildet würde, so müsste durch die längere Belichtung, wenn die Oxydationsproduete dunkel sind, das Bild dunkler erscheinen, da es schon obnehin kräftiger ist als das kurzbelichtete, und jenes heller, was aber durchaus nicht der Fall ist. Ferner müsste ein gebrauchter, also ziem- lich viel Oxydationsproduete enthaltender Entwickler viel rascher und weicher arbeiten, als ein frischer, dem ja das„Bild erzeugende“ Material fehlt.
Es ist aber auch eine sehr bekannte Thatsache, dass man die ancopirten Bilder mit verschiedenen Entwicklern, wenn man dieselben passend moderirt, entwickeln kann, was wir wohl hier nicht erst auszuführen brauchen. Wir erwähnen nur der Gallussäure, des Hydrochinons und des Pyrogallols. Mittels dieeet verschiedenen Entwickler aber lassen sich annähernd gleiche Töne erzielen.
Wir kommen nunmehr aber zu einer andern Frage von einschneidender Bedeutung, nämlich der Tonung der entwickelten Copieen, welche ja bekannt- lich ohne besondere Schwierigkeiten möglich ist. Wir glauben aber kaum, dass es jemals gelingen wird, den Farbstoff eines Oxydationsproductes eines der genannten Entwickler durch Cblorgold zu substituiren, wie es im Silber- druckverfahren durch das Tonen geschieht.
Wir bhaben aber schon zu viel über die Unmöglichkeit einer Entstehung des Bildes auf die angegebene Weise gesagt und wollen deshalb dazu über- geben, die Entstehung des Bildes im Ancopirprocess ausführlich klarzulegen;
Setzen wir ein Blatt Chlorsilberpapier, welches kein freies Silbernitrat entbält, dem Licht unter einem Negativ aus, so erhalten wir bei hinreicbend langem Exponiren ein deutliches Bild, welches indessen nicht besonders Kräftig ist, und sich namentlich durch einen auffälligen Mangel an Zeichnung der Halbtöne bemerkbar macht. Das Bild entsteht nun in der Weise, dass das vorbandene Chlorsilber in ein Silberchlorür zersetzt wird, wobei das Chlor frei wird. Ist eine bestimmte Menge Chlor ausgeschieden, so tritt keine fernere
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