202 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 21.
ü wir zu der Antwort kommen, dass eben ein monochromes Bild nur mseware und Weiss, als den denkbar grellsten Contrasten, den besten Eindruck machen muss. Es liegt dies theils in der Natur, theils aber thut auch Bildung und Gewohnheit sehr viel hieran. Ein guter Geschmack äussert sich ja nament- lich in Farbenwahl und Farbenzusammenstellung. Jemand, der sich für schreiend bunte Farben begeistern kann, wird auch stets ein im sogenannten Photographie- ton gehaltenes photographisches Bild einem platin- oder andern schwarz-weissen Bilde vorziehen, wie er sich ebenso für einen bunten Oeldruck viel mehr interessirt als für den besten Stahlstich.
Leider, kann man sagen, geschieht auch heute noch in der photographischen Ppraxis Mancherlei, was man nicht mit kunstsinnigem Verständniss, wie man es vermuthen sollte, in Einklang bringen kann. Da bemüht man sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ein ordentliches Platinbild herzustellen und demselben dann durch eine Nachbehandlung oder auch schon während der Entwicklung eine undefinirbare, nichts weniger als schöne Färbung zu geben, und ist dann viel. leicht auf die erzielten Resultate obendrein noch ordentlich stolz. Ja, eine Kunst ist das schon, aber welche?
Man macht den verschiedenen Platinverfahren, resp. deren Verfechtern, den Vorwurf, dass die Verfahren an und für sich zu unsicher in Bezug auf Er. zielung eines befriedigenden Resultates seien, und man daher weit sicherer mit einem Substitut für Platinpapier arbeiten könne. Dies ist im Allgemeinen richtig, und eine genaue Kenntniss der Platinimitationsverfahren ist aus diesem Grundeé schon eine wünschenswerthe Sache.
Platinimitationen können nun durch Tonung mit Gold- oder Platinsalzen auf Chlorsilbercopieen erzeugt, oder auch durch directen Druck auf entsprechend präparirtem Papier und durch geeignete Bebandlung erzielt werden, wozu sich ver- schiedene Medien trefflich eignen. Welche Methoden hiervon den Vorzug verdienen, lässt sich nicht gut sagen, da die Erzielung guter Resultate, wie die Praxis be- weist, lediglich von der Geschicklichkeit und Erfahrung, resp. dem Wissen des Operirenden abhängig ist. Eine genaue Kenntniss des Tonprocesses ist aber nicht nur interessant, sondern auch praktisch wichtig.
Der Tonungsprocess besteht nun bekanntlich darin, dass sich Gold oder blatin aus einer Chlorgold- resp. Platinchlorürlösung auf das Bild aus Silberchlorür niederschlägt. Hierbei finden nun eine Reihe von Reductionserscheinungen statt. Namentlich das Goldchlorid durchläuft diese verschiedenen Phasen, indem sich aus dem Chlorid ein Product bildet, welches immer weniger Chlor enthält, bis zuletzt amorphenes Gold im metallischen Zustand übrig bleibt, welches daher rein schwarz erscheinen wird. Alle zwischenliegenden Töne werden nicht durch metallisches Gold, sondern durch ein entsprechend gefärbtes Chlorür gebildet. Dieselben können also nicht widerstandsfähig gegen chemische Einflüüsse sein, und lassen sich auch in der That durch Anwendung eines Abschwächers vollkommel- zerstören. Die Reduction des Goldchlorids wird wesentlich beeinflusst darch Medien, namentlich Alkalien. Säuren verzögern dieselben oft und erzeugen dann ein charakteristisch gefärbtes Chlorür, selbst dann, wann dieselben in Verbin- bung mit Alkalien angewendet wurden; man beachte nur die Wirkung des eitronen-essig-wolframsauren Natrons. Es muss aber beachtet werden, dass ge- wisse Säuren den Reductionsprocess begünstigen, wenn sie mit einem Alkali verbunden angewendet werden. In dieser Hinsicht ist die Verbindung der Phosphorsäuren mit Natron bekannt, die rasche Erzielung eines tiefschwarzel Tons mit phospborsaurem Natron ist also einfach zu erklären.
Beim Platinverfahren im Tonungsprocess tritt dieselbe Reducetionserscheinung auf, und wird auch jedenfalls durch geeignete Medien beeinflusst. Weil fein- vertheiltes metallisches Platin, aus einer Platinchlorürlösung erzeugt, sich als ein amorphenes schwarzes Pulver(Platinmohr) präsentirt, ist die Erzielung eines tiefschwarzen Tones im Platintonverfahren nicht nur möglich, sondern ver- hältnissmässig nicht schwieriger als beim Goldtonungsverfahren. Man eréielt aus diesen Gründen auch weit leichter und sicherer mit Gelatinepapier(Mignon- Papier) einen tiefen blau- bis reinschwarzen Ton als mit Kollodion(Gelloidin- Matt) Papier, da die Gelatine als Sensibilisator den Reductionsprocess unter- stützt, eine Thatsache, welche die Praxis jederzeit bestätigt. Es braucht also im
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