Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 12.
die Ansicht, dass das Jodsilber weit schwieriger als Bromsilber zu reduciren sei, nicbt ohne Einfiuss geblieben sein mag. Neuere Forschungen aber haben mit Gewissheit ergeben, dass ein bestimmter Procentsatz an Jodsilber die Empfindlichkeit der Emulsion für natürliches und künstliches Licht im Allge- meinen, und für specielle Lichtstrahlen im Besonderen steigert.
Der Zusatz von Jodsilber zum Bromsilber schwankt zwischen 1-— 10%, obschon man letzteren Procentsatz wohl nur ausnahmsweise anwenden wird. Zur Erzielung einer ausreichenden Kraft nebst Schleierfreiheit und Vermin- derung der Lichthofbildung genügt ein Zusatz von 2— 3%. Bei der Herstel- lung verfährt man am besten, wenn man nicht Jodsilber. sondern ein Doppel- salz aus Jodbromsilber sich bilden laàsst, indem man das Jodalkali nicht gleich, sondern etwas später der sich bildenden Emulsion zusetzt. Nach Henderson bildet sich nämlich Jodsilber viel eher als Bromsilber. Die Anwesenheit von Jodsilber in der Emulsion gestattet ein längeres Digeriren derselben in der Wärme, und dadurch Erzielung grösserer Empfindlichkeit, obne Schleier be- fürchten zu müssen. Bei der TIendersonschen Methode soll sich ein Mehr als
2% nachtheilig erweisen. hiedenen Recepten zur Herstellung von Brom-
Die Angaben in den versc silberemulsion sind in Bezug auf den Jodgehalt ziemlich verschieden. Eine altere Vorschrift von Abney empfiehlt 14 g Bromammonium und 1 g Jod-
kalium, eine solche von Eder 24 g Brom- und 1 g Jodkalium. Autoren empfiehlt Burton 26 g Bromammonium und 2 g Jodkalium, J. D. England 24 g Bromkalium und 0,8 g Jodkalium. Aus diesem verschiedenen Gehalt an Jodsilber, bezw. dem Doppelsalz aus Jodbromsilber, lässt sich der verschiedenartige Charakter der plattensorten leicht erklären. Je grösser der Jodgehalt, desto langsamer fixirt die Platte, desto schwieriger aber ist es auch, die gewünschte Dichte zu erzielen, während die Klarheit selbst bei längerer Entwickelung nicht leicht leidet. Reine Bromsilberplatten lassen sie leichter dicht entwickeln, verlangen aber genaue Innehaltung der Expositions- zeit, wenn nicht nach Umständen ein dichter Schleier resultiren soll. Henderson hat jüngst eine Vorschrift veröffentlicht, nach welcher sowohl
der Schleier vermieden werden kann als auch die nöthige Dichte leicht erreicht werden soll. Er erzielt das mit Hilfe von Säuren, welche bekanntlich im Negativprocess den Jod- und Bromsalzen ziemlich ähnliche Eigenschaften zeigen. Wäbrend er sonst nach seinem neuen Verfahren das Silber nicht als Nitrat, sondern als Silbercarbonat anwendet, fällt er es zur Erzielung grosser Dichte und glasklarer Schatten als Acetat oder Citrat. Derartige Emulsionen sollen sich vorzüglich zu Strichreproduetionen eignen.
Die Anwendung des Silbers in Form des Carbonats soll wesentlich auf die Bildung eines feinen Korns einwirken. Die Grösse des Korns steht mit der Höhe der Empfindlichkeit im Verhältniss, and zwar so, dass, je empfind- licher die Emulsion, um so grösser das Korn ist. Dies ist aber für mancherlei Arbeiten äàusserst störend. Ein Zusatz von Gelatine bei der Fällung des Kohlensauren Silbers soll ein noch feineres Korn ergeben.
Die Bereitung der Emulsion ist nach der neuen Vorscbrift sehr einfach.
Eine Lösung von Silbernitrat wird mittels kohlensauren Kalis als kohlen-
saures Silber gefällt, dann Gelatine und die Bromsalze in wenig Wasser gelöst zugesetzt. Die Jodsalze werden, wie oben angegeben, erst nach einiger Zeit zugefügt. Die Emulsion wird zerkleinert, mit einem weiten Netz in ein Sieb gedrückt, in ein Wassergefäss gestellt und mit einer Wasserbrause aussge- waschen. Die fertige Emulsion wird durch Leder in der üblichen Weise fl- trirt. Die Empündlichkeit der Emulsion soll von 16—17° nach Beendiguns
der Operationen durch 24stündiges Reifen bis auf 24 9 und höher gehen. Ein
Zusatz von 0,12 g Salpeter, 0,06 g Bromkali und 0,03 Ch 2. romalaun soll die Empfindlichkeit und Dichte sehr erhöhen; man nimmt gie genannten Zusätze im oben angegebenen Verhaltniss auf 300— 450 cem Emulsion. Bei dieser Methode wird augenscheinlich kein Ammoniak angewandt, wie bei der früheren
Merode endersobs, Er verwirft diese und die Kochemulsionsmethode; die erstere, weil sie ein grobes Korn liefere, die letztere, weil durch das Kochen
die Gelatine zersetzt werde.
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