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Bromüre resp. Chlorüre zu betrachten sind.
Nr. 4.
Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 35
grosse Vorsicht hier von keinem Nutzen ist, da man damit keinen Schritt weiter kommt, ein reger Meinungsaustausch am Ende aber doch noch zu dem gewünschten Ziele führen könne.
Herr Dr. Eder ist nun der Ansicht, dass sich bei der Solarisation kein bromsaures Silber von der Formel Ag Br Os bilden könne, indem er ausführt, dass sich solches bei der Belichtung unter Bromkaliumlösung nicht bilden könne, nach Abneys Experimenten aber beim Belichten von Bromsilber unter Bromkaliumlösung, ausgesprochene Solarisationserscheinungen zeigen. Ich kenne das Abuneysche Experiment nicht weiter und weiss nicht, unter welchen Be- dingungen er operirte, aber ich bin meinestheils der Ansicht, dass die Brom- Kanumlösuns als solche mit der eventuell eintretenden Solarisation nichts zu thun hat.
Es ist ja allgemein bekannt, dass Bromkaliumlösung die Empfindlichkeit von Bromsilber mehr oder minder berabsetzt, je nach der Natur des Brom- silbers und der Stärke der Lösung. Der bierbei stattfindende Vorgang ist nun der, dass Bromsilber, welches nicht ein Normalsalz, sondern ein Subsalz ist (hbochempfindl. Bromsilber), stets Neigung hat, sich in ein Normalsalz zurück- zubilden, wenn ihm durch eine bromhaltige Lösung oder auch Substanz hierzu Gelegenbeit geboten wird, während es auch andererseits Neigung zeigt, ein bpromarmes Subsalz zu bilden, wenn es mit bromabsorbirenden Körpern in Contact kommt, z. B. mit Ammoniak- und Silbernitratlösungen.
Exponiren wir nun eine Bromsilberschicht unter einer Bromkaliumlösung dem Licht, so wird theoretisch folgender Vorgang eintreten. Die Bromkalium- lösung wird zunächst, wenn die Schicht sehr empfindlich ist, auf dieselbe in der oben angegebenen Weise einwirken, sobald nun aber durch das Licht eine Veränderung des Bromsilbers bewirkt wird, findet auch sofort eine Zurück- bildung statt, indem die Bromkaliumlösung ebenso sicher auf das gebildete Subsalz einwirkt, wie das frei werdende Chlor auf das Silbernitrat bezw. Silberacetat beim Belichten eines Stückchens Chlorsilberauscopirpapiers. Es wird auf diese Weise die Bromkaliumlösung nach und nach erschöpft, und dann kann natürlich bei weiterer Belichtung sehr gut Solarisation eintreten.
Eder ist der Ansicht, dass sich eine Verbindung von AgBrO bilde, welche in ihrer Zusammensetzung unbekannt sei und von Bromkaliumlösung nicht alterirt werde. Dafür lässt sich aber wohl kaum ein Beweis bringen, da so- wohl jedes Subsalz als auch metallisches Silber durch Bromkalium zurück- verwandelt werden, und nicht nur Bromsilber von der Formel Ag BrOs.
Bebandelt man z. B. ein Negativ mit einer Bromlösung oder auch Brom- kaliumlösung, so wird es in Bromsilber verwandelt. Die Einwirkung der Bromkaliumlösung kann hierbei im offenen Tageslicht sehr lange dauern, trotzdem lässt sich das gebildete Bromsilber mit Leichtigkeit im gewöhnlichen Entwickler reduciren. Es treten hierbei aber keine Solarisationserscheinungen auf, trotzdem das gehildete Bromsilber unter der noch vorhandenen, wenn auch schwachen Bromkaliumlösung längere Zeit starkem Licht ausgesetzt wird. Es spricht dies Experiment gegen Abneys Angabe über Solarisirung unter Bromkaliumlösung.
Der Umstand, dass die Solarisirung bei Auscheidung eines ganz bestimmten Theils des Halogenbestandtheils eintritt, weist darauf hin, dass ein bestimmtes, constantes Product gebildet wurde, welches nicht, wie die photographischen Subsalze, in der Zusammensetzung differiren kann. Es steht demnach auch der Annahme, dass ausser den Verbindungen Ag NOs— Ag Br sich auch eine Verbindung Ag Br Os bilden könne, nicht viel im Wege.
Die irrthümliche Auffassung des Wortes„Silberbromid“ gebe ich zu, denn Bromsilber kann man als Silberbromid bezeichnen, während grau gewordenes Bromsilber, sowie die verschiedenen farbigen Silberproducte weit eher als Als Subsalz sind dieselben in- dessen nicht zu bezeichnen, da dies zu mancherlei Irrthum Veranlassung geben
könnte. Ich würde folgendes Schema vorschlagen: 1) Normalsalz-Bromsilber durch einfache Fällung. 2) Subbromid-Bromsilber mit weniger Bromgehalt,
durch Digeriren oder Belichtung oder durch beide Mittel erhalten, ist in Fixir-


