Jahrgang 
1894
Seite
27
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Nr.§. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 27

oder höebstens mit einem Lehrling arbeiten. Hier sind wir also auf einer ganz niedrigen Stufe, wo Jeder, der in den Wettkampf eintritt, zu zeigen hat, was er selber kann; denn der Lehrling wo er auch wirklich vorhanden ist wird zu den Ausstellungsarbeiten nicht viel Entscheidendes beitragen. Wir haben daher bei dieser Stiftung durchweg Leute vor uns, die auf eigene Kraft angewiesen sind und zu zeigen haben, was man unter solchen Verbältnissen verlangen und leisten kann. Allerdings sind durch die Bedingungen dieser Stiftung Bewerber nicht ausgeschlossen, denen das fördersamere Menschenmaterial grösserer Städte zu Hilfe kommt. Doch macht sich das wenig bemerkbar; eber das Bewusst- sein des Gegentbeils; wie denn der vorerwäbnte Kennspruch von einem der zwölf Bewerber um die Preise dieser Ausschreibung berrührt, der damit voll- kommen zutreffend betont, wo es auch ihm selber hauptsächlich fehlt. In der That: während erst jenseits des zehnten Bewerbers die technische Ausfübrung anfängt unzulänglich zu werden, genügen in Bezug auf das Künstlerische Abrundung der Composition, Ausdruck, Haltung u. s. w., von vereinzelten guten Anläufen und gelungenen Würfen abgesehen. nur etwa die ersten drei Bewerber(bei nicht rigorosen Ansprüchen, wie sie bier angebracht sind), und es ist jedenfalls bemerkenswerth, dass bei Zweien derselben Kinderbilder in auffälligem Maasse zu dem vortheilhaften Gesammteindrucke beitragen, während der zwischen ihnen Stehende durch gute Gruppirungen für sich einnimmt. Alles in Allem genommen ist auch diese Wettbewerbung als ein erfreulicher Erfolg zu verzeichnen.

Diese Reibe wird endlich abgeschlossen durch die Formstecher- Stiftung, welche gleichfalls mit möglichst wenig retouchirten Tagesarbeiten Diejenigen in den Wettkampf gerufen hat, die in Städten mit weniger als 7500 Einwohnern leben und arbeiten. Gefordert waren entweder 12 Cabinet- bilder oder 24 Visitkarten, und zwar zu gleichen Theilen männliche und weib- liche Portraits, und von jeder Art wiederum die Hälfte Brustbilder und die Hälfte Kniestücke. Es kommt hier im Wesentlichen auf Dasselbe hinaus, wie bei der Janssen-Stiftung, nur dass das Kriterium für die Abgrenzung nicht so sachgemàss wie dort gewählt zu sein scheint. Es überrascht daher auch das aufgetauchte Bedenken nicht, ob nicht bei dieser Fassung der Aufgabe ein kleiner Missgriff untergelaufen ist; denn wenn nicht Alles trügt, so ist in diesen Wettbewerb ein Geschäöft eingetreten, das zwar wobl in einer Stadt von kaum 7500 Einwobnern bestehen mag. Wenn aber eine solche Stadt ein gut besuchter Badeort ist, so verkehren und leben in ihm zu gewissen Zeiten vorübergehend Leute, die den höchsten Ständen angehören, ein dem Photographen so kleiner Städte sonst meist nicht zugängliches, wie bereits mehrfach betont, ernsten Künstlerischen Bestrebungen grossen Vorschub leistendes Publikum darstellen, und gerade während eines solchen Erholungsaufentbaltes Langeweile haben und die Musse gern benutzen, um sich photographiren zu lassen. Ein solcher Mann arbeitet unter Bedingungen, die hier augenscheinlich gar nicht beabsichtigt sind. Ich glaube, dass sich der Herr Stifter dies für die Zukunft gesagt sein lassen wird, und wenn er was ja nach den gemachten Erfahrungen überaus dankenswerth wäre demnächst uns eine ähnliche Stiftung wieder widmet, eine Bestimmung hinzufügt, durch welche Derartiges ausgeschlossen wird. Die Betheiligung an dieser Stiftung ist unter den drei verwandten die geringste gewesen: sieben Bewerber. Was aber beinahe noch schlimmer ist: die Leistungen gehen hier erstaunlich tief tiefer als bei den vorher behandelten hinab; während allerdings, wie schon aus der eben gemachten Bemerkung über die Stiftungsbedingungen hervorgeht, das beste Vorhandene überraschend über das Niveau hinausragt, das bier als obere Grenze füglich nur erwartet werden durfte. Um so besser, wenn es sich vielleicht herausstellt, dass die vorher als wahrscheinlich angenommene Erklärung für diesen Umstand etwa sich als

unzutreffend herausstellen sollte.

(Forsetzung folgt.)