34 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 4.
dass alle diese Arbeiten in die Wandermappe übergehen; und es ist den Be- werbern dringend zu empfehlen, dass sie sich später diese Mappen kommen lassen, um sich dann in dem Spiegel ihrer Mitbewerber zu betrachen. Es werden sehr Viele dabei einen„heilsamen Schrecken“ bekommen, der die erste und nothwendigste Voraussetzung zu erfolgreichem Streben auf höherer Bahn ist.
Im ausgesprochensten Gegensatze zu den bisher betrachteten erbeben wir uns bei den drei übrigen Ausschreibungen auf die allerhöchsten Höhen. Ibr. Gemeinsames ist, dass sie in Aufgaben und Ansprüchen von aller bescheidenen und zweckbewussten Beschränkung absehen und das Schwierigste vollendet fordern.
Da ist zunächst die altbekannte Festge- Stiftung, welche drei Medaillen, eine goldene, eine silberne und eine bronzene, mit der schmucklosen Be- stimmung„für die besten Gruppen-Aufnahmen“ aussetzt; d. b. aber für je sechs Cabinetbilder eines Herren und einer Dame, Kniestück oder ganze Figur, welche allen Anforderungen in künstlerischer und technischer Beziehung ge- nügen. Das ist, wie wir Alle wissen, die knifflichste Aufgabe, die dem Photo- graphen gestellt werden kann; und wir haben Jedem zu sagen: hands off!.— Hand davon ab!—, der sich nicht berufen und befähigt fühlt, mit den Grössten in die Schranken zu treten. Es haben sich drei Bewerber gemeldet, von denen indessen zwei nicht die Höbe erreicht haben, die dazu berechtigt, in diesen Wettkampf einzutreten. Es sind meist wohlgemeinte Versuche, die an soleche Stelle jedoch nicht hingehören. Nur eine der eingereichten Arbeiten kann hier ernsthaft in Betracht kommen; doch auch diese reicht nicht an das Ideal dieser Ausschreibung hinan. Es finden sich einige störende Parallelismen der Bewegung und einige Trivialitäten, in der Haltung der Hände u. dergl., auch einige Un- schönbeiten, welche in einer so strengen Auswahl, wie sie hier beansprucht wurde, nicht hätten vorkommen dürfen. Doch lässt die ganze Arbeit Sinn und hoben Geschmack erkennen, wodurch der Bewerber sich als Zugehöriger des hier vorausgesetzten Kreises legitimirt.
Dann folgt die Emil Bühler-Stiftung, die einen sehr stattlichen Preis — eine in Silber getriebene Jardiniéère im Werthe von 370 Mk.— ausgesetzt hat für eine ganze Reibe von Bildern auf mattem Chlorsilbergelatinepapier beliebiger Herkunft, ohne Hervorrufung(also im Wesentlichen auf Mignonpapier), für die sehr genaue Bestimmungen vorgeschrieben sind. Gefordert sind sechs Bildnisse— gleichgiltig ob Herren oder Damen— in der Grösse von 20— 22* 31— 33 cm, Hochformat, und eben so viele Cabinetbilder; von beiden Gruppen sollen die Haälfte ganze Figuren auf vollcopirtem dunklem Grunde, die andere Hälfte Kniestücke auf abgetöntem hellem Grunde sein— also eine ganz eingeschränkte Marschroute. Dazu ist noch ausdrücklich der Hauptwerth auf künstlerisch feine Behandlung in Beleuchtung und Stellung und auf den reinsten Ton gelegt. Die Aufgabe zeigt also Schwierigkeiten raffinirtester Art, die nur von dem wirklichen Künstler überwunden werden können. Es ist daher gar nicht zu verwundern, dass wir für diese Ausschreibung nur einen Bewerber antreffen; aber dieser freilich ist auch so beschaffen, dass er voll- ständig dazu von vornberein berufen erscheint und wohl ganz Das leistet, was dem Stifter vorgeschwebt hat. Die Leistung ist so charakteristisch, dass die stiftungsmässige Anonymität nur als eine formale gelten kann, und der Name des Meisters sicher schon auf Ihrer Aller Lippen ist.
„weniger vorsichtig“ in dem Ausdruck über die chemische Zusammensetzung des solarisirten Bromsilbers.
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