Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Ny. 1.
Vortheilhaftigkeit eines solchen Verfahrens, wenn es zuverlässig ist, zweifel- haft sein. Indessen ist die Einfährung bis jetzt immer an der Unsicherheit des Tonprocesses gescheitert; und es fehlt auch bezüglich dieses neuen der- artigen Papieres nicht an Stimmen, die nach gemachten Erfahrungen denselben Uebelstand beklagen. Nach den hier vorgeführten Proben scheint die Firma selber über diese Schwierigkeiten Herr geworden zu sein; ob sich das auch in der Praxis bewährt, muss sich erst zeigen. Wichtig genug wäre es ja, ein solches Verfahren zu erfinden. Das beweist wohl die Jahre lang wiederholte — leider auch diesmal noch nicht erledigte Ausschreibung unseres Vereines für ein zuverläàssiges Schnell-Copir-Verfabren.
Ausserbalb der Preisbewerbung stehen auch die sehr hübschen Proben von Bildern auf Chlorsilberplatten(Opalplatten) von Otto Perutz. München. Ich muss wieder auf eine eigentliche Beurtheilung verzichten. Die vorgelegten Musterabdrücke— nach zum Theil wohlbekannten Negativen von Friedrich Müller, München,— zeigen sowohl in der Aufsicht(bei schwächerem Copiren) wie in der Durchsicht(bei stärkerem Copiren) sehr erfreuliche Ergebnisse; und an der Brauchbarkeit der Platten ist auch schwerlich zu zweifeln. Das ist wichtiger, als es an sich scheint; denn es ist gewiss wünschenswerth, wenn die deutsche Technik sich vom englischen Markte emancipirt. Es ist aber noch nicht lange her, da konnte man eifrige Freunde der Lichtbildkunst— wenn auch mit tiefem Bedauern— es aussprechen hören, dass Alles, was an Materialien dieser Art wirklich gebraucht werden kann, lediglich unter eng- lischer Firma zu uns kommt. Das ist naun boffentlich vorbei.
Ferner finden wir Aristo-Papier von Albert Peltzer, Wieckrath; Proben, die sich neben den alten gut bewährten Marken getrost sehen lassen dürfen.
Dann begegnet uns eine sehr eigenthümliche Ausstellung von Dr. Höhn& Co., Düsseldorf, die eine ganze Anzahl merkwürdiger Mattlacke in den verschiedensten Färbungen uns vorführt. Wenn man sie auf die Platte giesst, erscheinen sie fast farblos; je mehr aber der Trockenprocess vorschreitet, um so intensiver tritt die Farbe bervor. Jedem kommt es sofort in den Sinn, wie häufig und wie künstlich beim Copiren durch Decken mit Mattlack und durch Auflegen von farbigem Seidenpapier nachgeholfen wird. Da könuten vielleicht mit be- sonderem Vortheil diese Mattlacke eintreten. ludessen bleibt das auch der Zukunft vorbehalten, darüber zu entscheiden, ob hier ein Fortschritt vorliegt, und das Mitte]l— dessen Anwendbarkeit, von mir nur augenblicklich nicht übersehen, gewiss noch viel weiter reicht— sich als praktisch bewährt.
Wir kommen hiernach zu zwei wohlberufenen Firmen, welche neue Farben
für Photographie-Retouche ausgestellt haben. Wir finden von Günther.
Wagner, Hannover, Eiweiss-Lasur-Farben und von H. Bruns, Hannover, Glauz-Lasur-Farben. Es liegt über beide Arten von Farben, soweit mir be- kannt, noch kein festes Urtheil vor. Ueber die Lichtbeständigkeit der ver- schiedenen Töne werden Zweifel erhoben, die nur durch Bewährung in längerem Gebrauche besiegt werden können. Man kann sich hierüber vorläufig nur mit besonderer Vorsicht àussern. Von dieser— selbstredend in erster Linie wichtigen— Frage der Haltbarkeit abgeseben, sind sie aber in der That sehr geeignet zur farbigen Retouche von Photographieen, da sie die ganze Feinheit der photographischen Modellirung durch einen einfachen Localton unverkümmert hindurchscheinen lassen. Wenn sie daher auch in Bezug auf Haltbarkeit allen Anforderungen entsprächen, so böten sie eine entschiedene Erleichterung des photographischen Verfahrens in Bezug auf farbige Retouche, die nicht ohne Fug vielfach beliebt und begehrt wird.
Als letztes ausser Beurtheilung stehendes Ausstellungsobject in dieser Reihe bringen Eduard Jerzabeck& Söhne in Mährisch-Neustadt einen auffallend hellen blauen Stoff zu Ateliervorhängen, der merkwürdigerweise sehr wenig ausblasst, aber einige Schwierigkeiten in der Behandlung zeigen soll; dieselben erweisen sich indessen nicht als unüberwindlich, so dass später bei einigen Er- fahrungen recht gute Resultate erzielt werden können. Die allgemeine Hellig- keit im Atelier erscheint dabei als Hauptvortheil.
Nun za einigen weiteren Ausstellern dieser Abtheilung, über deren Arbeiten von der Jury geurtheilt werden konnte. Sie folgen in keiner besonderen
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