Jahrgang 
1894
Seite
16
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894.

Wir haben dann das Vergnügen eine Gruppe von Gegenständen sehr reichlich vertreten zu sehen, die leider oft unseren Ausstellungen gänzlich fern bleibt; nämlich die Gruppe der wissenschaftlichen Behelfe. Die Verlags- firma R. Oppenheim in Berlin hat eine grössere Auswahl ihres photo- graphischen Verlages hergeschickt, die eine ganze Reihe von Bänden und Bändchen bildet. Selbstverständlich ist der Berichterstatter über die Aus- stellung als solche weder verpflichtet noch im Stande, sich ein Urtbeil über den Werth der einzelnen Litteraturerzeugnisse zu bilden, und meines Erachtens nicht einmal berechtigt, sich ein etwa bereits von früher her fertiges merken zu lassen. Ein Verleger ist selten befäbigt, sich ein zutreffendes Urtheil über seine Verlagswerke als wissenschaftliche Arbeiten betrachtet zu bilden, und oft nicht in der Lage, angesichts gegebener Verhältnisse dies und jenes, selbst wenn es ihm recht zweifelhaft erscheint, abzulehnen. Es kommt hier also auf die Richtung und ich möchte sagen die Intensität der verlegerischen Thätigkeit an; und es ist mit Dank anzuerkennen, wenn eine Verlagshandlung sich nicht nur der Pflege der photographischen Literatur nach allen Richtungen hin annimmt, sondern von der Ernsthaftigkeit, mit der sie das thut, auch durch die solide und selbst splendide Ausstattung ihrer Verlagswerke Zeugniss ab- legt. Dass dies hier geschehen, haben wir die gern erfüllte Pflicht an dieser Stelle rühmend zu bestätigen.

Anders stehen wir dem ausgestellten Werke des Dr. L. Pfeiffer in Weimar gegenüber:Einführung in die plastische Anatomie des Kopfes, welche ur- sprünglich in der Vereins-Zeitschrift als Original-Arbeit erschienen und auf Beschluss des Vorstandes ausgestellt ist. Es handelt sich da um eine gründ- liche Unterweisung über den Bau des menschlichen Kopfes, soweit er zum Verständniss seiner Oberfläche dem Photographen zu kennen nothwendig ist; und das ist in ausserordentlich prägnanter Kürze gegeben und illustrirt durch verschiedene Abbildungen, die in passender Weise ad hoc gezeichnet sind. Man kann daher jedem praktischen Photographen, namentlich aber den Herren Retoucheuren, das Studium dieser Sachen nicht genug empfehlen.

Hiernach kommen wir zu den photographischen Arbeiten selber, welche uns die Ausstellung bietet, und die immerhin doch den Schwerpunkt ihbres Inter- esses enthalten.

Ich spreche zuerst von den Stiftungen. Lassen Sie mich aber, bevor ich auf diesen interessanten und wichtigen Theil unserer Ausstellung eingehe, ein allge meines Wort betreffs unserer Ausstellungen einfügen. leh weiss ganz genau, dass es sich nicht auf unsere hiesige Ausstellung bezieht, und dass es sich nicht an Sie, die hier Anwesenden, richtet. Ich stelle es auch nicht ein- mal versuchsweise in Abrede, dass ich damit, wie man sagt, zum Fenster hbinaus spreche. Aber da ich mir bewusst bin, dass Das, was ich hier sage, weit hinausdringen wird, und da ich meine, dass es sehr werth ist, gesagt und gehört zu werden, so möchte ich es an dieser Stelle sagen.

Es steht der reichlichen Entwickelung unserer Ausstellungen ein wie es scheint unausrottbares Vorurtheil entgegen. Aller Augenblicke begegnet man der aberglàubischen Auffassung, dass es eigentlich Unsinn wäre, bei uns auszu- stellen. Denn die drei oder vier grossen Hofphotographen, die im Verein und auf den Ausstellungen seit Menschengedenken eine tonangebende Rolle zu spielen gewöhnt sind, bekommen ja doch immer die Medaillen. Weshalb soll man da überhaupt etwas hinschicken und sich Enttäuschungen, vielleicht gar Un- gerechtigkeiten aussetzen?

Wir Alle, die wir den Dingen und den Personen etwas näher stehen, wissen: Es giebt absolut nichts Unrichtigeres und Unbaltbareres als dieses Vorurtheil. Das muss gesagt und immer wiederholt werden, mit allem Nach- druck und mit all dem Ansehen, welches dem Worte jedes Einzelnen von uns zur Seite steht. Aber wir dürfen und wollen dabei nicht stehen bleiben. Unsere Versicherung muss, kann und soll auch mit Hinweisen auf That- sachen belegt werden. Wenn man von beliebigen drei oder vier auf ein- ander folgenden Ausstellungen die Verzeichnisse der Prämiirteu neben einander legt und vergleicht, so ist leicht festzustellen, dass die gar keine auffallende Aehnlichkeit haben, dass durchaus nicht die auf einander folgenden dieselben

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