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Nr. 2.
Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 17
Namen als Gewinner der ersten Preise bezeichnen. Gerade von den unter jener mystischen Bezeichnung einzig zu verstehenden Personen ist es bekannt, dass kaum ein Jahr vergeht, ohne dass eine oder zwei von ihnen in dem Preisgerichte mitwirken, also für Medaillen gar nicht in Betracht kommen, und dass gerade diese hervorragenden Meister unseres Faches und Zierden unserer Ausstellungen uns mehr als sonst irgend Jemand daran gewöhnt haben, sie von vorn herein, oft mehrere Jahre hintereinander, aus freiem Entschlusse ausser Preisbewerbung treten zu sehen, und zwar meist mit Arbeiten, an denen das Preisgericht förmlich seufzend vorübergeht, weil es ihm nicht vergönnt ist, hier einmal so recht von Herzen in vollster Einstimmigkeit die höchste Anerkennung zu zollen. Also diese Koryphäen lassen gerade bei uns in be- merkenswerther Weise die Bahn frei, wie Aehnliches schwerlich auf anderen — einzeln veranstalteten— Ausstellungen der Fall sein dürfte, wo Niemand Rücksichten zu nehmen hat, und auch Niemand welche nimmt.
Aber auch wenn dies nicht der Fall wäre, wenn wir regelmässig das Vergnügen hätten, jenen drei, vier und mebr hervorragenden Freunden, die immer etwas Bedeutendes bringen, Preise ersten Ranges zuzuertheilen, so schliesst das nach unseren vortrefflichen und bewährten Einrichtungen absolut für Niemand die Möglichkeit aus, neben ihnen und trotz ihrer ganz genau derselben Auszeichnung theilbaftig zu werden; denn bei den Ausschreibungen des Deutschen Photographen-Vereipes ist das Preisgericht, wie Jedermann wissen kann, durchaus nicht an eine bestimmte Marschroute gebunden.
Unsere Preisausschreibungen besagen nur, dass Auszeichnungen in be- stimmten Abstufungen zu erwerben sind, aber(von den besonderen Wett- bewerbern aus Stiftungen natürlich abgesehen) mit keinem Worte, wie viele von jeder Art. Ja, stände eine bestimmte und vielleicht gar recht beschränkte Anzahl von Medaillen, Diplomen u. s. w. zur Bewerbung, dann hätte es eine gewisse Berechtigung, zu sagen: Dort trifft man erfahrungsmässig mit einer nicht geringen Zahl höchst gefährlicher Mitbewerber zusammen, die durch un- zweifelhaftes Uebertreffen ihrer Leistungen aus dem Felde zu schlagen ganz ausser dem Bereiche der Wahrscheinlichkeit liegt. Da sind also die paar ersten Preise schon im Voraus so zu sagen in fester Hand, und für die Anderen bleiben höchstens die kleineren Preise noch zu erlangen— natürlichb unter nach unten hin immer zahlreicher auftretender Concurrenz.
So liegt die Sache bei uns eben nicht. Der Preisrichter legt hier an die Sachen satzungsgemäss den höchsten Maassstab. Nicht die relativ besten, sondern absolut gute Sachen werden prämiirt. Dem Preisgerichte wohnt tra- ditionell eine gewisse Vorstellung von Graden der Vollkommenheit bei, und an diesen misst jedes einzelne Mitglied für sich ohne jede Nebenrücksicht die ausgestellten Werke einzeln(richtiger der einzelnen Aussteller) und ertbeilt ihnen eine Nummer, die einen bestimmten Werth hat. So viele und so hohe Auszeich- nungen sich nun bei der Zusammenrechnung ergeben, so viele sind damit zu- erkannt. Ja, es findet sogar übungsgemäss noch eine Nachprüfung der so mebr mechanisch gewonnenen Ergebnisse vor den Sachen selber statt, bei welcher namentlich Mittelwertben zwischen den reinen Nummern ihre end-— giltige Bedeutung beigelegt wird, und im Allgemeinen entschieden die Neigung vorwaltet, die für den Aussteller günstigere Deutung des Ziffernergebnisses zu bevorzugen. Hierin waltet eine gewisse Milde; die Forderungen bei der Be- urtheilung überhaupt sind jedoch ziemlich hoch gespannt— wie mir scheint: mit Recht.
Wer sich diesem Maassstabe unterwerfen will, komme nur gestrost. Er hat keine Beeinträchtigung durch vorgefasste Meinungen oder grundsäatzlich ungünstige Bedingungen zu fürchten. Es mögen nur recht viele Aussteller Vorzügliches bringen, und sie werden reichlich Preise selbst ersten Ranges davontragen. Herr Schwier weiss z. B. in diesem Augeublicke noch gar nicht, wieviel Auszeichnungen diesmal vertheilt werden sollen. Es würde ihm gewiss lieb sein, wenn mehr vorgeschlagen würden, als der Fall ist.
lch bitte Sie, diese Gedanken auch Ibrerseits weiter hinaus zu verbreiten. Sie sind darnach angetban— wie ich glaube—, unseren Ausstellungen eine grössere Betheiligung zuzuführen. Und das ist nicht nur im Interesse der Aus-


