Jahrgang 
1894
Seite
213
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Nr. 22. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 213

dem aus metallischem Silber gebildeten Bilde durchaus verschieden, da es sich in Fixirnatron auflöst.

Betrachtet mau den Einfluss des Entwicklers, so findet man, dass er ledig- liech durch Absorption des Broms das Negativ in seiner ursprünglichen Gestalt wieder herstellt(er lässt sich durch Silbernitrat ersetzen), in diesem Falle also nur die Reduction beendet, da ja, wie die Durchsicht zeigt, ein Bild vor- handen ist, welches weder ein latentes, noch vollständig durch Reduction er- zeugtes ist, weil es in Fixirnatron löslich ist.

Man kann also annehmen, dass sich im nassen Verfahren ein solch eigen- thümliches Bild unter dem Einfluss von Licht und Entwickler bildet. Auf diesem schlägt sich natürlich sofort das durch den Entwickler gleichzeitig re- ducirte Silber des Nitrats metallisch nieder und dieser secundàre Vorgang bewirkt das Entsteben des Bildes. Ohne Nitrat wird man also auch factisch, wie die Gegner als Argument für ihre Ansicht anführen, kein sichtbares Bild erbalten können. Das aus einer thbeilweisen Reduction des Jodbromsilbers ge- bildete Bild aber löst sich(wenigstens in den meisten Faällen) im Fixirnatron auf, wodurch das streitige Object, das primhre Bild, verschwindet und nach dem Fixiren nicht mehr zu finden ist. Da nun das theilweise reducirte Bromsilber in der Färbung nicht viel von dem intacten verscbieden zu sein braucht, ist eine Nachweisung desselben nicht ganz leicht. Ausserdem kann ja auch das eigenthümliche primäre Bild, welches zweifelsohne sehr dünn ist, fast ganz an der Oberfläche der Schicht liegen und sich dadurch leicht mit dem metallischen secundären Bild mit dem geölten Finger abreiben lassen. Ein Versuch mit einem frischen, in der Schicht liegenden Celloidinbild be- stätigt das. Bei einer kurz exponirten Trockenplatte liegt bekanntlich auch das dünne Bild in der obersten Lage der an und für sich dünnen Scbicht.

Der hier oft angewandte Ausdrucktheilweise Reduction bedarf einer Erklärung. Brom-, Jod- und Chlorsilber durchläuft nämlich bei allen Re- ductionsprocessen, sei es durch Licht, sei es durch reducirende Agentien oder auch durch Beides vereint, eine ganze Reihe von eigenthümlichen Zuständen, das heisst: es werden Subsalze unzähliger Variationen gebildet, vom normalen Bromsilber mit Ueberschuss an Brom oder Silber bis zum vollständig redu- eirten schwarzen Metall. Hiervon sind vier Zustände zu unterscheiden: 1. das latente Bild, erhalten durch nicht sichtbare Lichteinwirkung; 2. ein sichtbares Bild, auf verschiedene Weise erbältlich, löst sich aber in Fixirnatron auf; 3. ein sichtbares Bild, welches nicht aus metallischem Silber besteht und sieh nicht in Fixirmittel löst; 4. ein aus metallischem, amorphenem Silber ge- bildetes Bild, wie man es durch vollständige Reduction eines Silberhaloides erbält.

Ein latentes Bild nun, das ist der Kern der Sache, ist für sich allein zu nichts zu verwenden, es muss in jedem Falle eine weitere Reduction statt- finden, worauf erst die eigentliche Entwicklung des Bildes stattfinden kann, einerlei ob sie mit Silberniederschlag, als sogenannter physikalischer, oder mit geeignetem reducirenden Agens durch fortgesetzte Reduction geschieht; man kann sogar beide Methoden gleichzeitig auwenden, wie es neuerdings empfohlen wird. Im nassen Verfahren wird nun aber der ersteren Entwicklung der Vor- zug gegeben, weil ein Bild aus Jodsilber äusserst dünn ausfallen würde und doch verstärkt werden müsste. Der Entwickler erfüllt aber hier immer zwei Funcetionen, er bringt zunächst das latente Bild in die Form, in welcher es sich mit dem Niederschlag verbindet, während er gleichzeitig diesen bildet; es muss hierbei nothwendig eine Fortsetzung der durch das Licht eingeleiteten Reduce- Ein molecülarer Vorgang ist bierbei nach unserer Ansicht ausgeschlossen, da ein solcher, wenn durch Licht verursacht, wohl nicht durch ein anderes Medium fortgesetzt werden würde; ausserdem ist der chemische Vorgang wohl hiureichend erwiesen.

Wir kommen nunmehr zu einer andern, sehr beliebten gegunerischen Ein- wendung; man sagt nämlich:Der nasse Kollodionprocess bat in seinen Eigen- schaften Aehnlichkeit mit der Daguerreotypie; gerade wie sich dort der Queck- silberdampf an den belichteten Stellen condensirt, schlägt sich auch das redu- eirte Silber des Silbernitrats an den belichteten Stellen nieder,