Jahrgang 
1894
Seite
115
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Nr. 12. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 115

Herrn Körner auf das herzli chste. Alsdann erfolgte die Verlesung des Proto- kolls, welches genehmigt wurde. Herr Stiegler bittet um Entschuldigung, dass das Protokoll der letzten Versammlung so spät in derDeutschen Photo- graphen-Zeitung gestanden hätte; dies sei jedoch nicht sein Versehen, sondern es hätte seines grossen Umfanges halber nicht mehr in die bestimmte Nummer kommen köpnen; er liest einen daraufbezüglichen Brief von Herrn K. Schwier vor.

Die Herren Billig und Färber machen die Mittbeilung, dass sie die Vereins- und Unterstützungeasse in vollständiger Ordnung gefunden hätten. Den Cassirern, Herren Gerlich und Bebrens, wird Decharge ertheilt.

Als Mitglied des Festausschusses theilt Herr Köster mit, dass der ur- sprünglich gewählte Tag zur Abbaltung des Stiftungsfestes nicht geeignet sei, da an diesem Tage viele Confirmationen seien, er bittet deshalb um Verlegung und schlägt den 1. April vor. Als Local sei wieder dasCentral-Hôtel ge- wählt; Mitglieder wie auch Eingeführte hätten 50 Pfg. für die Person zu zahlen. Der Tag wird als geeignet angenommen.

Bericht der Commission Antrag Gerlich(Einführung eines Minimalpreises). Herr Dahlström verliest den von ihm formulirten Commissionsbericht:*)

Die Commission zur Formulirung desAntrag Gerlich hielt drei Sitzungen ab, vermochte aber nicht eine Form zu finden, in der die nöthigen Garantieen für die Aufrechterhaltung einer Vereinbarung in bindender Kraft auszudrücken sind; eine einfache schriftliche Verpflichtung schien uns nicht fest genug, da es jedem Unterzeichner immer freistehen würde, seine Unter- schrift ohne Weiteres zurückzuziehen.

Um nun etwas Dauerndes zu schaffen, welches auch Garantieen bietet für die für das Allgemeinwohl gefassten Beschlüsse, so kamen wir, nach reiflicher Ueberlegung, überein, Ihnen die Bildung einer Innung vorschlagen.

Durch die in den letzten Jahren immer mehr auftauchenden Schleuder- und Bon-Geschäfte, sowie durch gewisse Zweige der Amateurphotographie wird unser schöne Gewerbe, die Photo- graphie, immer mehr heruntergedrückt und unsere Existenz gefährdet, so, dass schon jetzt mancher vorwärtsstrebende und tüchtige College mit Bangen in die Zukunft blickt.

Die jetzt im Photographengewerbe vorhandenen Missstände sind zumeist durch schlecht ge- fertigte Arbeiten hervorgerufen; für Schundwaare sind auch nur Schundpreise zu erzielen; nun arbeiten die Inhaber solcher Geschäfte grösstentheils nur mit Lehrlingen, welche nie ein gutes Bild machen lernen, und später dann, da sie in guten Geschäften als Gehilfen absolut unbrauchbar sind, selbst ein Atelier eröffnen, wieder Lehrlinge nehmen und so unseren Stand immer weiter herunterbringen. Nur durch eine Innung allein können derartige Missstände dauernd beseitigt werden. Durch die Innung haben wir Einfluss auf das Lehrlingswesen; wir sind im Stande, durch Fachschulen und Lehrlingsprüfungen uns tüchtige Gehilfen heranzubilden, können in der Innung bestimmen, ob und wieviel Lehrlinge im Verhältniss zu den Gehilfen gehalten werden dürfen, welches dann auch für die ausserhalb der Innung stehenden Geschäfte als gesetzliche Norm gilt.

Durch ein in der Innung bedingtes einiges Zusammenhalten der Collegen, Festsetzung eines Minimalpreises für Visit und Cabinet und gemeinschaftliche Vereinbarungen wünschenswerther Standesinteressen ist eine allmähliche Besserung unseres Geschäfts bestimmt zu erwarten; wir werden dann der unsere Existenz gefährdenden Schmutzconcurrenz energischer und mit mehr Erfolg entgegentreten können als jetzt, wo uns der gesetzliche Schutz für unsere Beschlüsse fehlt. Anderntheils erwarten wir auch von unserem Vorgehen, dass Collegen, welche durch die jetzigen Missstände wider ihren Willen gezwungen wurden, ihre Preise herabzusetzen, sich uns und unseren Beschlüssen anschliessen werden, um so die angestrebten Ziele verwirklicht zu sehen, unser Gewerbe zu heben und uns Allen dadurch die Existenz zu ermöglichen.

Deshalb schlageu wir Ihnen vor, eine Innung zu bilden.

Die Commission: i. A. F.: A. Dahlström.

Herr Gerlich zieht zu Gunsten des Commissionsantrages den seinigen zurück. In der hieran abknüpfenden Debatte ist Herr Petersen der Anusicht, dass wir durch Bildung einer Innung gesetzlichen Schutz geniessen würden, welches ja heute nicht der Eall sei. Herr Schaem stimmt dem von Herrn Dahlström Gesagten vollkommen bei und glaubt, dass unser Gewerbe nur dadurch gehoben würde. Herr Wettern bedauert, dass unsere schöne Kunst

*) Wir bringen den vorstehenden Commissionsantrag hier ausnahmsweise zum Abdruck, obschon derselbe durchaus nicht, weder mit den Ansichten des Deutschen Photographen- Vereins noch mit denen der Redaction derDeutschen Photographen-Zeitung überein- stimmt. Gerade durch die Bildung von Innungen im Photographenstande wird die Photographie noch mehr zum Handwerksmässigen herabgedrückt als durch alle anderen bestehenden ausseren Einflüsse. Es ist auch durchaus irrthümlich, dass nur durch die Innung ein Einfluss auf das Lehrlingswesen und die Fachschulen ausgeübt werden könne. Das Vorgehen des Han- növerschen und des Deutschen Photographen-Vereins beweisen gerade das Gegentheil. Ueber Minimalpreise etc. zu bestimmen, steht den Innungen ebenso wenig zu; derartige Bestimmungen haben nicht einmal für die Mitglieder der Innung bin dende Giltigkeit.

ed.

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