Jahrgang 
1894
Seite
182
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Nr. 19.

HDeutsche Photographen-Zeitung 1894.

Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik stellen wir unsere Spalten Jedermann soweit möglich zur Meinungsäusserung frei, dem nicht anonymen Einsender die Vertretung selbst überlassend.

Die Hebung des Geschäftsümsatzes.

Von Seiten fast aller Photographen wird Klage über einen höchst flauen Geschäftsgang geführt; es ist daher wohl eine Thatsache, dass diese Klagen nicht ohne Berechtigung sind. Dabei wird besonders der Mangel an Aufträgen auf Portraits grösserer Formate empfunden, während der tägliche Geschäfts- gang sich still und schleppend auf die Anfertigung der kleinsten Formate be- schränkt. Wenn man nun nach den möglichen Ursachen dieser wenig be- friedigenden Thatsache fragt, so hört man als solche fast regelmässig die übergrosse Concurrenz oder aber die Amateurphotographen bezeichnen; selten jedoch wird die Ursache in der wohl viel eber zutreffenden Photographie- Müdigkeit des Publikums gesehen.

Nicht die zu grosse Concurrenz oder der Amateur bewirken den schlechten Geschäftsgang, sondern das Publikum ist unserer schönen Kunst gegenüber ein wenig sehr gleichgiltig geworden; das Interesse, sich bäufiger photogra- phiren zu lassen, ist ganz entschieden geschwunden. Erkennen wir einmal diese Wahrheit, dann müssen wir auch nach den Ursachen dieser Gleichgiltig- keit forschen und das Interesse für ein photographisches Portrait wieder zu wecken suchen.

Welch grossen Aufschwung nahmen von 1881 vielleicht bis 1887 wohl sämmtliche photographischen Ateliers durch die Einführung der Trockepnplatten und die damit ermöglichte Abkürzung der Exposition!

Das Publikum nahm regen Antbeil an diesem Fortschritte, welcher uus erst recht die Anfertigung der reizendsten Kinderaufnahmen u. s. w. ermog- lichte. Heute ist unsere Kundschaft längst an die kurze Sitzungszeit gewöhnt, findet nichts Neues mehr dabei und verlangt eben etwas Anderes, Wo- ran es sein luteresse bekunden kann. Immer und immer dieselben Albumin- bilder zu sehen, ist allmählich höcht langweilig geworden unddieses sich au den Albumincopieen berzlichst satt gesehen haben bedingt den herrschenden flauen Geschäftsgang.

Das Publikum will etwas Neues sehen und wenn wir als tüchtige Geschäafts- leute diesen Trieb befriedigen, so wird auch unser Geschäft blüben.

Es ist ja schwer, sich von dem altgewohnten Albuminprocess zu trenunen, jedoch gebieterisch verlangt das Publikum andere als Albumincopieen und hier dürfte wohl in erster Linie der Celloidinprocess, welcher in immer grösser

werdendem Maasse rapid das Albuminverfahren verdrängt, in Frage kommen.

Freilich, das Celloidinpapier will anders behandelt sein, jedoch pach einuigen

Einarbeitung wird wohl jeder Photograph in kürzester Zeit dieses schöne Ver: fahren soweit beherrschen können, um Copieen zu erzeugen, welche soleben

auf Albuminpapier denn doch an Schönheit weit überlegen sind. Vermeidet man die bekannten, nichts weniger als schön wirkenden sogenannten blau- schwarzen Celloidintöne, was ja insofern einfach ist, sobald man von der Au-

wendung des Rhodansalzes zum Tonen ganz absieht, so werden stets Copieeb mit schönen violetten Tönen resultiren, die dem Publikum ganz ausserordent

lich gefallen und solchen Geschäften, die ausschliesslich derartige schöngetonte Celloidinbilder zur Ablieferung bringen, neue Kundschaft zuführen und neuel Aufschwung des Geschäftes verursachen.

Es ist überhaupt für alle Geschäfte von Nutzen, nicht gar zu sehr hand- werksmässig die Copieen herzustellen und nicht immer über einen Leisten zu arbeiten. Warum werden z. B. mit wenig rühmlichen Ausuahmen in kast keinem deutschen Atelier die prächtigen Aristobilder angefertigt? An Schöa-

heit des Tones, der wunderbaren Wiedergabe aller Details und Klarheit der

Hahaitten ist doch das Chlorsilbergelatinebild allen anderen Copieen auf sonstigem- pier, mag es einen Namen tragen, welchen es will, gewiss überlegel.

Warum überlassen wir die Aunfertigung solcher Aristocopieen und die Ver-

arbeitung des Chlorsilber-Gelatinepapiers ausschliesslich den Amateuren, welehe

lann aut Koston der Fachphotographen mit diesen prächtigen Copieen para- diren? Es ist geradezu unbegreiflich, wie wir Fachphotographen so unsinnig