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Nr. 19. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 183 zu unserem eigenen Schaden bequem sind, um aus der Tretmühle des Albumin- processes einmal herauszukommen; ist es doch selbst mit einzelnen Aristo- marken möglich, durch Aufquetschen emaillirter Gelatinebilder feucht aufzu- ziehen, ohne den Spiegelglas einzubüssen.
Auf dem Gebiete der Herstellung neuartiger Positivbilder regt es sich gewaltig. Das von verschiedenen Fabriken auf den Markt gebrachte matte Celloidinpapier hat regen Anklang gefunden; lassen sich doch mit diesem Papiere Copieen in der Art der schönen sogenannten Mignonphotographieen herstellen, wobei das für letztere so umständliche Aufquetschen auf Mattglas- tafeln fortfällt und giebt ferner das matte Celloidinpapier mittels directen Copirens uns die besten Schwarzdrucke, welche den sogenannten Platinotypieen nicht nur nichts nachgeben, sondern diesen hinsichtlich der„Weissen“ be- deutend überlegen sind.
Vielen Fachphotographen war die Herstellung von Platinotypieen infolge
der nötbigen Entwicklung zu unbequem und das Resultat zu unsicher, um
solche Platincopieen, die beim Publikum sich so grosser Beliebtheit schon deswegen erfreuten, weil die Bilder einmal ein anderes Aussehen hatten, als die gewohnten ewigen Albumincopieen, anzufertigen und anzubieten. Darch Verarbeitung des so äusserst einfach zu verarbeitenden und dabei billigen matten Celloidinpapieres dürfte dem„Schwarzdruck“ ein weites Absatzfeld offen stehen.
Und nun schliesslich dürfte es angebracht sein, noch kurz auf das so wenig geübte Verfahren zur Herstellung von Bromsilbervergrösserungen hin- zuweisen, dessen Ausführung doch böchst rentabel und lohnend ist, sodass es eigentlich überraschen muss, wenn man bedenkt, wie wenig Geschafte dieses nutzbringende Verfabren ausüben. Bromsilberpapiere, welche schöne, kräftige Abzüge in warm schwarzem Ton geben, finden sich genügend im Haudel. Einen guten Vergrösserungsapparat mit Condensationslinsen von mindestens 22 cm Durchmesser mit Lampenbeleuchtung(Tageslicht zum Vergrössern be- nutzen zu wollen, ist zu verwerfen, da ipfolge der wechseluden Lichtstärke zu ungleiche Resultate erzielt werden) ist für mässigen Preis zu beschaffen. Das Entwickeln geht nach kurzer Einübung, falls Eisenentwickler genügend verdünnt angewandt wurde, leicht von Statten, die Retouche ist auf mattem Papiere schnell und leicht mit chinesischer Tusche, gemischt mit einer Spur Neutraltinte, gemacht; der Hintergrund wird mittels Wattebausches mit einem Gemisch von pulv. Graphit, blauer Pastellkreide und einer Spur Lampenruss in Wolken gerieben und dem Fachphotographen erwächst durch Lieferung der- artiger Bilder ein erklecklicher Nettogewinn.
Viel Abwechselung im Positivverfahren— viel Verdienst. Probatum est!
Ernst Colby& Cie., Zwickau(Sachs.).
Anm.: Wir haben dem vorstehenden Artikel gern Aufnahme gewährt, wenn wir auch für unsere Person anderer Ansicht über die„Tretmühle des Albuminpapieres“ sind. Wir glauben nicht, dass das Albuminpapier so völlig von dem glänzenden Papier der Neuzeit ver- drängt wird, da gerade durch seine ruhige und dadurch feiner wirkende Oberfläche es ent- schieden einen besseren künstlerischen Eindruck macht als die Glanzpapiere. Nicht zu bestreiten ist allerdings, dass das Publikum, dem ja in solchen Sachen„oftmals nur selten“ künstlerischer Blick anhaftet, sich durch die„Brillanz“ bestricken lässt.— Mehr hingegegen dürfte von der Zukunft der matten Papiere versprochen werden, die ja als theilweiser Ersatz für Platinpapier manche von dessen Vorzügen an sich tragen, ohne die Schwierigkeiten zu bieten, mit denen ungeübte Hände bei jenen oft noch zu kämpfen haben. Die Red.
Vereinsnachrichten. Der Weltphotographieverein
hält in diesem Jahre seine dritte Sitzung in Amsterdam ab und zwar während der Zeit vom 6.— 11. August. Alle Freunde dieses Vereines werden hierzu ein- geladen mit dem Bemerken, dass es interessant sein dürfte, auch noch die der Sitzung folgende Woche in Antwerpen sich aufzuhalten, denn dort ist dann die bekannte Weltausstellung am 18. August und am nächsten Tage die berühmte Procession von Notre-Dame. Die Sitzung für Amsterdam findet statt in fol- gender Weise:


