274 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 34.
Beitrag zur Kenntniss der Ursachen der Blasen- bildung im Albuminpapier.
Vortrag, gehalten auf der 18. Wanderversammlung des D. Phot.-Vereius am 31. Juli in Weimar von
In der jüngsten Zeit hat sich ein Meinungsaustausch über die Ur- sachen der Blasenbildung im Albuminpapier entsponnen. welcher zum Theil recht naive Anschauungen über diese Erscheinung zu Tage förderte.
Schon vor Jahren wurde von meinem Associé Herrn Form- stecher den Kunden gegenüber auf die Endosmose aufmerksam gemacht, deren wahrscheinliche Folge die Blasenbildung im Albuminpapier ist.
Gestatten Sie mir Ihnen die Gesetze der Endosmose zu erklären und daran den Nachweis der Gleichartigkeit der Erscheinungen der Blasenbildung im Albuminpapier zu erbringen.
lch folge hier den Erklärungen der Giessener Professoren, der Herren H. Buff, H. Kopp und F. Zamminer und deren Lehrbuch der physikalischen und theoretischen Chemie; theilweise wörtlich citirend.
Wenn zwei mischbare Flüssigkeiten(also Wasser und eine Kochsalzlösung oder Wasser und Schwefelsäure u. s. w. im Gegensatz zu den nicht mischbaren wie Wasser und Oel u. s. w.) durch eine poröse Scheidewand(Membrane) getrennt sind, diese Membrane wenigstens von einer der Flüssigkeiten benetzt wird, sodass ihre wechselseitige Berührung nicht ganz unterbrochen ist, so geht ihre Vermischung durch Diffusion fortdauernd vor sich und wird in diesem Falle Endosmose genannt.
Unter Diffusion tropfbarer Flüssigkeiten versteht der Chemiker das wechselseitige Ueberströmen zweier mischbarer Flüssigkeiten, einer jeden in der Masse der anderen, ohne mechanische Ursache.
Also wenn man beispielsweise Wasser vorsichtig auf eine Salz- lösung bringt, so kann es gelipgen, dass der Uebergang der einen Flüssigkeit zur anderen anfangs scharf bezeichnet ist.
Nach und nach hebt sich die eine Flüssigkeit, selbst wenn sie, wie in diesem Falle die Salzlösung, die schwerere ist, und senkt sich die andere Flüssigkeit, das Wasser, also die leichtere, die scharfe Begrenzung verschwindet und es verbreiten sich Theile der einen im ganzen Umfange der anderen Flüssigkeit.
Sind diese beiden Flüssigkeiten überdies noch durch eine poröse Wand, Thierblase oder sonst eine Membrane getrennt, dann tritt dieselbe Erscheinung durch die Membrane ein. Dieses nennt man wie gesagt Endosmose.
Die Endosmose bietet gegenüber der Diffusion zwischen Flüssig- keiten bei freier Berührung soweit nichts Bemerkenswerthes.
Aber die Endosmose, also Diffusion zwischen Flüssigkeiten, welche durch eine Membrane getrennt sind, zeigt eine Erscheinung, welche die Bildung der Blasen im Albuminpapier leicht erklären lässt; nämlich die Flüssigkeiten treten in ungleichen Mengen zu einander über, trotzdem die Ursache ihrer Vereinigung, des Ueber- ganges zu einander, ihre wechselseitige Molekularanziehung ist, welche auf beiden Seiten nothwendig die gleiche sein muss.
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