Jahrgang 
1894
Seite
39
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Nr. 5.

Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 39

Deutscher Photographen-Verein.

Als neue Mitglieder sind angemeldet: Herr Christian lsracel, Inhaber d. Celloidinpapierfabrik Dresdenia, Dresden- A., Hähnelstr. 16. Johann Kindermann. Photograph, Frankfurt a. d. O., Bahnhbof. Constantin Löcher, Photograph, Metz. A. Neumann, Photograph, Bremen, Hutſlterstr. 43. Als neues Mitglied ist aufgenommen(angemeldet in Nr. 3 u. 4): Herr Her m. Windschild, in Fa. Windschild& Ranft, Trockenplattenfabrik, Dresden-A., Blasewitzer Str. 37 d.

Ueberschauender Bericht über die Hildesheimer Ausstellung.

nach dem am 25. August 1893, am Schlusse der Wanderversammlung in Hildesheim, gehaltenen Vortrage.(Fortsetzung.) Von Bruno Meyer.

Den Scbluss bildet die Kindermann-Stiftung, in gewissem Sinne das Kreuz unserer Ausstellungen. Denn die ausserordentlich erschwerenden Be- dingungen, an die die Erringung ihrer goldenen Medaille geknüpft ist, haben es zu Wege gebracht, dass schon mebrfach der Preis nicht hat zuerkannt werden können, obgleich sich die allerersten Kräfte an diesem Wettbewerbe zu be- theiligen pffegen. Es werden sechs directe Einzelportraits junger Damen mit vollcopirtem dunklem Grunde in der Grösse von 28233 ½ cm. verlangt, und war entweder drei Brustbilder und drei Kniestücke oder lauter Kniestücke. Aber alsBauptsache wird verlangt: künstlerische Bebandlung der Anord- nung, der Beleuchtung, der Retouche und der Raumyvertheilung. Das hat nur geschehen können unter der stillschweigenden Voraussetzung, dass von Technik Kkeine Rede mehr sein darf. dass die Technik überhaupt von vorn herein bei dem Bewerber auf höchster Höhe stehen muss. Ueber die Ausführung ist daber auch keinerlei Anweisung gegeben. Es sind drei Bewerber erschienen; an sich ja keine grosse Zahl. Welche Hitze des Wettbewerbes jedoch gerade diese Ausschreibung hervorgerufen bat, dafür darf wobl als bester Beweis ein Um- stand gelten, den, wenn er eipfach mitgetheilt würde. sicberlich Jeder für eine humoristische Erfindung halten würde. Die drei Arbeiten haben nämlich die Kennworte:Vorwärts!Vorwärts!lmmer vorwärts! Diesen Devisen entsprechend haben die Bewerber auch die besten Kräfte eingesetzt. um das Höchste zu erreichen. Ob es überall gelungen ist, wie gewünscht! Das ist vielleicht nicht unbedingt zu bejaben. Allerdings sind viele der ein- gesandten Blätter sehr bestechend; und namentlich bei einem der Bewerber dürften wenig berechtigte Einwendungen zu machen sein, wenn nur die Retouche nicht wäre. Da zeigt sich der Segen der Bestimmung, dass die unretouchirten Abdrücke mit beizufügen sind. Denn während selbst ein ge- übtes und formenkundiges Auge sich durch die gefällig appretirten fertigen Bilder blenden lässt, erkennt man beim Vergleich mit Dem, was ursprünglich in der Platte gewesen, vielfach mit Befremden, dass die Retouche nicht mit der erforderlichen Discretion durchgeführt ist; und doch ist dies allerdings vielleicht entgegen unbedachtem Urtheil, das vermeint, in kleineren Formen sei eher etwas zu verderben als in grossen, um so nothwendiger, je grösser der Maassstab der directen Aufnahme ist. Denn die Wiedergabe geht mit der zu- nehmenden Grösse immer mehr in Details der Naturformen ein, so dass schritt- weise Arten von Formbestimmtheiten zur Geltung kommen, die vorher noch gar nicht bemerkbar waren. Das ist selbst trotzdem der Fall, dass diege- stochene Schärfe theils von selbst, theils aus guten Gründen absichtlich bei grösseren Aufnahmen verschwindet: der für das betrachtende Auge erkenn- baren Einzelformen werden nichtsdestoweniger mehr. Nun ist bei Denjenigen, die nach derartigen hochstehenden Preisen die Hand ausstrecken, voraussicht- lich überall genügendes Verständniss vorhanden in Bezug auf die Bedeutung und die Technik der Retouche. Ja von Manchen, denen wir in dieser Region zu

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