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Nr. 7. Deutsche Photographen-Zeitung 1894B.. 61
künstlerischen Standpunkte nicht allzugrosses Interesse abzugewinnen ist. Höchlich überrascht, ja entzückt haben dagegen— zumal bei einem Aussteller, dessen Leistungen uns bisher leider völlig unbekannt geklieben,— zwei Königs- berger Hafenansichten grösseren Formates, eine in Morgen-, die andere in Abendstimmung, Bilder von so bewunderungswerther Vollendung in jeder Hin- sicht, dass wir selten ihres Gleichen, kaum je Besseres in ihrer Art zu sehen bekommen. Namentlich ist der feine Duft des Lufttones in meisterhafter Voll- endung gelungen.
Die Arbeiten von H. Kapps in Bildesheim sind dadurch bemerkens- und anerkennenswerth, dass er der Platintechnik seine Aufmerksamkeit zugewendet hat, und dieselben mit Sorgfalt und Verständniss behandelt, wiewobl er noch nicht weiter zu streben aufhören darf. Ein leicht gelblicher Ton lässt vielleicht auf die Verwendung ungeeigneten Papieres schliessen; auch verlangen die vor- nehmen Positivverfahren erstaunlich feine Negative. Erwähnung verdient hier auch noch die Neigung zu genrehafter Auffassung, wobei der Aussteller zu manchem hübschen MNotive gelangt ist.
Die Ausstellung von L. E. Gottheil in Königsberg(Preussen) neben ihm ist eine Nachbarschaft, die für Jeden gefährlich wäre. Er bat allerdings dies- mal nur 12 Cabinetportraits zur Schau gebracht, die noch dazu keineswegs alle von gleichem Werthe sind. Aber einige davon sind so meisterhaft, wie man es eben von Gottheil nicht anders erwartet und zu finden gewohnt ist. Das trifft namentlich die beiden Kniestücke eines Kürassierofficiers und einer gleich distinguirten Dame von frappant charaktervoller Haltung. Einige sind dagegen auch dabei, die ein Gottheil vorzufübren nicht unbedingt nöthig gehabt hätte. Das Ganze ist gleichwohl eine lehrreiche Sammlung. Denn es ist schon inter- essant, zu sehen, wie bewusst Gottheil sich mit seinen Aufgaben abzufinden verstanden hat.
Neben ihm ist Hugo Strube& Co., Berlin, placirt. Es ist das eine sebr strebsame Anstalt, die sich in allem Möglichen versucht mit dem Bemühen, was sie auch bietet, überall selbstständiges Bestreben zu zeigen. Dies leuchtet auch aus den uns vorgeführten Blitzlichtaufnahmen grösseren Formates hervor. Ist auch die specifische Schwierigkeit solcher Arbeiten, eine gewisse Härte und eine etwas unbelebte Schwärze der Schatten zu vermeiden, nicht völlig ver- gessen gemacht, so sind doch wenigstens zwei der ausgestellten Sachen, eine männliche Studie und besonders der mit einem Raphaelischen Anklange posirte Knabe, dessen angesetzte Flügel allerdings mehr komisch als malerisch wirken, von bemerkenswerther Geschicklichkeit in der Anordnung der Beleuchtung und der Linienführung.(Fortsetzung folgt.)
Optische Ausrüstungen photographischer Apparate für die Zwecke der Amateur- und Berufsphotographie, mit be- sonderer Berücksichtigung der Anastigmate.
Von Dr. P. Rudolph, Jena.(Schluss.) 4. Ausrüstung von Detectio-Cameras. Bei Detectivapparaten handelt es sich um kleine Plattenformate. Das Ob-
jectiv bildet mit der Camera ein Ganzes und Einstellungsmöglichkeit ist meist nicht vorhanden. Das Objectiv ist also in fester Entfernung von der empfind- lichen Platte und ist so eingestellt, dass ein Gegenstand in mittlerer Entfernung am schärfsten auf der Platte ist. Das Objectiv ist nicht mit auswechselbaren Blenden versehen und man fordert, dass dasselbe grosse Tiefe im Bilde giebt und doch dabei für kürzeste Aufnahmen lichtstark genug sei. Kleine Dimen- sionen des Apparates, grosse Tiefe im Bilde und ein lichthelles Bild gleichzeitig — das ist nur von einem Objectiv mit kurzer Brennweite zu erzielen. Das kurzbrennweitige Objectiv soll aber auch eine verhältnissmässig grosse Platte scharf auszeichnen und zwar bei möglichst grosser relativer Oeffnung(Licht- stärke). Die Erfüllung der oben unter 4) und 5) aufgeführten allgemeinen Forderungen an ein gutes Objectiv ist daher besonders erwünscht. Es ist sonach


