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Nr. 20. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 191
halten. Auch bei ihnen ist es der Vorstand, der die nothwendigen Vorbe- reitungen allein trifft. Selbstverständlich ist es, dass das überall nur in tüchtiger Arbeit geschehen kann. Wenn aber der Vorstand des Frankfurter Vereins sich über diese Art der Vertretung des Deutschen Photographen- Vereins durch seinen Vorstand beschwert, so wolle er dabei nicht aus dem Auge lassen, dass die 780 Mitglieder des Deutschen Photographen-Vereins jedenfalls selbst in der Lage sind, bierüber ihr eigenes Urtheil zu fällen. Wenn die Mitglieder des Deutschen Photographen-Vereins von dieser Ueber- zeugung durchdrungen wären und wenn sie nicht einsäben, wie sehr ihr Bestes von Seiten des Vorstandes des Deutschen Photographen-Vereins gefördert wird, so würden sie sicherlich ihre Mitgliedschaft bald niederlegen.
Wir bestreiten ferner, und werden bierbei ebenfalls durch die Thatsachen unterstützt, dass der Frankfurter Verein trotz der bequemeren Gelegenhbeit, die ihm seine Versammlungen bieten, bisher im Stande gewesen ist, den Tages- ereignissen gegenüber sofort Stellung zu nehmen. Als der Deutsche Photo- graphen-Verein im vorigen Jahr unternahm, in Angelegenheit der Sonntagsruhe eine Abordnung an die Staatsminister von Bötticher und von Berlepsch ins Leben zu rufen, war es gerade der Frankfurter Verein, der ausweichende Antworten gab und noch am 1. September 1893 erklärte der damalige Vor- sitzende, Herr Hofphotograph Voigt, dem Vorsitzenden des Deutschen Pboto- graphen-Vereins, Herrn K. Schwier, in Gegenwart von Zeugen, dass der Vor- stand des Frankfurter Vereins eine Betheiligung rundweg ablehne, weil es ja doch keinen Zweck habe und weil die Regierung durch Petitionen etc. schon genügend orientirt sei. Allerdings wurde noch an demselben Abend von Herrn Dr. Ritsert festgestellt, dass der Vorstandsbeschluss etwas anders gelautet habe. Trotz mehrfacher Anschreiben vermochte aber der Vorsitzende, Herr Voigt, erst am Vorabende der Audienzen, also am I. November 1893, durch eine Depesche nach Berlin zu erklären, dass der Frankfurter Verein sich den Bestrebungen der sämmtlichen übrigen deutschen Vereine auschliesse.
Wenn die zwischen den Jahresversammlungen des D. Ph.-V. liegenden Kundgebungen und Beschlüsse des D. Ph.-V. ausschliesslich Handlungen seines Vorstandes sind, so ist nicht zu vergessen, dass der Vorstand des D. Ph.-V. niemals aus den Augen lässt, dass er seinem Vereine dafür strenge Rechen- schaft schuldet. Ausserdem sind die Wege, welche der Vorstand einschlägt, Dank dieser Vorsicht, stets solche, von denen er sich Eins weiss mit der Mehrheit seiner Mitglieder. Wichtige Beschlüsse bedürfen ja auch stets der Bestätigung der nächsten Wanderversammlung, welche auch diesmal endgiltig über den ablehnenden Beschluss bezügl. des Congresses zu entscheideu hat.
Wenn der Vorstand des Frankfurter Vereins bis jetzt von einer Berück- siehtigung seines Vereins nichts verspürt hat, S8o liegt das weniger an uns, als an seiner eigenen ablehnenden Haltung. Wir glauben aber z. B. in der Angelegenheit der Sonntagsruhe ihm genügend Gelegenbeit gegeben zu haben, seinen Sonder-Standpunkt zu verlassen.
Auch wollen wir bei der Gelegenheit nicht unterlassen, hinzuweisen, in denen der Vorstand des Frankfurter Vereins hat, dem Beispiele des D. Ph.-N. zu folgen:
den Stellen-Nachweis, dessen Satzungen s. D. Ph.-V. nachgedruckt waren; die Bildung und Handhabung des Preisgerichtes während der letzten Ausstellung Anfang September 1893, zu welcher laut vorliegenden Briefen des damaligen Vorsitzenden speciell ad boc der stellver- tretende Vorsitzende des D. Ph.-V. Herr Fr. Müller in München als Ppreisrichter berufen wurde; die Einrichtung von besonderen Vorträgen, wie sie stets Wanderversammlangen des D. Ph.-V. stattfanden.
Der Vorstand des D. Ph.-V. will hiermit dem Vorstande des Frankfurter Vereins durchaus keinen Vorwurf machen, im Gegentheil: er freut sich dessen und wendet ihm trotz der ablehnenden Haltung, die sich in mancherlei Dingen zeigt, dennoch seine ganze Sympathie zu. Der D. Ph.-V. würde aber seine
eigenen Lebensbedingungen zerstören, wenn er sieh an einem Con- 5
auf andere Punkte nicht verschmäht
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