42 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 5.
Es geschah dies einerseits, um dem Gros der Amateure das Positivverfahren zu vereinfachen, andererseits, um dem Praktiker die Möglichkeit zur Erzielung sines bestimmten und gleichmässigen Tones zu geben, was bei Anwen- dung eines einfachen Bades oft sehr schwierig ist. Das Tonfixirbad musste also, um diesen Umständen Rechnung tragen zu können, entsprechend zusammen- gesetzt sein, und so entstand denn jene complieirte Vorschrift mit Wasser, Rhodansalzen, Alaun, Citronensäure, Bleisalze, essigsaurem Natron, Fixirnatron und Goldchlorid. Das so hergestellte Gebräu muss nun, bevor es gebrauchs- fertig ist, einige Tage reifen, wobei das Bad wesentliche charakteristische Ver- aànderungen erleidet, welche für den Tonungs- und Eixirungsprocess von àusserster Wichtigkeit sind.
Durch den Einfluss des Alauns, noch mehr aber den der Citronensäure, wird zunächst ein Theil des Fixirnatrons zersetzt, indem die stärkeren Säuren die schwache unterschweflige Säure vertreiben und sich an deren Stelle mit dem Natron verbinden; dadurch entsteht aus dem Fixirnatron durch die Wirkung der Citronensäure citronensaures Natron, während die unterschweflige Säure frei wird. Diese letztere aber ist ein sehr unbeständiger Stoff im isolirten Zustand und zerfällt dadurch leicht in Schwefel und schweflige Säure. Die naturgemässe Folge davon ist, dass das Bad durch den feinen, ausgeschie- denen Schwefel ein milchähnliches Aussehen und einen unangenehmen Geruch nach schwefliger Säure annimmt. Die schweflige Säure aber, welche in der Flüssigkeit bleibt, bildet ihrerseits wieder mit dem unterschwefligsauren Natron trithionsaures und tetrathionsaures Natron, welche mit Ueberschuss von unter- schwefligsaurem Natron bald wieder Schwefel absondert, während gleichbzeitig die Flüssigkeit eine sauere Reaction zeigt.
Der sauere Zustand des Bades lässt sich also leicht erklären, er rührt aber keineswegs von der Citronensäure her, da diese ja durch die Bildung von citronensaurem Natron gebunden ist. Alaun und Bleinitrat wirken ähnlich wie die Citronensäure, das Endresultat ist also die Bildung eines eigenthümlichen sauren Stoffes im Bade und feinzertheilten Schwefels. Hand in Hand aber geht hiermit die Verminderung des fixirenden Mediums, nämlich des Fixirnatrons.
Die Schwefeltonung geschieht nun aber in den meisten, wenn nicht allen Fällen nicht durch den Schwefel, wie man so oft irrig annimmt, sondern nur durch den gebildeten, eigenthümlichen sauren Stoff im Fixirbade. Dies kann man leicht experimentell beweisen. Fügt man nämlich ein Alkali zu einem alten einfachen Fixirbade, welches bekanntlich auch schwefelnd, also tonend wirkt, so verliert dasselbe nach einigen Tagen diese Eigenschaft ganz; Al- Kalien zerstören also das schwefelnde Princip. Ferner kann man durch Fil- triren den Schwefel entfernen und trotzdem wirkt das Bad tonend wie vorhber.
Dieser sauere Stoff ist in jedem Tonfixirbad, und er muss wohl auch darin sein. Er bildet sich nämlich nicht nur durch die oben angegebene Zer- setzung des Fixirnatrons durch die starken Säuren, sondern auch durch die Zersetzung des unterschwefligsauren Silbers beim Fixiren; aus diesem Grunde wird aus dem einfachen Fixirbad nach einiger Zeit ein Tonfixirbad.
Wir kommen nunmehr zur Erklärung der eigenthümlichen Wirkung des genannten sauren Stoffes, sowie zu den auftretenden Nebenerscheinungen der Wir- kung des Bades.
Das Silber oder Silberchlorid des Bildes erleidet durch den Einfluss des sauren Stoffes eine Umwandlung in das verschieden gefärbte Schwefelsilber. Es geht hierbei folgender Farbenwechsel vor sich: Gelb, Orange, Lederfarbe, Purpur, Violett, Blau und Schwarz. Man ist also im Stande, eine der Gold- tonung ganz analoge Färbung des Bildes zu erzielen. Die nebenbei stattfin- dende Goldtonung ändert am Resultat nichts; man erzielt dann nur leichter und rascher den gewünschten Ton, namentlich wenn viel Gold vorhanden ist; bei geringem Goldgehalt findet fast ausschliesslich Schwefeltonung statt, während bei Zusatz eines Alkalis und mehr Goldgehalt andererseits auch eine reine Goldtonung stattfinden kann. Es ergiebt sich nan hieraus von selbst, dass ein frisches Tonfixirbad mit vollem Goldgehalt nur eine relative Goldtonung be- wirkt, ein altes Bad aber fast ausschliesslich Schwefeltonung, ein gemischtes,
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