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Nr. 17. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 165
Rundsch au.
Aus amerikanischen Zeitschriften.
Stellenweise Entwicklung von Bromsilberpapieren mit Hilfe
des Pinsels. In den Februarnummern von Anthony's Photographie Bulletin giebt Heldmann einige interessante Anweisungen zur Entwickelung auf Brom- silberpapier. Der Verfasser bespricht hauptsächlich die Möglichkeit unter Zuhilfenahme eines Pinsels bestimmte Stellen des Bildes herauszuholen resp. andere Stellen zurückzuhalten, ohne dass der Entwickler eines fremden Zu- satzes bedarf. Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt er einen langsam wir-
kenden Hydrochinonentwickler von folgender Zusammensetzung: A B.
6 g Hydrochinon, 3 g Kohlensaures Natron, 3„ Citronensäure, 3„ Acetzkali, 1,5„ Bromkalium, 480„ Wasser.
55„ Natriumsulft,
780„ Wasser.
Zum Gebrauche werden gemischt: 1 1 Theil von A, 2 Theile von B
und die Platte in dieser Lösung entwickelt. Das Bild erscheint langsam. Soll nun ein bestimmter Theil hervorgeboben werden, so taucht man einen Kameelhaarpinsel in Lösung B und überführt nun diejenigen Stellen mit dem Pinsel, welche zurückzubleiben drohen resp. eine stärkere Entwickelung er- fahren sollen. Der zu verwendende Pinsel ist ein 1 Zoll langer mit Hart- gummi gebundener Kameelhaarpinsel, der nur gut gewaschen werden und von allen losen Haaren befreit sein muss. Dieses Verfahren kann auch noch in anderer Weise Anwendung finden und zwar zur Herstellung von abgetonten Vergrösserungen ohne die Abtonung während der Vergrösserung in der be- kannten Weise mit einer bewegten Maske bewirken zu müssen. Vor der Ent- wickelung wird das Papier gehörig mit destillirtem Wasser in einer Schaale durchtränkt, dann das Wasser abfliessen gelassen und nun mit dem mit Ent- wicklerlösung getränkten Pinsel in breiten Stricheu auf der ganzen Fläche überfahren. Das Bild erscheint langsam. Wenn dasselbe schwach sichtbar ist, spült man mit reinem Wasser den Entwickler ab und überfährt nun die- jenigen Stellen mit dem Entwicklerpinsel, welche herauskommen resp. diejenigen zu wiederbolten Malen, welche besonders kräftig erscheinen sollen. Auf diesem Wege ist es sogar möglich, im Hintergrunde nach Belieben Wolken zu ent- wickeln.
Photographie in natürlichen Farben. In Anthony's Bulletin findet sich eine enthusiastische Beschreibung der Resultate des bekannten Optikers R. D. Gray auf diesem Gebiete. In einem im Laufe des Januar in Chickering- Hall in New-York gehaltenen Prajectionsvorträge zeigte Herr Gray zahlreiche Bilder, welche sich durch die naturgetreue Wiedergabe der Farben ausgezeichuet haben sollen. Herr Gray, der nach seiner Angabe nichts Neues, sondern nur Verbesserungen der von Cros, Du Hauron, Ives, Vidal und Vogel angewandten Methoden geschaffen haben will, operirte mit einem Seioptikon ähulich dem von Ives construirten, indem er die drei Aufnahmen, welche durch ein rothes, grünes und blaues Filter aufgenommen worden waren, durch eben dieselben Filter auf einen Schirm übereinander projicirte. Die Aufnahmen selbst wurden auf Films bergestellt und zwar die Aufnahme für rotb auf Films, die mit Anilingrün sensibilisirt wurden, die Aufnahme für grün auf gewöhnlichen roth- farbenempfindlichen Films durch ein grünes Filter, die Aufnahmen für blau auf gewöhnlichen wenig empfindlichen Films ohne Filter. Die Exposition für die rothe Platte betrug bei einer Abblendung auf f vier Minuten. Eine erläu- ternde Abbildung des Scioptikons ist dem Artikel beigedruckt.—
Von demselben Mr. Gray wurde im Frühling des vorigen Jahres der Versuch, ein photographisches Bild auf telegraphischem Wege nach einem ent- fernten Orte zu übermitteln, allerdings mit einem noch lange nicht völlig befrie- digenden Resultate ausgeführt. Wie nun der St. Louis Photographer nach


