212 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 22. Jr.
6 doch zweifellos die verschiedene Farbe das Produet einer Reduction ist, warum dem „1 goll es dann, da es beim Chlor- und Bromsilber der Fall ist, beim Jodsilber d es nicht der Fall sein? 1 Gaedicke führt aus, dass die ganz gering empfindliche Emulsion auf den leh Platten ungemein durchsichtig, und die Negative äusserst dünn und den- viea noch gut deckend seien. EsS steht nun unseres Erachtens der Annahme nichts als im Wege, dass sich im nassen Pprocess durch Reduction ein noch viel dün- andh neres Bild aus Jodsilber bildet, welches sich dann natürlich sofort physika- 1aug lisch verstärkt. Diese Ansicht stimmt mit der Thatsache, dass Bilder aus Jodsilber im Gelatinetrockenverfahren stets sehr dünn sind und mit Hard- thüm wichs Ausspruch über den Aufbau des Bildes auf oberflächlichen Metall- diese partikeln genau überein. dueir Der Einwand, dass das Bromsilber der empfindlichen Schicht, Jodbrom- hewin silber im nassem Verfabren, von einer ganz andern Zusammensetzung(Em- ie pündlichkeit) sei als dasjenige im heutigen Trockenverfahren, ist nicht zu be- erhal streiten, aber an und für sich belanglos. Die Anwesenheit des Silbernitrats ildet und die lange Expositionszeit ersetzen vollständig die mangelnde Empündlich ant, keit, eine Reduction ist also ganz leicht möglich. Ebensowenig stichhaltig ist nach die Bemerkung, dass die nasse Platte weit mebhr Jod als Brom enthalte. Da brom Jod an und für sich reducirbar ist, so kann das primaàre Bild sich auch ebenso hranc gut aus Bromsilber bilden. Uebrigens wurde s. Z. von Eder 1 Theil Jod zu Iu A 1 Theil Brom bei Landschaftsphotographie empfohlen. bat Allen diesen Gründen wird nun von den Gegnern der Reductionstheorie dn ein einfaches Experiment entgegengesetzt, welches praktisch die entgegen- stäͤti stehenden theoretischen Auseinandersetzungen ohne WMeiteres schlagen soll. 5* Das entwickelte Bild einer nassen Platte lässt sich nämlich mit einem in Oel getauchten Finger vollständig abreiben. Hieraus hat man nun gescblossen, I dass das belichtete Jodsilber infolge einer ihm eigenthümlichen Anziehungs- brtie Kraft das reducirte Silber des Nitrats stärker oder schwächer, je nach dem ducti Lichteindruck, anziehe und festhalte, wobei denn nach dem oben angeführten aueh Satz die empfindliche Schicht intact bleibe, und unverändert in der Fixage das! fortgeschafft werde. Wir sind aber, wie schon gesagt, dieser Ansicht nicht. Brom Nach den obigen Ausführungen lässt sich nämlich annehmen, dass das nle Jodbromsilber durch den Einfluss des Entwicklers reducirt werde, dass hier- öld
bei ein(nicht latentes) Bild gebildet werde, dessen Kräftigung durch das aufe niedergeschlagene Silber des Bildes erfolge, ein secundärer Vorgang, der gieh! sich ziemlich weit treiben làsst. Da wir schon die Möglichkeit und Bediu- ſiläen gungen der Reduction besprochen baben, handelt es sich nun darum, den Be⸗ 3
weis zu bringen, dass ein wirkliches Bild, sagen wir: vorhanden sein kanu I oder muss, auf welchem der Aufbau des aus dem Silberniederschlag besteben. ilts den Bildes stattfindet.— Es ist eine alte, langst bekannte Verstärkungsmethode inden im Kolllodionverfahren, dass man das Negativ mit Jodwasser behandelt und eluer! dadurch das reducirte Silber in Jodsilber umwandelt. Man kann dann, nach- geeigr dem man die Platte kurz im Tageslicht belichtet hat, in der gewöholichen au Methode mit Silbernitratlösung verstärken. Eine ähnliche Methode wendet Mird. man neuerdings im Trockenverfahren an; das Negativ erscheint bierbei gabe 2u g positiv in der Aufsicht. In der Durchsicht aber sieht man genau das graue doet Bild des Negativs. Man kann das Negativ nun lange dem offenen Tages- bunef licht aussetzen, behandelt man es dann mit dem alkalischen Entwickler, so er- nit bält man wieder das grauschwarze Negativ, welches aber vorher nach Ua⸗ ierde ständen eine Reihe von Tönen, von roth bis grau, durchläaft. E lin
zeigt daber dieselben Erscheinungen, wie sie von Zantedeschi und Borlinetto ansges im nassen Process angegeben sind. Behandelt man aber das Negativ austatt ein a mit dem Entwickler mit Fixirnatronlösung, so verschwindet es vollständig, 80 ſorga dass nur die blanke Gelatine übrig bleibt.
Hier ist also ein sichtbares Bild vorhanden, welches aus theilweise ſeudu reducirtem Brom- resp. Jodsilber besteht, sonst würde es nicht grau in er Schatte Durchsicht erscheinen, und nicht entwickelbar sein. Dieses Bild von beliebiger zülber, Dünnheit làsst sich nun mit Silbernitrat verstärken, zeigt sich aber vol- eirte


