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Ny. 6. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 51
legen sein müssen, falls sie nur überhaupt technisch berzustellen sind, nament- lich aber, wenn es— wie in diesem Falle— nur eines Momentes zu ibrer Herstellung bedarf, kann zu bestreiten füglich nicht einmal versucht werden. lch darf auf diese Sache hier weiter nicht eingehen und muss mich bescheiden, für genauere Mittheilungen und Nachweise neben den mannigfachen Auslassungen Anderer auf meine umfängliche Darstellung in dem laufenden Jahrgange der „Photographischen Rundschau“ zu verweisen. Ich habe es mir aber— was gewiss Vielen von Ihnen, denen es bisher an Gelegenheit zu eigener Anschauung gefehlt hat, willkommen sein wird— angelegen sein lassen, die Herren Kleffel und den Herren Hofphotograpben Brasch in Berlin, den Inbaber des ersten Ateliers für Naturalphotographie, zur Herleihung einiger Musterstücke zu vermögen, die ich — bei dieser Sachlage selbstverständlich ausser Preisbewerbung— unserer Ausstellung zuzuführen mir erlaubt habe. Da ist es Jedem selbst anbeim- gegeben, durch Anschauen und Vergleichen sich über diese Art von Aufnahmen Klarheit zu verschaffen. Ich glaube: wenn man diese charaktervollen Köpfe mit den unsäglich feinen Details der Hautstructur, der Lichtwirkung in den Augen u. s. w. und der Unmittelbarkeit des augenblicklichsten, von keinem Zwange beein- trächtigten Ausdruckes sieht, muss man zugeben, dass hier etwas bisher Uner- reichtes und kaum für möglich Gehaltenes von geradezu bannender Wirkung vor uns steht. Daneben siebt Alles, was Vergrösserungen schaffen können, lappig und todt aus, so meisterhaft es an sich erscheinen mag. Dass die Aufnahme nur o Secunde dauert, ist durch die Beobachtung an einer Riemenscheibe einer Transmission während des gleichmässigen Ganges der Maschine unwidersprech- lich nachgewiesen. Das Objectiv ist von E. Suter in Basel bergestellt; es ist eine einfache Landschaftslinse von 90 cm Brennweite und arbeitet ein lebens- grosses Brustbild auf Platte 50260 cm aus. Hackhs erste eigene Versuche waren, wie erinnerlich, mit einem Steinheilschen Objective von 275 cm Brenn- weite gemacht, von welcher ausserordentlich langen Brennweite man jetzt also auf nur 90 cm zurückgegangen ist. Das hat praktisch Manches für sich; leider aber ist dadurch ein Vorzug verloren gegangen, nämlich die ungeheure Tiefe der Schärfe. In den ersten Naturalphotographieen reichte die Zone vollkommener Schärfe bis zu den hintersten sichtbaren Theilen der Köpfe. Derartiges ist mit dem neueingeführten Objective selbstverständlich unmöglich. Auf dem hier ausgestellten lebensprübenden Bilde Adolph Menzels z. B. zeigt der weisse Backenbart auf der einen Seite eine unhbeimliche Schärfe, während er auf der anderen ganz verschwommen ist. Das sind ÜUngleichmässigkeiten der Ausfübrung, welche nur bei der Betrachtung aus erheblicher Entfernung nicht geradezu störend wirken. Bei der Naturalphotographie lässt sich aber in dieser Beziehung kein Compromiss schliessen: ihre Eigenthümlichkeit und ihr Hauptwerth liegt in ihrer unerhörten Naturtreue im Einzelnen; und deren Geltungsbezirk darf nicht räumlich eng umgrenzt sein. Bei directen grossen Aufnahmen würden der langen Exposition wegen solche Feinheiten doch nicht scharf werden; man kann daber in Anbetracht des beim Betrachten voraus- zusetzenden weiten Abstandes auf„gestocheue Schärfe“ überhaupt verzichten und dafür einen gleichmässig über den ganzen Kopf vertheilten Grad einer ganz leichten Unschärfe gewinnen, die, weit entfernt, irgend etwas Charakte- ristisches unkenntlich und unwirksam zu machen, die Formen mit einer an- muthenden Weichheit ausstattet. Wir verlangen bei so grossem Maassstabe gar nicht eine solche peinliche Schärfe, die jedes Kopf- und Barthaar zeigt, wenn nur die charakteristischen Züge mit genügender Deutlichkeit erhalten sind. Wird die Beleuchtung dazu passend gestimmt, so ergiebt sich ein be- stechendes Ensemble, dem die eigenthümlichen Vorzüge directer grosser Auf- nahmen in keinem Stücke fehlen. Selbstverständlich ist das nicht dasselbe, wie wenn alle feinsten Einzelheiten mit vollkommener Deutlichkeit ausgeprägt sind; aber es ist sicher nicht Schlechteres, am allerwenigsten unter dem künstlerischen Gesichtspunkte.
Es ist ein höchst erwünschtes Zusammentreffen, dass wir in der Lage sind, in unserer Ausstellung auch ein musterhaftes Beispiel einer solchen direeten lebensgrossen Aufnahme vor uns zu sehen, das Portrait Pettenkofers von Friedrich Müller in München. Es ist Ihnen bekannt— denn Herr


