Jahrgang 
1894
Seite
28
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28 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 9.

Warum werden keine Stereoskopbilder mehr angefertigt?

Von Hermann Krone, Dresden.(Schluss.)

Dieser gesteigerte Umsatz blieb jedoch trotz aller Preiserniedrigungen aus. Nicht jedes Landschaftsgebiet ist so wie ltalien für den Weltmarkt geeignet, wo in der That die billigsten Photographieen der Welt immer noch mit Nutzen für den Unternehmer geliefert werden. Der Einsichtsvolle wird bei Aufstellung von Preisen immer den möglichen Umsatz im Auge behalten.

Daher kam es, dass nach und nach immer mehr und mehr veraltete, ab- gegriffene und durch Feuchtigkeit in den Verkaufs-Localitäten vergilbte Bilder feil geboten wurden. Diese Bilder gerade sollten sich zuerst verkaufen, weil sie von den Wiederverkäufern baar bezahlt waren. Frische Bilder wurden von diesen desbalb so lange nicht mebr gekauft und in Commission gegebene gute gar nicht vorgelegt, um die schlechteren nicht in den Schatten zu stellen.

In unmittelbarer Folge dessen kommen wir nun zur Beleuchtung der zweiten Haupt-Ursache des Verfalls der Stereskopen-Photographie, die auch endlich die letzte Veranlassung dazu geblieben ist, diesen Industriezweig zum Stagniren zu bringen. Diese zweite, nicht minder gewichtige Ursache liegt an den Wiederverkäufern. mögen dies nun Buch- und Kunstband- lungen, oder Galanteriewaarenhandlungen, oder, wie an vielen Orten aus- schliesslich, die Verkaufsbuden seien, welche letztere in der That für viele frequentirte Gegenden die eipzige Möglichkeit für den Verkauf ans Publikum bieten. In den Buch- und Kunstbandlungen werden dieseArtikel am wenigsten umgesetzt, weil sie zu wenig und nicht rationell genug ausgestellt werden.

Seitdem die oben erwähnten Schleuder-Producenten in der Absicht, Massen- absatz dadurch berbeizuführen, angefangen hatten und eine sehr bedenkliche Zeit hindurch dabei verharrten, ibre Fabrikate von oft sehr zweifelhafter Güte zu immer niedriger gestellten Nettopreisen an die Wiederverkäufer abzugeben, waren diese dadurch in den Stand gesetzt worden, unter einander ähnlicbe Concurrenz-Operationen auszuführen, und zwar hier durch unverbältnissmässig niedrige Verkaufs-Preise. Manche verkauften schliesslich um jeden Preis, um nur wieder zu ibhrem Einkaufsgelde zu gelangen und damit man nur nicht beim Nachbar kaufe. Wo eine Concurrenz-Verkaufsstelle nicht, in Frage kam, da hielt man einen etwa herrschenden Verkaufspreis aufrecht, suchte aber auf jeden Fall so billig als möglich einzukaufen, die Qualität war Nebensache. Und so ist es noch heute. Mit einem Verdienst von 33% waren die Leute längst nicht mehr zufrieden; 50% waren bald noch zu wenig. Der Verkaufspreis der Stereoskopbilder bielt sich endlich fast bis zuletzt à 50 Pfg. fürs Publikum. Dabei hatte man anfangs mit à 30 Pfg. netto eingekauft, dann für à 25, daun für à 20 Pfg., ja noch billiger, denn es wurden auch Freiexemplare gegeben. Jetzt tauchten Zwischenlieferanten auf, Reisende auf eigene Hand, die aus jenen oben erwähnten Auctionen Massen von Stereoskop- bildern, auch da und dort Ausschussbilder und Restbestände vonPleite Ge- gangenen nach dem Gewicht zusammengekauft hatten, und diese nun, Sso gut es passte sortirt, um jeden Preis an Wiederverkäufer abgaben. So kam es denn, dass dann und wann Wiederverkäufer das Dutzend, oder gar 1312, Stereoskopen mit höchstens 1 Mk. einkauften, um diese Bilder dann, immer antermischt mit anderen, die sie etwa mit à 20 bis 25 Pfg. bezahlt hatten, mit à 50 Pfg. ans Publikum verkaufen. Neu anzuschaffende Waare musste bei 50 Pfg. Verkaufspreis denselben Gewinn abwerfen, sonst wurde sie, ob gut oder schlecht, überbaupt nicht geführt. Und so ist es noch heute. Dadureb behielten die Wiederverkäufer freie Hand, jederzeit, wenn es ihnen passte, mit dem Verkaufspreise weiter herunter zu gehen. Neben diesen Bildern auch andere, wirklich reelle Bilder nur guter Qualitàt zu etwas höheren Preisen zu führen, so z. B. solche Bilder mit à 40 Pfg. einzukaufen und mit à 60 Pfg. zu verkaufen, dazu waren fast durchweg die Wiederverkäufer, und darunter selbst Hofbuchbändler, nicht zu bewegen; selbst wenn ihnen solche Bilder in Commission gegeben wurden, empfing sie der Producent nach Jahr und Tag veraltet und herumgewischt unverkauft zurück, weil sie dem Publikum über-

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