Jahrgang 
1894
Seite
49
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1894.

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Nr. 6. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 49

ist, bätte nicht erst betont zu werden brauchen; denn das hat nie Jemand be- stritten. Werden doch mit gutem Vorbedacht z. B. die Hintergründe für unsere Portraitaufnahmen nur in andeutenden Zügen gehalten. Aber das ist in der Landschafts- und Moment-Photographie, die hier besonders in Frage kommt, nur ausnahmsweise durchführbar. Wo das aber zutrifft, da mag auch die Un- schärfe an passender Stelle zugelassen werden. Unzweifelhaft ist, dass Robinson mit einer gewissen Unschärfe hier Ausserordentliches erreicht hat. Er hat dadurch in einer geradezu unübertrefflichen Weise die Unterordnung des Hinter- grundes bewirkt und der Umgebung den Cbarakter einer blossen Umrabmung des eigentlichen Bildpunktes gewahrt, also namentlich gegenüber der Figuren- gruppe und der Behandlung der Windmühle zur Rechten. Gerade durch die Art, wie er die Unschärfe bebandelt, ist es ihm gelungen, den eigenthümlichen Himmel zu der irdischen Scenerie in wirksamen, leuchtenden Contrast zu setzen. Das ist eine ausserordentliche Feinheit; dergestalt, dass man auf Kunstaus- stellungen lange suchen kann, um etwas derartig Werthvolles zu sehen, wie es hier vorliegt. Robinsons Meisterschaft beruht traditionell in der Zusammensetzung der Bildelemente. Es steckt sehr viel Arbeit in einem solchen Meisterwerke. Nichts wäre verkehrter als die Ansicht, dass solche Arbeiten ohne intensiven Fleiss, nur durch die besondere Gunst des Zufalles hervorgebracht werden könnten. Wer in der Kunst etwas wirklich Gediegenes leisten will auch als Photo- graph, der darf sich die Mübe nieht verdriessen lassen und nicht glauben, dass man wirkliche Bilder so dutzendweise machen kann; sondern 100 mal muss man vielleicht versuchen, ehe man einmal dazu gelangt, dass man sich sagen kann: das ist ein Treffer.

Unter den übrigen Wiener Sachen, die wir hier haben, möchte ich sodann auf vier interessante Platinbilder von Dr. Julius Strakosch binweisen, die in vier verschiedenen Tönen gebalten sind, und zwar mit Absicht. Da ist zunächst ein in Sienabraun gehaltenes BildDer Kalkbrenner und ein anderes im SepiatonZigeuner. Die Herren im Portraitfache, die mit Silber arbeiten, sind so sehr daran gewöhnt, eine bestimmte röthliche Farbe ledig- lieh als Durchgangsstadium oder als verunglücktes Resultat zu betrachten, dass sie erfahrungsmässig Bildern in diesem oder ähnlichem Tone kein unvorein- genommenes Urtheil entgegenzubringen vermögen. Das ist offenbar ungerecht. So gut wie die zeichnende Kunst kann auch die Photographie sich je nach der Natur der dargestellten Gegenstände oder auch gelegentlich aus Caprice, aus Vergnügen am Absonderlichen, anderer als der anerkannten guten Entwicke- lungstöne der Silberbilder und allenfalls deskünstlerisch vornehmen Schwar⸗ bedienen; und es darf nur gefragt werden, ob der gewählte Ton als solcher gut behandelt ist. Das kann hier schwerlieb geleugnet werden, nicht einmal, dass die Töne zu den Darstellungen passen. Besonders eindrucksvoll ist dann in seinem schwarzblauen ToneDas Gewitter und interessant als Lochcamera- aufnahme dieLandschaft.

Es verbleiben uns aus dieser Reihe noch zwei Gruppen zu betrachten. Ich rede zuerst von den Woodburytypieen, die uns in drei altägyptischen Archi- tekturaufnahmen wohl von Walter Woodbury selbst meisterhaft vor- geführt sind. Wie bekannt, besteht das Verfahren darin, dass die reliefartigen Unebenbeiten eines Pigmentbildes benutzt werden, um daraus eine Bleimatrize herzustellen, in der die Bildtheile je nach dem Grade ibrer Dunkelheit vertieft erscheinen, und nun mittels einer der gewöhnlichen Copirpresse ähnlichen Vorrichtung aus diesen Vertiefungen heraus ein Bild aus gefärbter Gelatine- lösung, die warm über die Form gegossen wird, auf einem angepressten pra- parirten Papier abgedruckt wird. Der ausnehmenden Feinheit der Ergebnisse und der Leichtigkeit des Druckes selber wegen ist es sehr zu bedauern, dass gewisse Schwierigkeiten in der Erzeugung der eigentlichen Druckform das interessante Verfahren, das beiläufig eine sonst nirgends gehandhabte Art des Druckes, ein specifisch photographisches Druckverfahren, darstellt, nicht haben eine weitere Verbreitung finden lassen. Gegenwärtig scheint es kaum noch aus- geübt zu werden.

Endlich ist es, da wir diesmal im Uebrigen sehr spärlich mit eigentlichen Reproductionen versehen sind, um so erfreulicher, dass wir vier farbige Auto-

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