290 Deutsche Photographen-LZeitung 1889. Nr. 36.
Hier trafen sich die Photographen, schon bekannt durch vorher- gegangene Versammlungen, schüttelten sich collegialisch die Hände und erkundigten sich nach Muttern, nach den lieben Kleinen, wie viel in diesem Jabre das Geschäft abgeworfen, wie es mit der Con- currenz stehe u. s. w. In den wenigsten Fällen fehlte es an Unter- haltungstoff, und drohte dieser ja einmal zu versiechen, dann spielte der Herr Kapellmeister Ritter mit seiner Kapelle lustige Weisen, oder man trank einmal Bier. Das dauerte so bis kurz nach
Mitternacht. J.
Am Mittwoch, den 31. Juli, vormittags 8 ½ Uhr: Eröffnung der XVIII. Wanderversammlung im Saale des Hôtel„Chemnitius“.
Eintritt in die Tagesordnung. Siehe oben!
Bei der mittags 1 Uhr festgesetzten Eröffnung der Ausstellung hielt Herr Schwier eine kurze kernige Anrede und begrüsste in herzlich warmen Worten die Anwesenden. Die weiten hoben Räume der Erholungsgesellschaft dienten als Ausstellungslocal und machten mit ihren geschmackvoll decorirten Decken und Wänden einen höchst wohlthuenden Eindruck auf den Beschauer. Eingedenk des Wortes: „Es kommt viel auf die Beleuchtung an!“ hatte man sämmtliche 34 Fenster derselben mit Glaspapier, welches von der Firma C. Th. Nebelungs Wwe.-Hamburg(100 Bogen an der Zahl) in dankens- werther Weise gratis geliefert wurde, überzogen. An der einen Seite des Saales, dem Haupteingange gegenüber, erhob sich ein blumen- geschmücktes Podium, auf welchem die Büsten Sr. Majestät des Deutschen Kaisers, Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs von Weimar und die von Daguerre und ausserdem 5 kostbare Becher, Preise für hervorragende Leistungen, Platz gefunden hatten. Durchdrungen von Verehrung, Liebe und Dankbarkeit wurden die drei Büsten be- trachtet, während mancher Blick an den goldglänzenden Ehrenzeichen begehrlich haften blieb. Die ausgestellten Photographien waren auf langen, mit dunkelrothem Leinwandstoff überkleideten Staffeleien vor- theilhaft angebracht. Und was boten diese Alles dem staunenden Blicke dar: die gigantischen Felsgebilde der Alpen, die bis in die Wolken ragen; das Meer, wie es in träger Ruhe von der Sonne ver- silbert wird, oder wie es in wildem Zorne haushohe Wellen schlägt; plätschernde Wasserfälle, neckisch umspült von dem leichten Schaume zerstobener Tropfen und liebliche Thäler, umrahmt von dichtem Baumschlag hoher Wälder. Neben den stolzen Bauten der Vergangen- heit und Gegenwart ruhte, angelehnt an eine Bergwand, die wein- umrankte Hütte in stillem Frieden; neben markigen Männer- und
schlanken Frauengestalten strecken sich wohlgebildete Kinderleiber
auf schwellenden Kissen, und eine wildanstürmende Hundemeute, ein galoppirender Reiter, ein Speerwerfer etc. waren in den ver- schiedensten Phasen ihrer Bewegungen mit der Geschwindigkeit des Blitzes auf das Papier festgebannt worden.
Die ausgestellten Instrumente und Apparate, die ich als Laie nicht beurtheilen mag, mussten des Neuen und Guten viel bieten, wurden sie doch von den Sachverständigen einer langen und gründ- lichen Besichtigung gewürdigt.
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