314 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 38.
Parforcereiter. Um die Täuschung vollständig zu machen, veranstaltete ein Herr eine Geldsammlung(selbstredend für den Unterstützungsfond), der man sich nicht gut entziehen konnte, da er säumige Geber durch die poetischen Worte:„Nur keine Müdigkeit vorschützen!“ nach- drücklich aufzumuntern wusste.
Diesem lustig-tollen Gartenfeste folgte ein„Tänzchen“ im Saale, an dem vor allem die Jugend Theil nahm. Aber selbst ältere Damen und Herren schwangen bedächtig ihre Tanzorgane und tanzten— wer weiss wie das geschab— Menuett, Galopp und Walzer.
In den Tanzpausen verauctionirte Herr Hirsch aus Lauscha (nicht zu verwechseln mit dem in der Tanzstunde) zum Besten des Unterstützungsfonds Erzeugnisse seiner heimathlichen Industrie: Liebes- und Ehestandsthermometer, Schreibfedern und Klapperstörche aus Glas, Puppen und Aschenbecher aus Porzellan u. s. w. und erzielte damit einen erklecklichen Beitrag, wofür ihm auch an dieser Stelle bester Dank gesagt wird.
Das ganze Fest verlief in ungestörtester Harmonie von Anfang bis zu Ende; der Eindruck war überall der des Festes einer grossen Familie, ganz wie der D. Ph.-V. dieses stets zu erzielen bemüht ist.
Auf dem Heimwege, der ziemlich spät erfolgte, versuchten, so erzählt man, zwei Herren einen einsamen Steinkarren, der bei der Pflasterung der Strasse gebraucht wurde, in eine belebtere Region zu befördern. Die wachsame Polizei, welche diese Absicht bald ent- deckte und kein Verständniss für derartige Kraftausserungen hat, verurtheilte die Athleten unter Annabme mildernder Umstände— der Karren war nämlich furchtbar schwer und seit langer Zeit nicht
geschmiert— zu einer nur kleinen Geldstrafe.— Wie gesagt: 8o munkelt man——.(Fortsetzung folgt.) Vermischtes.
Faber-Stiftung.
In Nürnberg besteht eine Stiftung des Reichsraths Freiberrn Lothar von Faber, Inhaber der Bleistiftfabrik A. W. Faber. Genannter hat ein Capital von Mk. 125,000 der Stadt Nürnberg überwiesen, dessen Zinsen jährlich, wie es in dem betreffenden Stiftungsbriefe heisst,„an einen unbemittelten, aber geschickten und in hervorragender Weise geistig befähbigten, sittlich reinen jungen Mann, welcher in Nürnberg geboren und in Nürnberg die Schulen besucht hat und Nürnberg zum Mittelpunkt seines ge- schäftlichen Wirkens wählt“, ausgezahlt werden soll.
Für dieses Jahr ist diese Spende im Betrage von Mk. 5000 unserem Vereins-Mitgliede dem Photographen Freytag, in Firma Freytag& Sohn, unter 19 vorhandenen Bewerbern verliehen worden.
Fragekasten. Fragen.
829) Fragesteller will ein neues Atelier bauen und bittet um gefl. Angabe welche Constructionen heute sehr zu empfehlen sind. Raum ist für ein Atelier von 7 m Breite und 12— 16 m Länge vorhanden.
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