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40 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 5.
begegnen gewohnt sind. haben wir oft die schätzbarsten Aufscblüsse über die Grundsätze— um nicht zu sagen: die Geheimnisse— einer künstlerischen Retouche zu empfangen Gelegenheit gehabt, und ihr Beispiel in Verbindung mit ihrer Lebre bat erfahrungsgemäss unsere Ausstellungen fruchtbar belebrend gestaltet. Dennoch wird immer wieder— auch vop solchen Meistern— voch zu viel— ich kann kaum anders sagen als:— ohne Verständniss retouchirt. Das braucht nur mit einem Punkt an irgend einer Stelle zu geschehen, der aber so unglücklieb sitzt, dass er ein Licht um eines Haares Breite verschiebt; so ist das Unglück gescheben: eine kleine Form ist vernichtet oder verfälscht; und man ist erstaunt. fast entsetzt, wenn man das unretouchirte Blatt dagegen hält und nun sieht, was Werthvolles durch die Retouche verloren gegangen jst. Es ist ja allerdings unendlich schwer, gewisse nötbige Ausgleichungen— durch Ausflecken— herbeizuführen, ohne auch nur ein einziges Mal einem damit concurrirenden bedeutsamen Zuge wehe zu thun. Aber bei Zurückbaltung und Formenverständniss muss es gelingen— namentlich bei solchem Wettbewerbe.
Das wären die Stiftungen.— 1
In der eigentlichen Ausstellung ist auf eine grosse Vielseitigkeit und ge- wisse Vollständigkeit der Verfahren, so dass der ganze Umkreis der beutigen photographischen Technik vergegenwärtigt erschiene, den Umständen nach kaum zu rechnen. Um so freudiger ist es zu begrüssen, dass es uns gelungen ist, aus den reichen Schätzen der befreundeten Photographischen Gesellschaft in Wien unsere Ausstellung vorübergehend mit recht verschiedenartigen, zum Theil auch geschichtlich interessanten Sachen zu schmücken, die bis zum Jahre 1862 zurückgehen. So ist nur hier ein Verfahren vertreten, auf dessen Vorzüge. wie es scheint, vergeblich unsere deutschen Fachgenossen wieder und immer wieder bingewiesen werden, und das zu seiner Empfehlung gar nicht noch der gläànzenden Erfolge bedürfen sollte, welche französische, belgische und eng- lische Ateliers ersten Ranges mit demselben fortgesetzt davontragen, der Kohle- oder Pigmentdruck. Wenn man heute das hastige Umhertasten nach einem neuen Positivverfahren beobachtet, das doch nirgends gefunden wird, ohne dass entmuthigende Unsicberheiten des Erfolges, umständliche Hand- habungen und einseitig beschränkte Ergebnisse und Anwendungen in den Kauf genommen werden müssten, so begreift man in der That nicht, dass sich die Einsicht so schwer Bahn bricht, wie wesentlich es wäre, der ausserordent- lichen Gefügigkeit, Vielgestaltigkeit und Schönheit dieser Technik lebhafte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Bilder sind haltbar und in jeder Abstufung des Glanzes herzustellen. Ein von einer feinen Mattglastafel übertragenes Blatt in Kupferstichschwarz steht im Ansehen in nichts dem schönsten Platin- drucke nach und ist selbst von dem Kenner nicht ohne Weiteres von einem solchen zu unterscheidep. Dazu kommt, dass man ohne alle heiklen, dem Missrathen ausgesetzten Tönungsverfahren die Farbe des Abdruckes vollkommen in der Hand hat. Man kann alle möglichen Farben damit herstellen, je nach- dem der Gegenstand es erfordert; so z. B. vollständige Röthelbilder, von denen zwei vorzügliche Beispiele in der Wiener Sammlung vorliegen, ein lieblicher Kinderkopf von Faulkner& Co. in London, und die Reproduction einer allegorischen Gruppe von Rudolph Rössler(militair-geographisches Institut) in Wien. Dann ist gleichfalls im Kobleverfabren eine Flussansicht mit Schiffen, „New Castle on Tyne“ von Lydell Sawyer, ein wahres Muster in Feinheit der Aufnahme und der Durchfübrung. Man sieht daran, mit welcher unüber- trefflichen Sicherheit und Zartheit im Kohleverfabren alle Stufen durchlaufen werden, von den gewaltigsten Tiefen bis in die böchsten Lichter. Auch unter den anderen Bildern àlteren Datums scheinen mir einige Kohledrucke zu sein. Es ist allerdings nicht genau festzustellen, weil sie hinter Glas ausgestellt sind. Ieh glaube aber, dass die englischen Schlösser von Francis Bedford, welche wir da haben. und die schon des Datums wegen interessiren, auch in Kohle ausgeführt sind:„Warwick Castle“ von 1862 und„Kenilworth“ von 1870; zwei Aufnahmen, die damals natürlich noch mit nassen Platten gemacht werden mussten. Sie sind aber von solcher Deutlichkeit und Feinheit in der Dureh- bildung, dass sie dem Besten zur Seite zu stellen sind, was heutzutage nur
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