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96 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 70.
peiden Augen sieht aber ausserdem noch den gesehenen Gegenstand von Dnnas Sanne Sran dguenäele aus, also nach den Gesetzen der Perspectibe anders estaltet, weil seine Sebaxe nach einem andern Augenpunkte hin gerichtet ist; das linke Auge sieht mehr linke, das rechte Auge mehr rechte Seite des Körpers. Auf diesem Umstand hat zuerst Leonardo da Vinei aufmerksam gemacht und seine Schüler angewiesen, So zu malen, als ob man mit beiden Augen, nicht nur mit einem sebe.
Kö iches Sehen.
IKerhernohe sich in der Wahrnehmung eines Körpers von zwei neben einander befndlichen Standpunkten aus zwel verschieden gestaltete Bilder, und zwar je eins auf der Netzbaut jedes der beiden Augen, die das Urtheil vermöge der Kreuzung der Sehaxen bei der Wahrnehmung um den halben Winkelwerth der Parallaxe auf die entgegengesetaten Seiten verschoben vermuthet. Beim Sehben selbst sieht jedes Auge, dem Gegenstande zugewendet, in seiner Sehaxe den Gegenstand in der geradlinigen Verlängerung derselben; in jedem der beiden Augen fällt jeder Punkt des gesehenen gegenstandes auf correspondirende Stellen der Netzhaut, welche in jedem der beiden Augen symmetrisch zur Augenaxe, aber in umgekehrten Seitenrichtungen zu derselben, liegen. Diese Anordnung liegt übrigens nicht in allen Augen rechtwinklig zu den beiden Sehaxen, wie ich aus eigener Erfabrung constatiren kann. Beide Netzhautbilder vereinigen sich dann vermöge des durch den Reiz der sensibeln Nervenbeschaffenheit der Netzhaut veranlassten psychologischen Lebensvorgangs zur Wahrnehmung des Körperlichen und zu einem bewassten Urtheil darüber.
Im engsten Zusammenhang damit steht das Urtheil über die Grösse und die Entfernung des durch binoculares Seben wahrgenommenen körperlichen Gegenstandes. Die Beurtbeilung beider hängt mit einander zusammen und ist selten von einander zu trennen. Es beruht dieses Urtbeil einmal auf dem unwillkürlichen Eindruck der Ausbreitung des gesehenen Körpers, also des Gesichtswinkels, unter welchem derselbe in jedem der Augen erscheint; sodann aber besonders auf einer von Kindheit an erlangten Uebung, die Consequenzen des Winkelwerthes der Parallaxe unbewusst psychologisch zu erleben und dies Erlebte sich fortwährend wiederbolen zu sehen. Ungeachtet aller früheren Erlebnisse seines Sehens mit zwei Augen wird dennoch ein Mensch, der plötz- lich an einem Auge die Sehkraft verliert, sich bei dem Sehen mit nur einem Auge anfangs zumeist, und später immer wieder von Neuem über die Ent- fernung der gesehenen Gegenstände täuschen.
3) Stereoskopische Bilder.
Die zweimalige Darstellung eines Gegenstandes von zwei horizontal nebhen einander befindlichen Standpunkten aus giebt, wenn richtig gestellt, ein stereosko- pisches Bild. Das Bild wird den wabrheitsgetreuen Eindruck des natürlichen stereoskopischen Sebens um so richtiger wiedergeben, je mehr den soeben be- schriebenen natürlichen Vorgängen beim binocularen Sehen bei der Darstellung des Gegenstandes Rechnung getragen wurde.
Verfolgen wir jetet den Verlauf dieser Darstellung durch Photographie. Durch diese allein ist es möglich, vermöge der nur der Photographie eigenen Naturtreue, ein in allen Einzelheiten richtiges stereoskopisches Abbild eines Körpers herzustellen.(Fortsetzung folgt.)
Personalien. Wilhelm Sonntag.
5 Am 25. Februar starb nach längerem, schmerzlichem Leiden unser lang- jähriges Mitglied Herr Wilbelm Sonntag, fürst-erzbischöfl. Hofphotograph. in Kremsier, Mähren.
Der Verein wird seinem Mitgliede ein treues Andenken bewahren. Sauft ruhe seine Asche! Herr Hugo Sonntag jr. wird das Geschäft seines Vaters weiterführen
und tritt an dessen Stelle in die Mitgliedschaft des Deutschen Photographen- Vereins ein.
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