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320 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 39.
Festbericht. der 18. Wanderversammlung des Deutschen Photogr.-Vereins in Weimar. (Fortsetzung.) III.
Der Verabredung gemäss traf man am Freitag den 2. August, vormittags 10 Uhr, in Werthers Garten zum Frühstück zusammen.
In Gruppen beieinanderstehend oder-sitzend erkundigte man sich gegenseitig, wie das so üblich ist, darnach, wie der gestrige Abend bekommen sei.„Vorzüxglich, herrlich!“ hiess es da,„ich habe mich köstlich amüsirt, das Essen war vortrefflich, der Wein gut, die Laune grossartig,“ und sich an dies oder jenes drollige Vorkommniss erinnernd, brach man in fröhliches, lautes Lachen aus.
Nur Einige vermochten es nicht, sich in diese Feststimmung hineinzufinden, sondern schlichen trüben Blickes, gesenkten Hauptes zwischen den Stühlen und Tischen dahin und klagten über eigen- thümliches Stechen im Kopfe, über Appetitlosigkeit und Schwindel, winkten abwebrend mit den Händen, wenn man nach ihrem Befinden frug und baten seufzend, von Rom zu schweigen.
Gar bald aber waren diese am gestrigen Abend Enutgleisten durch ein gutes Frübstück und ein Glas hochschäumenden Münchener Schankbieres wieder hergestellt und stimmten heiter in den Ruf: „Auf dnach Valencia! auf nach Berka!“ ein. Da, wo die Berkaer Eisenbahn ihren Anfang nimmt, bei der ehemaligen, von einem ge- wissen Eisentraut verwalteten Chausseeeinahme(ein humor. Lied sagt hierüber:
. Das ist die Berksche Eisenbahn, Rumpliwum bum bum, Bei Eisentrauten fängt sie an, Rumpliwum bum bum etc.), stand unser Sonderzug bereit und nahm die hinzudrängenden Fahr- gäste auf.
Die Fahrt bot nichts Besonderes, denn unser Zug hielt nicht wie sonst, zarte Rücksicht übend, an jeder Station an, sondern brauste ohne Aufenthalt an der Schumpel, an Nohra und Grunstedt vorüber, fuhr, Holzdorf und Legefeld hinter sich lassend, rasselud am„wilden Bach“ entlang und hielt erst tiefpustend bei der Station Hetschburg still.
Hier verliess man den Zug und stieg, die Rittersche Capelle, munter aufspielend, voran, zu dem Paulinenthurme, der weithin sicht-
bar auf einem bewaldeten Gipfel steht, empor. Wenngleich der
Weg dahinauf leidlich gangbar, und die Steigung keine alpenhafte war, 8o floss der Schweiss doch reichlich von den Stirnen der Wandernden, die froh aufathmeten als sie das Ziel erreicht hatten. Ein kleines Frühstück und ein frischer Trunk— die„Berkaer“ hatten vorsorglich ein Paar Fass Bier zur Stelle gebracht— waren wohlverdient und schmeckten, gewürzt von einer Berg- und Waldes- luft vortrefflich.
Der Grossh. Amtsphysikus Badearzt Dr. Willrich begrüsste die Anwesenden mit herzlichen Worten so:


