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44 Peutsche Photographen-Zeitung 1894. Ny. 3.
soll. Das ist nun aber nach Gaedickes und unserer Ansicht nicht der Fall. Es ist zunächst zu berücksichtigen, dass die Borsäure eine schwache Säure ist, ferner bewirken die das Natron zersetzenden Säuren einen sofortigen Niederschlag von feinzertbeiltem, weissgelbem Schwefel, was aber bei Borsäure nach achttägigem Aufbewahren des Bades nicht der Fall war. Wir halten nun indessen eine, wenn auch geringe Schwefeltönung im Gaedickeschen Bade nicht für ausgeschlossen, da er neben der Borsaàure die Verwendung von sal- petersaurem Blei empfiehlt, dieses aber nicht nach seiner Angabe physikalisch, sondern chemisch durch Schwefeltonung wirkt. Wollte man übrigens das Bor- säurebad obne Auswaschen der Copieen benutzen, so würde nach kurzer Zeit nach dem oben Gesagten eine starke Schwefeltonung unbedingt eintreten müssen.
Vielfach ist man der Ansicht, dass ein Bild, welches aus dem oben ange- gebenen Grunde gelbe Flecken oder vollständige Vergilbung zeigt, nicht aus- fixirt gewesen sei, nach dem irrigen Schluss: wenn alles Silber aus dem Bilde entfernt wird(durch gute Fixage), so kann eine Schwefelsilberbildung unmög- lich eintreten. Das ist aber, wie schon gesagt, entschieden falseh. Wenn man nämlich Silbernitrat mit einem der als Bildträger dienenden Stoffe in Verbin- dung bringt, so entsteht immer eine Verbindung des betreffenden Mediums mit dem Silbernitrat, welche in vielen, wenn nicht allen, Fällen lichtempfndlich jist. Bringt man aber den die neue Verbindung enthaltenden Stoff, z. B. Albu- minpapier, genügende Zeit in ein Fixirbad, so wird eine neue Verbindung er- zeugt, das Medium ist dann nicht mehr lichtempfindlich, wohl aber empfind- lich gegen Schwefel und seine Abkömmlinge, sowie gegen Chlor.(Wahrschein- lich auch gegen Brom und Jod.) Die Weissen des Bildes sind also gegen die genannten Stoffe auch bei bester Fixirung noch immer empfindlich. Man kann sich durch Versuche leicht von dieser Thatsache überzeugen. Man braucht z. B. nur ein gut fixirtes Bild einige Zeit in ein saures Tonfixirbad zu legen, herauszunehmen, abzuspülen und nass vierundzwanzig Stunden hinzulegen, man wird dann finden, dass die Weissen stark gefärbt sind. Aus diesem Grunde lässt sich auch das Vergilben der getrennt getonten und gut fixirten Albumincopieen in feuchter Luft leicht und einfach erklären. Dass auch Chlor die Wirkung ausübt, erfuhren wir durch einen Zufall. Ein gut getontes und fixirtes Albuminbild war làngere Zeit mit einem mit Cblorkali getränkten Papier theilweise in Contact gewesen. Au allen Stellen, wo nun die Weissen des vignettirten Bildes das genannte Papier berührt hatten, zeigte sich ein schwach graublauer Schein, der sich im directen Tageslicht intensiv verstärkte, während die anderen Bildstellen, bei deuen eine Berührung nicht stattgefunden hatte, intact weiss blieben.
hs bietet also auch das einfache Tonbad keine absolute Garantie dafür, dass ein Vergilben oder Fleckigwerden ausgeschlossen ist, falls nicht das Fixirnatron oder sonstige Schwefel enthaltende Stoffe nach Möglichkeit ent- fernt werden. Dies ist nun aber beim Albumin, welches bekanntlich Schwefel enthält, platterdings unmöglich. Wie aber schon gesagt, muss eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden sein, wenn der Schwefel oder seine Abkömmlinge wirken sollen, deshalb kann ein im Tonfixirbad getontes Bild ebenso haltbar sein wie ein im einfachen Bade getontes, wenn letzteres näwlich ungenügend aus- gewaschen wurde. Umgekehrt aber bietet das einfache Bad eine weit grössere Sicherheit gegen das Verderben der Bilder, weil bierbei nicht, wie im com- binirten Bade, eine, wenn auch geringe, Schwefelablagerung in der Schicht
vor sich geht, welche ein Verderben des Bildes unter geeigneten Umständen
unbedingt veranlassen muss.
Es ergiebt sich aber auch für Jeden die Lehre, beim Gebrauch des ein- fachen Bades entweder immer ein frisches Fixirbad zu nehmen, oder aber dem- selben ein Alkali zuzusetzen, um das saure Medium, welches die Schwefel- tonung bewirkt, zu zersetzen, wodurch denn auch die Haltbarkeit des Tones gesichert wird.
Bei Beobachtung dieser Vorschriften sind Albumin-, Celloidin- und Aristo- bilder alle sehr lange Zeit haltbar, was bei Anwendung des Tonfixirbades absolut nicht der Fall ist. In unserem Besitz sind Celloidin- und Aristobilder,
Nr. P.
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