Jahrgang 
1894
Seite
119
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Nr. 12. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 119

Da wir das Verfahren der Kochemulsion als bekannt voraussetzen dürfen, müssen wir hier einer neuen Methode, welche R. C. Gieson im American An- nual 1894 publicirt, als von allgemeinem Interesse erwähnen. Diese Methode ist von Plener, und zur Erzeugung sogenannter Rapid-Emulsionen geeignet. Der Autor führt ungefähr Folgendes aus:

»Um hohe Empfindlichkeit mittels des Ammoniak- Silbernitratprocesses zu erhalten, sind zwei Methoden empfehlenswerth, entweder eine Vermehrung der Temperatur während der Mischung auf eine erträgliche Höhe für eine kurze Zeit, oder eine Verlängerung des Digerirens bei tieferer Temperatur während einer entsprechend längeren Zeit. Pleners Methode unterscheidet sich wesent- lich von diesen beiden gebräuchlichen Methoden, indem er die Mischung nicht erbitzt, sondern im Gegentheil die Temperatur fast bis zum Erstarrungspunkt der Gelatine erniedrigt. Die Original-Vorschrift ist folgende:

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Silbernitrat 50 g, Wasser 250 cem. Der Lösung wird solange Ammoniak zugesetzt, bis der Niederschlag gelöst ist.

II. Bromammonium 40 g, Wasser 200 cem, Jodkalium 1 1 ½ g. III.

Harte Gelatine(Simeons) wird zwei Stunden in Wasser anschwellen gelassen, dann das Wasser abgegossen und die feuchte Gelatine im Wasserbad zum Schmelzen erbitzt, hiervon nimmt ma, 40 g.

(Coignet) Gelatine wird in genügender Menge Wasser anschwellen gelassen, das überflüssige Wasser abgegossen; bevor man sie gebraucht, setzt man 25 cem Ammoniak zu.

Zur Herstellung der Emulsion bedarf man einer hohen und engen Flasche, sodass beim Schütteln der Schaum bis nahe zum Rand der Flasche aufsteigen kann. Zunächst giesst man Lösung II in die Flasche, ohne dieselbe zu er- wärmen, zu dieser setzt man dann den sechsten Theil der Lösung III und schüttelt kräftig, sodass sich ein Schaum bildet, welcher die Flasche anfüllt. Die kalte Gelatine ergiebt einen reichlichen Schaum, aber die Temperatur darf nicht bis zum Erstarrungspunkte der Gelatine fallen und hierin liegt eine Schwierigkeit in der Befolgung der Vorscbrift, welcher man nur durch sehr sorgfältige Beobachtung der Temperatur, bei welcher die Gelatine fest zu werden beginnt, begegnen kann, indem man die Temperatur etwas über diesem Punkt hält.

Nun wird zunaächst die kalte Silberlösung in einem dünnen, feinen Strahl durch Anwendung eines Capillar-Röbrchens unter kräftigem Umschütteln zu- gesetzt und man beobachte, dass die Mischung nach und nach sehr dick wird und sich ungefähr dem Erstarrungspunkt nähert. Sogleich nach dem Zusat⸗ des Silbers stellt man die Flasche einige Minuten in ein Wasserbad von 35°C und setzt dann den Rest der Lösung III, welchen man im Wasserbad auf 35 bis 40° C. erhitzt hat, zu. Die ganze Mischung wird im Wasserbade auf 35 bis 45°gehalten und häufig während einer halben Stunde geschüttelt. Nun setzt man Lösung IV zu und digerirt das Ganze eine Viertelstunde in der angegebenen Temperatur. Ist dies geschehen, so wird die Emulsion in eine Schaale ausgegossen, welche so gross sein muss, dass die flüssige Emulsion nicht höher als 3 cm steht. Wäbrend des Erstarrens der Emulsion legt man über die Schaale einen hinreichend grossen Carton, um das allzu rasche Ent- weichen des Ammoniaks zu verhindern. Sobald die Emulsion erstarrt ist, nimmt man den Carton weg und bringt die Emulsion zum Zwecke des Reifens in die Dunkelkammer. Das Reifen dauert einen oder mehrere Tage. Die geeignetste Temperatur zum Reifen ist 10 15°C. Täglich kann man an kleinen Quantitäten den Fortgang des Reifens resp. die Empfindlichkeit der Emulsion untersuchen; wenn die gewünschten Grade erreicht sind, wird die Emulsion wie gewöhnlich gewaschen.