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312 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 38.
„In allen diesen Richtungen mit künstlerischer Empfindung und gebildetem Geschmack zu arbeiten, wird dem Photographen zur Ehre gereichen und ihn als wirklichen Künstler erscheinen lassen.— all diesen Bestrebungen gezogen: Man kann in alle Wege nur photographiren, was vorhanden ist. Damit aber wird nun und nimmermehr das Gebiet der künstlerischen Aufgaben und Conceptionen beschlossen sein. Immer wird das die höchste Bethätigung künstlerischen Vermögens bleiben, aus der Phantasie heraus zu schaffen; und das, was nur vor dem inneren Auge des Künstlers ge- standen, das kann auch nur die künstlerisch gebildete Menschenhand dem leib- lichen Auge sichtbar machen. Diese höchste Offenbarungsform des künstlerischen Menschengeistes müssen wir neidlos und ohne Wettbewerb der bildenden Kunst als ihr Herrschaftsgebiet überlassen und uns glücklich schätzen, dass wir als gebildete Menschen, denen durch ihre eigene Beschäftigung der Sinn für das Schöne geöffnet und geschärft ist, mehr als viele Andere berufen und befähigt sind, ihre Werke anschauend zu geniessen.
„Also keine Illusionen und Ueberschwänglichkeiten! Das Gebiet der Photo- graphie ist gross genug, um den Ehrgeiz der darin Thätigen zu befriedigen; aber es könnte nur zum Unsegen ausschlagen, wenn durch überspannte Forde- rungen und Vorstellungen anderwärts brauchbare Kräfte in Bahnen geleitet würden, die nur zum Scheitern führen können.
„Wir wollen uns aber nicht zur Unzeit an die starken Fäden gemahnt sein lassen, welche die Photographie mit der Kunst verknüpfen; einmal, um für unsere eigene Thätigkeit den Antrieb daraus zu entnehmen, nicht in handwerkliche Routine zu verfallen und immer das Höchste auch in künstlerischer Beziehung anzustreben; sodann aber, um uns an eine angenehme Pflicht zu erinnern, zu deren Erfüllung ich Sie bitte, sich mit mir zu vereinigen.
„Wir befinden uns hier in Weimar, der Musenstadt par excellence. Da- haben wir dessen zu gedenken, dass Weimar nicht nur die Stätte unserer theuersten literarischen Erinnerungen, die Stadt Herders und Wielands, Schillers und Goethes ist, sondern, dass hier auch eine Pflanzstätte deutscher bildender Kunst gedeiht, eine Schule der Malerei, aus der manch klangvoller Name hervorgegangen ist. Gehören doch auch in diesem Augenblicke Mitglieder dieser Schule zu den Besten unter den Wenigen, die es gewagt haben, allen nationalen Vorurtheilen zum Trotz die Ehre des deutschen Namens im feindlich gesinnten Auslande zu ver- treten und die jetzt wohlverdiente Ehren auf der Pariser Weltausstellung ernten. Da wir an unsere Künstlereigenschaft erinnert und uns derselben mit berech- tigtem Stolze bewusst geworden sind, wollen wir mit warmem Gefühl hier„das Handwerk begrüssen“; und so fordere ich Sie auf, kräftig und aus vollem Herzen einzustimmen in den Ruf:
„Die deutsche Kunst im Allgemeinen und die Weimarer Schule im Besonderen, sie leben hoch!“ Ein begeistertes Hoch der Versammlung spendete dem Redner wohlverdienten Beifall.
Die für die Wanderversammlung eingelaufenen Depeschen, die Herr Schwier unter grosser Aufmerksamkeit der Anwesenden verlas, lauteten:
Nordhausen. Persönlich verhindert sendet den versammelten werthen Col- legen zur Jubelfeier ein herzliches und kräftiges„Gut Licht!“ Belitski.
Westerland. Zur Jubiläumsfeier der Lichtbildkunst die herzlichsten Glück- wünsche und Grüsse. Brokesch.
Cöln. Leider verhindert zu kommen. Grüsse an Alle. Eilender.
Berlin. Durch plötzliche Erkrankung meines Vaters am Kommen verhindert. Collegialen Gruss. Otto Fechner.
Berlin. Dem Vereine vivat crescat floreat, den Festtheilnehmern freund- lichen Gruss. Martini.
Frau Bradengeier, Herr Kindermann, Frau Schwier, Herr Hummel u. a. m. erfreuten die Versammelten mit schönen, gut ge- sungenen Liedern. In Toasten wurden die Frauen, der Vorstand, das Local-Comité gefeiert, und der familienbaft angehauchte Herr Carbonnier trank ein Glas auf das Wohl von„Muttern“, die nicht
Aber eine unübersteigliche Grenze ist


