Jahrgang 
1894
Seite
211
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Bromsilberplatte.

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Nr. 29. Deutsche Photographen-Zeitung 1894.

211 oder Jodsilber metallisches Silber fällen, wie dies im Negativprocess der Fall ist, so muss, soll der Entwickler(das reducirende Agens) wirken, eine be- stimmte Menge Brom. resp. Chlor oder Jod aus dem Normalsatz ausgeschieden werden. Dies geschieht durch die Lichtwirkung. Scheiden wir aber schon früher auf andere Weise einen Theil des Halogenbestandtbeils aus, so unter- stützen wir die Arbeit des Lichtes, und eine geringere Menge Lichtwirkung ist erforderlich als oöhne dieses. Die Hilfsmittel zur Unterstützung der Licht- wirkung sind nun auch bekanntlich die Sensibilisatoren, z. B. Silbernitrat. Fixirnatronlösung, Aetzkali, Tannin u. s. w. Alle diese Stoffe wirken, abge- sehen von der optischen Wirkung, chemisch durch Absorption des Halogens, begünstigen also den Zerfall des Halogenmetalls.

Eine Jodsilberschicht, welche einen energischen Sensibilisator in Form au- hängenden Silbernitrats enthält, erleidet mithin beim Belichten eine che- mische Veränderung, oder kann man die Veränderung des Silberjodids in ein Subjodid als eine, molecülare Veränderung bezeichnen?

Eine chemische Veränderung der Schicht ist also bei der Belichtung voll- ständig erwiesen, es fragt sich nun, kann eine weitere chemische Verände- rung nun auch durch die Eutwicklung erfolgen?

Die Entwicklung der heutigen Trockenplatten erfolgt bekanntlich dadurch, dass das durch das Licht gebildete Subbromid durch den Entwicekler vollstän- dig zu Metall reducirt wird, indem alles Brom ausgeschieden wird. Die Be- dingungen zur Entwicklung sind also das Vorhandensein eines Subsalzes, ein reducirendes Agens und ein Sensibilisator. Alle diese drei Bedingungen finden wir nun auch im nassen Process, soll nun trotzdem dort eine Reduction des Nodsilbers ausgeschlossen sein? b

Es findet sich nun bei den Gegnern dieser Annahme der Einwand, dass Jodsilber sich weit schwieriger reduciren lasse als Brom- und Chlorsilber. Wie weit dies richtig ist, wollen wir hier nicht untersuchen; Thatsache ist,

dass im modernen Trockenverfahren eine Bromsilberplatte mit Gehalt an Jod-

silber für natürliches und künstliches Licht empfindlicher ist als eine reine Da nun hier eine optische Wirkung nicht anzunehmen ist, ist dieser Einwand hinfällig. u

Wenn nun aber nach der landläufigen Annahme das Bild lediglich aus einer physikalischen Anziehungskraft des belichteten Jodsilbers mit Hilfe des gefällten Silbers entstehe, so müsste doch der Zustand des Kollodions in seinen physikalischen Eigenschaften gar keine oder doch nur eine geringe Wirkung auf das Entstehen des Bildes ausüben, was aber durchaus nicht der Fall ist. Es soll das Kollodion porös sein, damit der Entwickler gut ein- dringen kann, sonst entsteht das Bild nur aufoberflächlichen Metall- partikeln(Hardwig, Manuel).

Ferner übt die Natur des dem Kollodion zugesetzten Jodids einen Ein- fluss auf das Bild aus. So erhielten Zantedeschi und Borlinetto(Kreuzer Jahresber. 1856) mit verschiedenen Jodiden folgende Farbentöne:

Bei dem mit Jodkalium erhaltenen Jodsilber Schwarz,

Jodeadmium Violett,

, Jodzink Blasstuschfarb., Aus Jodammonium b Röthlichschwarz, jodwasserstoffsaurem Chinin Purpurroth.

Diese Farbenscala zeigten die Negative nach dem Entwickeln. Man kann diese auffallende Farbenveränderung doch nur aus einer chemischen Ver-

äanderung des Jodsilbers unter dem Entwickler erklären, wie sie sich ja be-

kanntlich analog bei Chorsilberplatten und bei gering empündlichen Brom- silberplatten findet. So fand Gaedicke, als er mit einer ganz ungereiften

Bromsilberemulsion experimentirte, dass sich auf derselben mit einem mode-

rirten Entwickler verschiedene rothstiftfarbige, sepiabraune und grünschwarze Töne entwickeln liessen, die sich gut vergoldeten. Die Empfindlichkeit der

Emulsion wird gleich der einer nassen Platte sein.

Hier ist also thatsächlich nachgewiesen, dass bei zwei photographisch an-

gewendeten Silberhalogenverbindungen durch Reduction ähnliche Töne er- z zielt werden, wie im nassen Process mit Hilfe verschiedener Jodide. Da nun

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