Jahrgang 
1894
Seite
105
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Nr. 11. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 105 gegenstände, auf die es dessenungeachtet am meisten ankommt; nur dürfen dadurch niemals die Gegenstände in der Nähe übertrieben plastisch ersebeinen. Für den ganzen Bereich des deutlichen Sehens in der Nähe, so z. B. für stereo- skopische Aufnahmen von Pertraits, von Gruppen, von belebten Strassen u. 8 2⁰., genügt es nicht nur, sondern ist sogar das einzig Riehtige, die mittlere Entfernung der menschlichen Augen von einander als Basis zu Grunde zu legen, und je nach etwa wachsender Entfernung um ein Geringes nur zu vergrössern. Anzurathen wäre hierbei, bei der Anwendung nur einer Camera mit zwei Objectiven, die Entfernung derselben von einander, also hier die Basis, 8 bis 8,5 cm von ein- ander zu nehmen, also die Basis hier um circa 1 cm zu vergrössern, in An- betracht Dessen, dass die optischen Axen der Objective parallel laufen; so wird wenigstens von beiden Bildern in der Plattenmitte etwas mehr zur Dar- stellung kommen, was sonst zu Gunsten des gegen die Seitenränder hin zu viel Abgebildeten wegbleiben würde.

Rückbezüglich lässt sich durch Anleitung unserer Figur mittels jeiehter Construction aus einer vergrössert zur Verwendung gebrachten Basis derjenige näher gelegene Ort bestimmen, an welchem das menschliche Augenpaar den plastischen Eindruck des abgebildeten Gegenstandes kenan wie im Bilde er- fahren würde.

Also die Basis von ca. 7,5 cm ist ein für allemal für die deutliche Seh- weite gegeben und muss somit auch für die normale Darstellung maassgebend bleiben. Die zulässigen Variationen sind erwähnt worden. Vergrössert man unbefugt für nahe Abstände die Basis und mit dieser die Parallaxe derselben, so verändert man zugleich dadurch die Perspective ins Unnatürliche. Alles Hervortretende, z. B. bei sitzenden Personen die Kniee, in den Köpfen die Nasen, vorgestreckte Hände u. A. erscheint mouströs, und man kann Logar zuf diese Weise geflissentlich scherzhafte Zerrbilder anfertigen. 1

Ist man aber in dem Falle, die Basis zu vergrössern, also die Aufnalme: punkte auseinander zu legen, so kann man nicht mehr an einer Camera mit zwei Objectiven arbeiten, um dann die Bilder auseinander zu schneiden und das linke rechts, das rechte links zu legen, sondern man muss jetzt entweder an den beiden Endpunkten der verbreiterten Basis je eine Camera mit Objectiv aufstellen, und kann so auch gleichzeitige Momente belichten, oder man macht mit einem eineigen Apparat, den man verschiebt, zwei Aufnahmen nach einander. Im ersten Falle, gleichzeitige Aufnahme mit zwei Cameras, muss man die Bilder versetzen, als ob sie in einer Camera mit zwei Objectiven aufgenommen wären. Im andern Falle empfiehlt es sich, die Cassette in der Camera hori- zontal verschiebbar einzurichten, und zwar doppelt breit, so dass zwei Bilder neben einander auf derselben Platte aufgenommen werden vönnen, wie in einer Camera mit zwei Objectiven. Die Cassette muss sich zu diesem Zwecke zur Hälfte öffnen lassen können, enthält also zwei Schieber. Die Camera trägt dicht hinter der Cassette einen das Bildformat rechtwinkelig contourirenden Aussebnitt von der Grösse jedes der beiden zusammengehörigen Bilder. Die beiden Stellungen der Cassette sind genau markirt, sodass beide Bilder in der Mitte genau zusammenstossen. Jetzt markirt man vor der Aufnahme erst die Richtung der Camera in beiden Stellungen und stellt für beide Richtungen die Mittellinie des Ausschnitts in die optische Axe, sodass im Ausschnitte die- selben Theile des Gegenstandes in die optische Axe und mit dieser in die Bildmitte fallen. Somit gehen hier die optischen Axen nicht parallel, sondern ceonvergirend für jedes Bild, wie die Sehaxen, in der Aufstellung, resp. der Auf- nahme jedoch divergirend, denn die Convergen⸗ tritt erst durch An- ordnung der Bilder auf der Platte ein.

Beim Ausschneiden des Ausschnittes ist vorher schon darauf Bedacht genommen worden, dass, wenn die durch den Ausschnitt gewonnenen Bilder auf der Platte inmitten derselben genau zusammenstossen, die Entfernung der beiden Bildmitten und damit identischer in mittlerer Entfernung befindſicher Gegenstände in beiden Bildern nicht grösser sei als die mittlere Entfernung der menschlichen Augen von einander, höchstens 7,5 cm. In dieser Weise bleibt der Apparat für jede fernere Stereoskop- Aufnahme ein für allemal vorbereitet.