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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 163
gleich klar; mögen glänzende Metallgeräthe aus der Umgebung dunkelfarbigen Laubes bervorleuchten, weisse Bildwerke sich von schwarzem Grunde ab- beben, in den die letzten Ausläufer direct beleuchteter Thier- und Pflanzen- formen sich verlieren, oder andere ähnliche und vielleicht noch raffinirtere Sechwierigkeiten mit verwegener Hand gehäuft sein. Dabei gehören Härten und unvermittelte Gegensätze zu den unbekannten Dingen, und die Farben wirken mit einer selbst für orthochromatische Platten und sonstige Behelfe beinahe unerklärlichen Richtigkeit und Gleichmässigkeit.
Den Aufnahmen völlig ebenbürtig ist aber auch die Vervielfältigung, welche in den Hànden der Grossh. Badischen Hofkunstanstalt für Lichtdruck von J. Schober in Karlsruhe gelegen hat, aber in ihrer Besonderheit nicht dieser ausschliesslich und allein zum Ruhme gereicht, sondern durch die ausschlag- gebende Mithilfe des Urhebers der Aufnahmen ihre Eigenart bekommen hat. Das würde ja freilich an sich nicht als etwas Bemerkenswerthes zu gelten haben, dass die einzelnen Blätter nicht immer einzelnen Aufnahmen entsprechen, sondern oft mehrere Aufnahmen, bezw. Theile von solchen auf einer Tafe! zusammen geordnet sind. Wohl aber ist die Art, wie das geschehen, so gut wie neu, wenigstens was die grundsätzliche und durchweg gelungene Behand- lung der Aufgabe betrifft. Nicht nur, dass die verschiedenen Theile einer Tafel eng an einander schliessen; sie sind auch so ausgewählt und mit ein- ander inhaltlich oder durch Formmotive in Beziehung gesetzt, dass das Ganze sich zu einer Einbeit zusammenschliesst; dergestalt, dass im ersten Augen- blicke selbst der Kenner die musivische Zusammenstellung kaum gewahr wird. Viel wichtiger, schwieriger und von geradezu bannender Wirkung ist die be- liebte farbige Behandlung der Lichtdrucke. Dieselben sind nämlich nicht nur auf Carton verschiedener Farbe und mit verschiedener Druckfarbe her- gestellt, sondern zumeist in zwei, nicht selten in drei, vereinzelt sogar in vier
Farben gedruckt. Nicht in der Weise des gewöhnlichen Farbendruckes, welche
ja den Gewinn der unmittelbaren photographischen Naturaufnahmen zu einem grossen Theile aufgehoben haben würde; sondern es ist die Negativplatte ein- fach wie gewöhnlich in eine Lichtdruckplatte umgewandelt, und diese ohne irgend welche Künstelei in der gewählten Farbe zum Abdruck gebracht worden — abgesehen von einigen Fällen, in denen durch scharfe Begrenzungen gegen einander abgesetzte Theile des Ganzen(die nicht immer aus mehreren Auf- nahmen herrübren) in verschiedenen Farben gedruckt sind. Es sind aber diesem Hauptdruck Tonplatten untergelegt, die in discretester Weise oft nur einen schwachen Hauch einer Färbung geben, aber mit solcher Virtuositäàt an- geordnet sind, dass die Wirkung eine ganz erstaunliche geworden ist. Oft nähert sie sich in täuschender Weise dem Eindrucke natürlicher Farbigkeit. Selbstverständlich ist für die Tonplatten nicht Liehtdruck, sondern Steindruck benutzt. In vorzüglicher Weise sind beide Druckarten zu einheitlicher Wirkung zusammengebracht durch das Pyramidenkornpapier, auf dem alle Blätter gedruckt sind, und das sich hier wieder als eine wirkliche Errungenschaft bewährt.
Wir würden indessen das Verdienst dieser Veröffentlichung nicht erschöpft baben, wenn wir bei dieser Betrachtung unter dem photographischen Gesichts- punkte stehen blieben. Es ist unumgänglich, nocb ein wenig auf die künst- lerische Seite des Werkes einzugehen. Es ist hier beinahe noch erstaun- Denn eine einmal erworbene Routine der technischen Behandlung
Blatt für Blatt. Dagegen bedingt das Künstlerische, wenn es nicht in einer fast unmöglichen Weise in Eintönigkeit und Manier erstarrt, von Blatt zu Blatt
uneine neue schöpferische Leistung, deren Gelingen dadurch nicht weniger be- n wunderungswerth erscheint, dass Aehnliches hier mebrfach gelungen, sondern gerade durch den Reichthum und die Mannigfaltigkeit, die Abwechselung und
Originalität immer aufs Neue und in gesteigertem Maasse bewunderndes
Staunen erregt.
Der Natur der Sache nach kann es sich hier nicht um stilisirte, sondern um handeln. Es ist aber bezeichnend, in welchem


