Jahrgang 
1889
Seite
302
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Deutsche Photographen-LZeitung 1889.

Doch lasst mich feindlich nicht von hinnen geh'n:

lech möcht' Euch heute justrecht freundlich sehn'

Ihr seht, ich nehm' Euch gleich beim eignen Wort,

Und sagt' ich dieses nicht etwa zum Spott

Die Bitte, die ich habe, ist ganz klein:

Recht freundlich unsrem Spiel und Sang zu sein!

Im Verlauf des Abends erfreute man sich an den frischen Melo-

dien derleichten Cavallerie von Suppé und an den drollig-derben Figuren des Volksstückes:Ein Fest der Handwerker.

II.

Donnerstag, den 1. August, vormittags 8 ½ Uhr: Fortsetzung und Beendigung der Tagesordnung. Siehe oben.

11 ½ Uhr: Gruppenfrühstück und Aufnahme nach der Karte*) im Garten der Armbrust-Gesellschaft.

Nach dem Frühstück im Schatten des grossen, schön angelegten Gesellschaftsgartens stellten sich die Festtheilnehmer auf der breiten Freitreppe terrassenförmg auf und wurden so von Herrn Schwier auf einer 30240 cm grossen Platte von F. Weisbrod& Co. in Frankfurt a. M. mit Voigtländer-Euryskop aufgenommen. Leider aber erhielt die Gruppe eine Doppel-Beleuchtung, indem die Hälfte im Schatten stand, die Hälfte von der Sonne beschienen war. Doch spielt das ja bei einem Erinuerungsbilde für Photographen wohl keine Rolle?

Eine Probeaufnahme auf Quart-Platte mit einem Suter-Aplanat, welchen die Firma Beyrich in Berlin zum Versuche gesandt hatte, veranstaltete Herr Hertel jun., Weimar.

12 ½ Uhr: Im Saale öffentlicher Festvortrag von Prof. Dr. Bruno Meyer:Die Photographie in ihrer heutigen Gestalt. Siehe oben.

Herr Müller-München sprach dem Redner für seinen trefflichen Vortrag den Dank im Auftrage des Vorsitzenden aus, der mit der Jury ernster Arbeit oblag und desbalb nicht anwesend sein konnte.

Unter Führung mehrerer Mitglieder des Local-Comités ging es nun daran, den fremden Gästen die Sehenswürdigkeiten Weimars zu zeigen, eine Wanderung, die für dieselben von höchstem In- teresse war.

Bewundernd standen sie vor der Prellergallerie und anderen bedeutenden Kunstwerken, die im Museum aufgespeichert sind; tief- ergriffen betrachteten sie im Schillerhause die altväterschen, fast ärm- lichen Möbel, die ihr Bewohner im Gebrauch hatte, und das Bett, in dem er verschied. Ein Gefühl der Andacht überkommt den Be- sucher der Fürstengruft, wenn er sieht, wie die irdischen Ueberreste eines Goethe und eines Schiller neben denen ihres fürstlichen Freundes des Herzogs Karl August ruhen. Die einfache, aber künstlerische Ausstattung der Dichterzimmer im Grossherzogl. Residenzschlosse, die reichen Sammlungen im Goethehause und die rührende Einfachheit in Goethes Gartenhause erzählen dem Beschauer von dem Glanze langst vergangener, aber nie vergessener Tage.

Da dieser Rundgang der Gäste durch die Stadt uns eine kleine Kunstpause gestattet, so wollen wir hier noch auf ein freundliches

*) Anmerkung des Setzers: Soll wohl heissen: G snaufnahme und Frühstück nach der Karte. ruppenaufnahme undè