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Nr. 18. Heutsche Photographen-Zeitung 1894. 177 erscheint. Wenn man nun aber das eine Bild so einrichtet, dass es lediglich für das rechte Auge sichtbar ist und das andere Bild lediglich für das linke Auge, so ist es leicht einzusehen, dass diese beiden verschiedenen Bilder dann ebenfalls wieder einen stereoskopischen Effect machen werden. Wenn man einen Gegenstand durch ein blau gefärbtes Glas ansieht, so gelangen als helle Strahlen nur alle diejenigen Punkte des Gegenstaudes in das Auge, welche dieses Blau enthalten und zwar je mehr blau, um so stärker, und umgekehrt werden alle diejenigen Farben, welche kein Blau enthalten, dem Auge schwarz erscheinen. Wenn man also mit einem blau gefârbten Glase das vorliegende Bild ansieht, so kann, wenn die Farbe des Glases richtig gewählt ist, die blaue Farbe nicht beller erscheinen, als das weisse Papier; es wird also das Blau sich von dem weissen Papier nicht abheben, dagegen das Roth, durch das blaue Glas geseben, schwarz erscheinen. Umgekehrt muss, wenn man ein rothes Glas zum Betrachten verwendet, das rothe Bild verschwinden und nur das blaue sich dem Auge sichtbar zeigen. Dadurch nun, dass man zum Betrachten dieses Bildes zweierlei Gläser nimmt und zwar für das rechte Auge ein blaues, für das linke aber ein rothes Glas, wird es möglich, jedem Auge nur eins der beiden Bilder vorzuführen und dadurch den beab- sichtigten stereoskopischen Effect zu erlangen. Man bedient sich zu diesem Anschauen am besten einer Brille oder eines Klemmers, in dem das rechte Glas blau und das linke roth ist, selbstverständlich gewöhnliches Fensterglas. Die gleiche Methode kann übrigens auch angewendet werden, wenn man dureh ein Scioptikon beide Bilder getrennt von einander oder übereinander auf eine weisse Wand wirft, aber so, dass das eine Bild roth und das andere blau erscheint. Für diesen Fall kann ein grösseres Auditorium, vorausgesetzt, dass jeder Zuschauer mit einem solchen Klemmer bewaffnet ist, gleiebzeitig einen stereoskopischen Eindruck des projicirten Bildes erbalten. Es bedarf wohl kaum der Auseinandersetzung, dass hierbei etwas an Licht verloren geht und dass man also diese Bilder in sehr hellem Liehte betrachten muss. Dem gegenüber stebt aber wieder der grosse Vortheil, namentlich für die Pro- jectionsbilder, dass man die Bilder in einem bedeutend grösseren Maass- stabe zur Anschauung bringen kann, als wie dieses bei den gewöhnlichep Stereoskopapparaten möglich war. Man darf nämlich nicht unberücksich- tigt lassen, dass bei den gewöhnlichen stereoskopischen Doppelbildern die beiden Bilder über ein gewisses Maass nicht hinaus können, weil diese Grösse durch die Entfernung der beiden Augen von einander gegeben ist. Corre- spondirende Punkte in zwei solchen Bildern dürfen nicht weiter aus einander stehen, als wie die beiden Augen und dadurch ist ja auch die Grösse be- stimmt. Wie uns Herr Dr. Demole, durch dessen Vermittelung wir die Bei- lage bekommen haben, mittheilt, hat für Deutschland die Firma Dr. Ad. Hese- kiel& Co. in Berlin die Generalvertretung für Deutschland für diese Ana- glyphieen bekommen. Auf Wunsch ist der Verlag der Deutschen Photo- graphen-Zeitung gern bereit, den Lesern die betr. Gläser resp. Brillen zum Besichtigen zu liefern.
Literatur. b
Die Kunst für Alle. Das 14. Heft des 9. Jahrganges der Zeitschrift„Die Kunst für Alle“ enthält verschiedene Kunstbeilagen, welche für die Mitglieder des Deutschen Photographen-Vereins, speciell für diejenigen, welche die Wanderversammlung in Hildesheim besuchten, von ausserordentlich grossem Interesse sind. Es enthält das Heft nämlich ausser einer Biographie des Malers Hermann Prell eine grosse Anzahl der Aquarelle, die als Wandgemälde den Rathhaussaal von Hildesheim zieren. Die Bilder sind in Autotypie hergestellt und von vorzüglicher Wirkung, sodass sie dem Beschauer gewiss einen ange- nehmen Eindruck hinterlassen. Auch Studien zu einzelnen dieser Wandgemälde inden wir darin; sie geben Zeugniss von den Vorarbeiten, welche der Künstler gemacht hat.
Wir können überhaupt den Herren Collegen dieses Werk,„Die Kunst für Alle“ von Pecht ausserordentlich empfehlen. Es erscheinen deren viertel-


