18 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 29.
stellungen selber, sondern auch in dem der Aussteller und aller Besucher der Wanderversammlungen dringend zu wünschen. Man lernt nicht nur an den Spitzen der Ausstellung, sondern auch an den minder guten Sachen; denn man sieht daran, was für Febler gemacht werden. Wer aber die Fehler der Anderen erkannt hat, findet bei gutem Willen und ehrlicher Absicht auch bald die eigenen, und er wird suchen and so mehr und mehr versteben, sie zu vermeiden. Damit genug von dieser Abschweifung!—(Fortsetzung folgt.)
Warum werden keine Stereoskopbilder mehr angefertigt?
Von Hermann Krone, Dresden.
In neuester Zeit ist mehrfach die Frage gestellt worden, was wohl die Ursache davon sei, dass die seit den fünfziger Jahren so beliebt gewordenen stereoskopischen Bilder jetzt so gut wie gar nicht mehr zu haben sind? Man hat dafür verschiedene Beantwortungen versucht, die aber alle nicht das Richtige getroffen haben. Nur wer die ganze Zeit mit durchgelebt und selbst mit durch- gearbeitet hat, von der ersten Entwicklung der Herstellung stereoskopischer Photographieen an bis zu dem während der letzten beiden Jahrzehnte mehr und mehr aufgetretenen unausbleiblichen Verfall der diesem Zwecke gewidmeten weit verbreiteten industriellen Praxis, weiss die richtige Antwort auf die ge- nannte Frage zu ertheilen, und ich unterziehe mich gern dieser mir wichtig genug erscheinenden Aufgabe, zumal es mir beschieden war, vom Jahre 1852 an in Sachsen die ersten Stereoskopbilder, Portrait und Landschaft, anzufertigen und die Publikation solcher im Kunsthandel seitdem so lange ununterbrochen fortzusetzen, bis dieselbe durch die sogleich zu erklärenden Ursachen mehr und mehr zur Unmöglichkeit geworden war.
Unrichtig ist es, anzunehmen, dass das Publikum das Interesse daran ver- loren habe. Es ist ferner ein Irrthum, zu behaupten, das Publikum kaufe lieber ein Cabinetbild, als ein Stereoskopbild, weil das erstere die Gegenstände grösser, oder mehr Gegenstände im Bild gebe; dafür giebt ein grosser Tbeil des gebildeten Publikums den durch ein Stereogramm gebotenen plastischen Eindruck des Dargestellten nicht hin, und es können ja beide dargeboten werden. Unrichtig ist es ferner, das Publikum kaufe nur das Billigste; daun würden überhaupt nur die schlechtesten Visits gekauft oder gar nur die so vielfach dargebotenen, den Photographieen oft in unredlicher Weise nachgebildeten Litbo- graphieen, als Leporelloalbums u. dergl. Es giebt allerdings Leute genug, selbst unter den anscheinend Gebildeten, denen alles Dargebotene zu theuer ist; diese Sorte hat jedoch nicht darauf Anspruch, als für das gesammte Publikum bestimmend aufgefasst zu werden. Für diese können dann immer noch Aus- schussbilder, oder die an sich billiger, weil fabrikmässig, herzustellenden Licht- druckbilder oder Lithographieen vorräthig gehalten werden.
Mit der Einführung der Gewerbefreiheit in Sachsen 1861, und in derselben Zeit auch in anderen Gauen Deutschlands und Oesterreichs, waren Photographen massenhaft erstanden; man sagte damals:„Die Photographen wachsen jetzt wie die Pilze aus der Erde“. Es waren leider viel] Unberufene darunter, und wer zu nichts taugte, wurde Photograph, weil er sich ja dann, wie er glaubte, nur hinter einen möglichst billig zu erstehenden Apparat zu stellen, diesen hinzuhalten und„loszuschiessen“ brauchte, um ein reicher Mann zu werden. Vielen von diesen Leuten gefiel das Herumziehen mit dem Apparat in der Landschaft, und nun wurden auf diese Weise auch massenhaft Stereoskopbilder angefertigt. Dadurch begann eine Zeit des Verfalls in der Lichtbildkunst. Die Photographie verlor an Achtung und Ansehen auch bei einem grossen Theile des gebildeten Publikums, weil viel Schlechtes, wenig Gutes, geboten wurde. „Billig und Schlecht“ war die Losung jener Zeit, in welcher auch der bessere Theil des Publikums den Maassstab für wahrhaft gute photographische Leistungen verlor, die sich nur sehr schüchtern hervorwagen durften, weil sie für jene Schleuderpreise nicht hergestellt werden konnten.
Bei so massenhaft aufgetretener unverständiger Concurrenz konnte es nicht ausbleiben, dass sehr viele solcher unberufenen Lichtbildkünstler„einpacken“
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