Jahrgang 
1894
Seite
15
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Nr 2. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 15

Bedacht zu nehmen sein, da die Bekundungen Solcher nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen sind, welche durch diesen Nervenreiz bis zur Unerträglichkeit gepeinigt zu sein bebaupten. In unserem Jabrhundert der allgemeinen Nerven- schwäche liegt dergleichen nicht ausser dem Bereiche der Möglichkeit.*)

Sodann ist uns die Ausstellung der Kalt- und Heiss-Satinirmaschine Heureka von H. Anders in Dresden aufgefallen. Selbst missgünstige Be- urtheiler haben die Güte der Ausführung nicht zu bemängeln gewusst; und wenn bei einigen unzweifelhaften Neuerungen, die daran sind, keine Einigung darüber zu erzielen war, ob dieselben, übereinstimmend mit dem Urheber, als Verbesserungen anzusehen sind, so liegt das vielleicht daran, dass man an abweichende, ja entgegengesetzte Anordnungen gewöhnt ist. So dürfte der Umstand, dass die eigentliche Heizwalze oben liegt, fast nur Vortheile bieten. Erstlich wird die zweite Walze nicht durch aufsteigende Hitze erwärmt; zweitens liegt das Bild bei der Satinirung nach oben gewendet, sodass man den Process verfolgen kann. Dass in Folge davon auch Unreinigkeiten, welche etwa auf das Bild gerathen, nicht wie bei umgekehrter Lage von selbst abfallen, sondern einsatinirt werden und Ausschuss geben, falls es nicht ge- lingt, sie vorher durch Blasen glücklich zu entfernen, scheint mir nicht ohne Weiteres entscheidend dagegen ins Gewicht zu fallen. Auf die übrigen Eigen- thümlichkeiten einzugehen, würde hier zu weit führen.

Ich bemerke, dass die Ihnen Allen ja als ausgezeichnet bekannte Satinir- MaschineFernande von Julius Formstecher in Offenbach a. M. und Wien selbstverständlich auch hier vertreten ist. Seit Jahren ist ihre Vorzüglichkeit anerkannt, sodass an dieser Stelle kaum etwas gesagt zu werden braucht. Neuerungen sind diesmal an ihr nicht hervorgetreten.

Hiernach haben wir dann eine interessante Neuerung nicht bloss für praktische Photographen zu begrüssen. Paul Förster, Dresden, hat ein àusserst compendiöses und dabei allen berechtigten Anforderungen genügendes zusammenlegbares Hintergrundsgestell construirt. Es ist sehr praktisch für den Reise-Photographen, da es leicht zu handhaben und schnell aufzu- stellen ist. Der Apparat hat aber auch noch eine andere Anwendbarkeit, auf die ich an dieser Stelle hinweisen möchte, nämlich zu Projectionszwecken, wodurch er sich der grossen Gemeinde der photographirenden Liebhaber doppelt empfiehlt.

Endlich ist noch zweier Hilfsmittel für Photographen zu gedenken. Eine sehr bunte Ausstellung künstlicher Pflanzen von Gebhardt Schnell in potsdam bietet reichhaltiges Material, das zum Arrangiren einer Gruppe oder eines genreartigen Portraits gewiss vielfach sehr hübsch zu verwenden ist, und zugleich zur freundlichen und gefälligen Ausschmückung des Ateliers dienen kann(soweit hierbei nicht die wie es scheint mit Rücksicht auf die photographische Wirkung etwas lebhaft und contrastreich gewählten Farben Zurückhaltung gebieten sollten).

Das Letzte in dieser Reihe ist eine Sammlung von Tableaux, die für Photo- graphen in Garnisonstädten von hervorragendem Interesse sind, ausgestellt von dem Erfinder Robert Ochernal in Marienberg(Sachsen). Es sind das grössere Blätter in Lichtdruck mit einem rahmenartigen Aufbau, der für jedes Regiment oder selbstständige Bataillon besonders hergestellt ist. Derselbe enthält An- sichten der betreffenden Garnisonstädte, sowie die Portraits der höheren Offi- ciere und Vorgesetzten des Truppentbeiles, bis zu dem Landes- und dem obersten Kriegs-Herren binauf. In der Mitte ist dann freier Raum zum Einkleben des eigenen Visit-Portraits des betreffenden Vaterlandsvertheidigers.

*) Die ganze Fülle der vorurtheilsvollen Unwissenheit, die bei dieser Gelegenheit wieder ungenirt ins Feld gezogen ist, tritt aber darin ans Licht, dass vor einiger Zeit Jemand diese nervöse Erschlaffung der Hand NB! bei dem Schnapekschen Apparate mit vibrirender Platte! auf elektrische Ströme zurückgeführt hat. Nun gelangt aber die Elektricität nicht einmal pis in die vibrirende Zunge des Apparates, auf der die Platte liegt. Wäre das aber selbst der Fall, so könnte sie unter keinen Umständen weiter vordringen, da die Zunge an der Rückseite der Platte, d. h. reinem Glase, anliegt, und Glas, wie jedes Kind weiss, die Elektricität nicht leitet! Preisaufgabe: zu erklären, wie der Strom aus dem Elemente des Schnapekschen Apparates in die retouchirende Hand gelangen kann! B. M

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