60 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 7.
dürfte, eine kurze Charakteristik der hervorstechenden Eigenthümlichkeiten au den einzelnen Leistungen, wie sie mir hierbei in den Wurf kommen, zu geben.
Weimer& Umbreit, Darmstadt, hatten in Wiesbaden einen Feblschlag erlebt,— sehr unverhofft, da sie sich ihres ernsten Strebens und deutlich er- kannter künstlerischer Ziele bewusst waren. Sie haben— wohl lediglich die günstige Folge ibrer persönlichen Anwesenbeit bei der Wanderversammlung, die sie zu freier und gründlicher Aussprache und Umschau zu benutzen ver- standen,— ibre theilweise irrigen Auffassungen berichtigt und die grosse und anerkennenswerthe Klugheit besessen, tüchtig ans Lernen zu gehen. In bester Absicht, nämlich der, etwas selbstständig Künstlerisches in ihre Bilder hinein zu bringen, waren sie mit der Retouche nicht ganz umsichtig etwas zu weit gegangen; während auch schon die Beleuchtungseffecte durch eine gewisse Ab- sichtlichkeit auffielen. Gerade diese Fehler sind, wenn auch noch nicht voll- ständig überwunden, so doch zu einem Theile verschwunden, sodass mit Ver- gnügen ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen ist.
Charles Scolik in Wien hat eine grosse Anzahl Platinbilder ausgestellt. Sie sind grossentheils schon eine Reihe von Jahren alt, und manche von ihnen längst durch Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, und auch in selbstständigen, zum Theil grösseren Heliogravüren, von denen einige höchst anerkennens- werthe, in verschiedenen Tönen gedruckt, auch unsere Ausstellung zieren, aber, als von dem Urheber der Aufnahmen eingesandt, als Reproductionen nicht zum Wettbewerb stehen, wohlbekannt und anerkannt. Die ganze schätzbare Sammlung kann daher nach den für unsere Ausstellungen geltenden Be- stimmungen auch nicht in den Wettbewerb eintreten. Die Bilder können mithin nur als historisch betrachtet werden. Wie selbstverständlich, ist nicht Alles gleichwerthig; aber man muss dem um die Photographie in vielseitigster Weise erfolgreich bemühten Urbeber das Verdienst zusprechen, dass er den sehr ver- schiedenen Modellen gerecht zu werden versucht und grösstentheils auch ge- recht wird. Dass er nicht überall auf der höchsten Höhe steht, weiss der Aussteller selbst, und hat wohl auch Jeder geseben; bei uns hier, wo er-⸗ fahrungsgemäss in künstlerischer Beziehung ein sehr strenger Maassstab aun- gelegt wird, wäre daher weniger vielleicht mehr gewesen. Das hindert nicht, das Ganze als eine recht beachtenswertbe Ausstellung anzuerkennen.
Fr. Struckmeyer in Göttingen bat leider noch nicht diejenige Selbst- kritik gelernt, um sich an die Sachen mit Berechtigung und Erfolg beranwagen zu können, die er vorführt. Um nur eine Aeusserlichkeit zu erwähnen, sollten die übergrossen Maassstäbe nachgerade als unvortheilbaft ein für alle mal nicht mehr vorkommen.
A. Dilger& Sohn in Freiburg(Baden) haben sich in sehr verschiedenen Dingen versucht, auch in Vergrösserungen verschiedener Art, die indess— zum Theil wenigstens— nicht sonderlich gelungen sind. Dagegen zeigen die kleinen Formate eine zwar auch nicht viel mehr als landläufige Tüchtigkeit, in der sich die Aussteller indessen mit gutem Aunstand und nicht ohne Anlaufe zu selbstständigen Regungen bewegen.
Aehnlich wie Umbreit ist es R. Heidrich in Sagan gegangen, der im vorigen Jahre noch nicht genügte und nicht die Beurtheilung fand, welche er wohl erwartet hatte. Er ist jetzt mit mehr Sicherheit auf das Künstlerische eingegangen, während das Technische sich auf gleicher flöhe gewissenhafter und gewandter Sorgfalt gehalten hat; auf jeden Fall ist ein Fortschritt zu verzeichnen.
Eine Anzahl von Aufnahmen blühender Pflanzen in Naturgrösse Von Franz Schilling in Königstein im Taunus hält freilich schon wegen des sehr viel kleineren Formates der Blätter— den Vergleich mit der ausser- ordentlichen Leistung gleicher Art, die auf der vorjährigen Ausstellung Auf- sehen erregte, nicht aus, verdient aber als durchaus tüchtig und Kkunstgerecht warme Anerkennung. 4
F. Bülowius in Königsberg(Preussen) ist in zwei ganz verschiedenen Richtungen vertreten. Er zeigt zunächst Zimmeraufnahmen mit Personen bei einfacher lagesbeleuchtung, die angesichts der unendlichen Schwierigkeiten, die solche bekanntlich bieten, sehr anerkennenswerth sind, wiewohl ihnen vom
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