174 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 198. Vr. lH Messias erstanden sei, als ich den Kernpunkt erkannte. Man höre und er- Erhabe schrecke, 50% aller Photogramme sollen nach dem Verfasser einfach Zerr- dem g bilder sein! Zum Glück für ihn, resp. für uns wird der rechte Weg zur Vorka- Besserung von dem Verfasser jener Schreckensnachricht selbst gegeben und bekanr speciell den Retoucheuren zur Busse und Besserung sein Werklein empfohlen! gerisse leider ist die Schilderung des Für und Wider in jever Zeitschrift so aus- gefesti führlich, dass ich hier auf eine Wiedergabe verzichten muss, doceb der langen went i Rede kurzer Siun wäre, anders gefasst, folgender: Tüchtige, den Geschmack und V. fördernde Ausbildung, speciell unserer Lehrlinge, und nicht eigennützige Aus- nicht nutzung dieser Arbeitskräfte wird und muss die Photographie heben, sowie jaugel zu erneutem Ansehen bringen, und alsdann erlischt auch die Klage über schlechte Gehilfen! Die aus solchem gebesserten Gehilfenmaterial hervorgehenden Chefs Beri werden keineswegs Bilder liefern, von denen ¾ das Missfallen jenes Messias erregen. Der Verfasser jener Heilschrift, der als Devise die Kunst und Wahr. 1 heit im Banner führt, mag ja an und für sich ein vorzüglicher Retoucheur sein! lumen, Seine Andeutungen aber über Handhabungen der Operation lassen keinesfalls mte 5 die Annahme zu, dass er ein grosser praktiker in diesem so wichtigen Theile Steinäm der Portraitphotographie ist. Dass es nicht immer der Operateur ist, welcher elbst i
Schuld trägt an der eckigen, plumpen, hölzernen, in Summa unbarmonischen Stellung, wird Der zugeben, welcher das Publikum in allen seinen Schichten und die Operation selbst kennt. Warum werden die Photogramme z. B. von Schau- spielern, und ganz speciell von Schauspielerinnen, stets so bewundert? Weil es am Sujet selbst und in ihm liegt, dass die Idee des Operateurs so ausgeführt
wird, wie sie von ihm gedacht wurde! Ich bin meinerseits überzeugt, dass D die Kritik sicherlich zurückhaltender und weniger selbstbewusst von Seiten sionen jenes Herin lauten würde, wenn er nur einige Zeit lang in einem Portraitatelier einen Stellungen geben und für diese aufkommen sollte! Seine Ausführungen über noeh: Kunst und Ethik richten sich von selbst für Den, welcher ihm auf diesem Ge- Euglal biete folgen kanp. Eine Kritik derselben meinerseits ist nicht beabsichtigt. lände. Der Zweck dieser Zeilen ist nur der, den Verfasser jener geharnischten Worte mit zu ersuchen, das Kind picht immer mit dem Bade auszuschütten! Seine Ab- Diesen neigung gegen Amateurarbeiten fübrt ihn nämlich soweit, dass er in einem qdoch
angezogenen Punkte die Verunstaltungen, welche die Amateure in ihrer Auswahl der 8 der menschlichen Stellungen sich nach seiner Meinung zu Schulden kommen Seiten liessen, als solche schildert, welche schwerlich von einem Provinzphotographen F übertroffen werden könnten! In dieser Beziehung dürfte es diesem Reformator Fureht unserer jetzigen Photographenwelt wohl neu sein, dass der Provinzphotograph haber oft viel, sorgfältiger arbeiten muss, als mancher College der Grossstadt. Ktreite Des Weiteren bieten viele Provinzateliers besser durchdachte Posen und Be- Sein q leuchtungen d. b. bessere Bilder als vielleicht der Herr Kritiker ahnt und weiss! auf 25 Dies zur Ebre der Wahrheit und nun weiter! Bemüht, den Worten die nöthige Druek Würze zu verleiben, gebrauchte der Verfasser in jenem Artikel ein Citat, der( dabei fiel mir der Spruch ein, der auch einige Wahrbeiten in sich birgt: anes „Es bildet ein Talent sich in der Stille etc.“ und dabei musste ich ad Umstà die„Verunstaltungen“ des„Provinzphotographen“ Herrn Ottomar Anschütz 3 denken! Vielleicht kennt unser Prophet diesen Spruch und die Arbeiten des— genannten Herrn aus der Provinzstadt Lissa!— Doch noch Eins. Nicht allein blitz. bei dem Stellunggeben erfahren wir, wie wir bisher sündigten, nein, auch die jetet Arbeiten an dem Apparate sollen so sein, dass dieser und die Operateure dem dieht
Blicke des Publikums entrückt werden! Der tiefe Sinn ist unklar! Unmöglicb piot
kann uns der Vorkämpfer von Wahrheit und Kunst glauben machen wollen, eem 3 das Publikum bestände nur aus kleinen Kindern, welche nicht wissen, Was ui eigentlich geschieht oder geschehen soll?!!! Es ist dies eben die so schwere b 8 Aufgabe und Kunst der Operateure, das Publikum von dem Gedanken, dass es In
photographirt werden soll, zu entfernen und auf eine gewis Lüge hinzuwirken, und keine Starrheit, und wiederum 4 isdenie dedeſ 1n ben erhalten! Dies wird aber wohl nie oder selten auf mechanischem Wege erreicht⸗ die Menn aber überall nur reine individuelle Wahrheit angestrebt werden soll, wie libi vird da die gegebene Stellung eines ungeschickten Ackerknechtes sein? Kann gelatt dort der Hauch der Harmonie, verschönernd und künstlerisch walten?„YVom Kollan


