Jahrgang 
1889
Seite
228
Einzelbild herunterladen

228 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 28.

weifelt ähnlich zu sehen, dann aber, dass der Betreffende durch den Einblick in die rasche Vollendung des Bildes auf der blatte eine recht geringschätzige Meinung von demArbeiten des Herrn Photographen bekommt.

So kann es nicht fehlen, dass die Aussichten für junge Photo- graphen nicht gerade sehr rosig erscheinen und nur die Ueber- zeugung berechtigt sie zu einem frisch-muthigen In-die-Zukunft- Schauen; dass das Gute und Werthvolle schliesslich Oberwasser bekommt und behält, und dass gesunder Sinn im Publicum genug vorbanden ist, um schliesslich doch ein gutes Bild einem weniger trefflichen vorzuziehen und dafür auch gern einen höheren Preis zu zahlen, als eranderswo beliebt wird.

Auch kommen jedem Photographen Fälle vor, in denen er seine Mühewaltung nicht allein über Verlangen gut honorirt sieht, sondern noch obendrein die Genugthuung empfindet, herzliche Freude er- weckt zu haben. Dem gewandten Hersteller des lebenswahren Por- traits eines längst Verstorbenen nach einem oft unscheinbaren Bild- chen, dem geschickten Photographen würden glückselige Mütter, liebevolle Bräute und schwärmerische Freier gern für wirklich ge- treue Bilder der geliebten Personen Preise zablen, die er zu fordern nicht wagen dürfte. Im allgemeinen aber hat sich das Publicum an dasAbnehmen zu immer billiger werdendem Preise so gewöhnt, dass der nicht mit dieser Zeitrichtung Gehende mebhr und mehr in seinem Glashause vereinsamen wird.

Wenn es auch höchst unzweckmässig im practischen Geschäfts- leben sein würde, sollte der Photograph, der doch den Werth seiner Arbeit am besten beurtheilen kann, für jedes Bild, je nach dem Ausfall, seinen besonderen Preis feststellen dürfen, allerdings würde er erschrecken über die grosse Scala, auf der dann seine Preise bei möglichst unbefangener Prüfung des Resultats auf- und niedersteigen müssten. Wie oft muss der Photograpb nicht Leuten, deren Dienst- verbältnisse z. B. ein Aufnehmen in der guten Tageszeit nicht ge- statteten, ungern ein kaum befriedigendes Bild abliefern, um ausser dem guten Geld auch noch beschämende Lobsprüche in Empfang zu nehmen. Wie ärgerlich aber ist es, andererseits das schnippische Verurtheilen eines Bildes dulden zu müssen, das mit seltenem Ge- lingen alle Schönheiten, die eine Photographie zu bieten vermag, aufweist in diesem Falle wäre es nicht ungerecht, wenn der Photograph sich statt mit Undank mit einem extra erhöhten Preise belohnt sehen dürfte.

Wir glauben annehmen zu können, dass wenigstens die Inhaber der Ateliers von der ins Auge gefassten Grösse mit den geäusserten Bemerkungen im Ganzen einverstanden sein und ihrerseits dazu beitragen werden, ein von Vielen befürchtetes immer tieferes Sinken der Preise aufzuhalten. Ist es auch Niemandes Recht Anderen über ihr Thun und Lassen Vorschläge zu machen, so zeugt doch das stillschweigend einmüthige Zusammengehen der meisten Berufs- genossen in dieser Frage nicht allein von der Wichtigkeit, die der- selben inne wohnt, sondern kann auch den Pessimisten, der die Zukunft und sociale Stellung des Photographenstandes mit trüben Augen ansieht, über seine Befürchtungen beruhigen.

fal

ve

nit

j8

Un

f

. .³