Jahrgang 
1894
Seite
193
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Nr. 20. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 193

Briefe von der Photographischen Genossenschaft in Essen a. Rh., von Hamburg-Altona vom Vereine zur Förderung der Photographie in Berlin, von der Photographischen Gesellschaft in Wien sprechen sich sehr sympathisch für die Abhaltung eines photographischen Congresses aus, nur will der Deutsche Photographenverein die Nothwendigkeit eines solchen Congresses nicht aner- kennen, zumal er, als grösster Verein, die Interessen der deutschen Photographen- welt jederzeit in nachdrücklichster Weise vertreten habe.

Hiezu theilt Herr Haake mit, dass er den verschiedenen Vereinen bereits geantwortet habe, nur dem letzteren Vereine habe er vorerst nur den Empfang bestätigt und wünscht Instruction, in welcher Weise er das Antwortschreiben abfassen solle.

Nachdem Herr Prof. Vogel sich darüber verbreitet, was ein solcher Con- gress bezwecke, dass er doch nur das Erblühen und Vorwärtsschreiten der photographischen Kunst anstrebe und Verbesserungen einzuführen gedenke, hält

er es für sonderbar, dass sich dem ein Verein verschliessen wolle und ersucht

die Versammlung, dem Vorstand das Mandat zu geben, dem Deutschen Photo- graphenvereine in sachgemässer Weise zu antworten.

Der Vorsitzende stimmt dem bei und ersucht Herrn Haake, in diesem Sinne zu verfahren.

Zur Erklärung diene, dass Herr Docent F. Schmidt aus Karlsruhe der Vorsitzende war und dass Herr Prof. H. W. Vogel aus Berlin an diesem Tage im Frankfurter Vereine einen Vortrag hielt.

In gleicher Weise bringt diePhotographische Correspondenz von Seiten des Frankfurter Vereines, dessen Organ sie ist, unseren Vorstandsbeschluss, sowie die Antwort des Herrn Haake hierauf und genau so sind diese beiden Sachen auch in der Nr. 19 derChronik, Red. Herr Dr. Ad. Miethe, sowie in dem Maibeft l. derPhotogr. Mittheilungen, Red. Herr Prof. Dr. H. W. Vogel, ent- halten. In einer Bemerkung der Redaction derPhotographischen Mittheilungen wird darauf hingewiesen, 4

dass die Bedeutung eines Vereines nicht abhängt von der Zahl seiner Mitglieder, sondern von seiner Thätigkeit im Interesse des Fortschrittes der Photographie und der Wahrung der Interessen der Gesammtheit. In dieser Hinsicht leisten aber kleinere Vereine, die unter einem intelligenten und rührigen Vorstand monatlich zusammen- kommen, zehnmal mehr als ein Verein, der jährlich nur ein einziges Mal mit einer Minorität seiner Mitglieder zusammentritt, um eine improvisirte Ausstellung zu be- sehen, über eigene Angelegenheiten zu verhandeln und sich zu amüsiren.*)

Und ferner:

Ganz genau dasselbe kann der Verein zur Förderung der Photographie von sich sagen. Er hat das gerade Gegentheil von einer Berücksichtigung gespürt; ist auch durchaus nicht geneigt, sich von einer Minorität von sechs Herren berücksichtigen zu lassen, die immer im Namen von 700**) sprechen, die nicht gegenwärtig sind und von den gefassten Beschlüssen erst hinterher erfahren. Wir freuen uns, dass der Frank- furter Verein diese Sache einmal klar gelegt hat. Herr Gaedicke nennt das Ver- einsmisère***)(s. Phot. Wochenblatt d. J. Nr. 14).

Wir möchten hierbei den Phot. Mitth. in Berlin zur Erwägung anheimgeben, doch einmal statistische Nachweise zu führen, ob die Versammlungen des Ver- eins zur Förderung der Photographie(abgesehen von Festlichkeiten) im Durch- sehnitt von viel mehr als von zehn Personen, darunter vielleicht sechs Mit- glieder, besucht sind? Wegen derBerücksichtigung verweisen wir auch hier auf die Angelegenheit Sonntagsruhe. Hier wurde laut Protokoll zunächst ein ablehnender Beschluss gefasst und erst als Herr Otto Lindner in dankens- werther Weise sich zur Vertretung erbot, in einer folgenden Sitzung beschlossen, dieses Angebot anzunehmen.

Ein gemeinsames Vorgehen verschiedener Photographen-Vereine in Deutsch- land gegen den Deutschen Photographen-Verein ist hiernach nicht zu verkennen: wir werden auch leider in aller Kürze Gelegenheit haben, diese Thatsache durch weitere Beweise zu unterstützen. Es ist aber bedauerlich, dass sich dieEinig-

*) Anm.: Und trotzdem waren diePhotogr. Mittheilungen und die übrigen Werke von Prof. Vogel von dem Verleger in Hildesheim auch zur Ausstellung gebracht! Red.

**) Anm.: 780! Herr Professor! Red.

*rr*.) Anm.: Herr Gaedicke bezog das aber auf die für manche Leute höchst fatalen Zwischenfälle in der Deutschen Gesellschaft von Freunden der Photographie, deren Ehrenmit-

glied, Herr Professor Vogel, seinen Austritt erklärt hatte. Red.