Jahrgang 
1894
Seite
29
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Nr. 3. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 29

haupt gar nicht zu Gesicht gekommen waren. Und warum dies? Weil sie dem Wiederverkäufer 5 Pfg. weniger Gewinn einbrachten; weil sich die Producenten von Prima-Qualität durch aus den für ordinaire Marktwaare aufgestellten Preisen fügen sollen; was eben nicht durchführbar ist. Weleber Arbeit darf wohl das Recht bestritten werden, Qualitätsunterschiede in der Preisnotirung zu berücksichtigen? Und dennoch giebt es genug Käufer aus dem gebildeten Publikum, die sehr gern für ein gutes Stereoskopbild à 0,75 anlegen, wenn sich der Wiederverkäufer ent- schliessen könnte, solche Bilder mit à 0,50 netto zu fübren, also mit 33% Rabatt zufrieden zu sein und dem Publikum diese Bilder in erster Linie zur Auswahl darzubieten. Auch dieser Preis ist immer nur unter der Voraus- setzung einigermaassen lebhaften Umsatzes zu halten möglich und für Neu- Aufnahmen ist dabei noch keine Reserve kalkulirt.

Nach allen diesen Vorkommnissen ist der photographische Verleger kleinerer Landschafts-Photogramme jetzt überhaupt ganz in den Hànden der Wiederverkäufer. Die beste Qualität be-

kKkommt gewöhnlich das Publikum gar nicht zu sehen. erfährt gar nicht, dass

sie überhaupt existirt, wenn sie sich untersteht, dem Wiederverkäufer auch nur einen Pfennig weniger Gewinn einzutragen, als der ordinairste Marktkram, der am billigsten geliefert werden kann und den meisten Umsatz findet. Beste Qualität wird dann eben nicht geführt und die vorhandene da- für angepriesen. Dann wundert sich das Publikum, warum z. B. an manchen Orten der Sächsischen Schweiz unur so jämmerliche Photographieen existiren. Allerdings giebts gute Bilder dieser Orte, aber eben nicht an Ort uud Stelle, weil ordinaire Bilder der Verkäuferin mehr Nutzen abwerfen. Man giebt sich Mühe, ein solches Verhalten einzelner Wiederverkäufer durch den vielleicht ge- ringen Bildungsgrad solcher Leute zu entschuldigen. Aber um so tiefer ist es zu bedauern, und um so lauter muss es verurtheilende Erwähnung finden, wenn sich Buch- und Kunsthandlungen auf denselben Standpunkt stellen, den man anständigen Galanteriewaarenbandlungen kaum mehr zutrauen sollte.

Wer will es nun den Photographen verdenken, wenn sie nach all dem oben Dargelegten zu dem Entschluss gekommen sind,diesen Artikel fallen zu lassen, Stereoskopbilder nicht mehr anzufertigen?

Mögen sich doch jetzt mal die Wiederverkäufer selbst Stereoskopbilder machen, wenn es ihnen daran liegt, solche zu verkaufen. Dann würden wir auch bald richtiger normirte Preise erfahren. Die Photographen haben ihre bezügl. Opfer dem Publikum bereits zur Genüge dargebracht und sind nicht gewillt, damit fortzufabren. Aber unter anderen Bedingungepn liesse sich der Gegenstand von Neuem aufnebhmen.

Jetzt sind die früheren Aufnahmen meist veraltet. Es müssten also, falls man von Neuem zur Herstellung stereoskopischer Photogramme schreiten wollte, Neuaufnahmen gemacht werden und zwar zeitgemäss bester Qualität; in vielen Fällen gut gewählte Moment-Aufnahmen. Zur Montirung derselben müsste man sich zu zeitgemäss eleganter Ausstattung derselben entschliessen. Inzwischen ist alles dazu Nothwendige, mit Ausnahme des Silbers, theurer geworden. Von einem Festhalten der alten Preise könnte selbstverständlich nicht die Rede sein.

Wer soll damit beginnen?

Zunächst Amateure!

Unsere Kunstbeilage-

Leider gelang es uns nicht, die heute beigefügte Kunstbeilage noch rechtzeitig für Anfang December vorigen Jahres fertigzubringen, und die geehrten Leser wollen deshalb entschuldigen, dass sie den Aufdruck 1893 trägt. Nichtsdesto- weniger wird sie den Empfängern willkommen sein. Die Kunstbeilage ist eins der sechs vorzüglichen Landschaftsbilder, welche in Hildesheim von unserem Mitgliede L. Hansen in Kappeln an der Schlei ausgestellt wurden und welche hierbei den Ehrenpreis der Kleffelstiftung errangen. Die vorzüg- liche Wiedergabe durch Obernetter giebt den guten Eindruck wieder, den das Bild auch im Original gemacht hat.