Jahrgang 
1889
Seite
212
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212 Deutsche Photographen-Zeitung 1889.

Nr. 26.

dass durch gewandtes Stellen und Beleuchten die schlummernde Ausdrucksfähigkeit derselben geweckt und im günstigsten Moment auf der Platte gefesselt worden ist. Wie oft werden Nahestehende erst durch ein derartig gewonnenes Portrait auf die von ihnen kaum geahnte vortheilhafte Erscheinungsmöglichkeit der Aufnahme hin- gewiesen!

Um es zusammenzufassen, dürfte künstlerischer Werth nur einem Portrait zugesprochen werden, das mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die beste Wiedergabe der gegebenen Aufnahme erreicht hat. Dies ist zwar ganz selbstverständlich, aber mit welcher Emphase hört man von inferioren Mitgliedern des Photographenberufes ihre künstlerischen Werke rühmen, die ausser dem Preise alle übrigen Eigenschaften vermissen lassen, deren Erlangen jedem Photographen Ehrensache sein sollte. Gewiss wird Jeder reuig an die Brust schlagen, wenn er der nicht ganz gelungenen Bilder gedenkt, die aus Ursachen verschiedener Art dennoch von ihm abgegeben wurden, aber ebenso wird jeder reelle Photograph nach wachsender Vervoll- kommnung, nach immer mehr zufriedenstellender Anwendung des theoretisch Erdachten zu streben suchen.

Die Heranziehung, die liebevoll eingehende Belehrung besonders des jüngeren Gehilfen beim Studium interessanter photographischer Aufgaben, dürfte ein nicht unwirksamer Hebel zur Steuerung der in diesem Blatte genugsam erörterten, zunehmendenUnlauterkeit gewisser Gehilfen sein, die hie und da nichts als ein maschinen- artiges Bilderfabriciren lernen und weiterüben.

Doch freilich das Fleisch ist oft gar zu schwach, den besten Intentionen des willigen Geistes zu folgen; aber hin und wieder fällt doch ein Körnlein bei solchen wenig fruchtbaren Erörterungen und Wünschen auf keimfähigen Boden. Wünschen wir ihm Gedeihen!

(Fortsetzung folgt).

Personalien. Unser Mitglied Herr G. Brandseph in Darmstadt, C. Backofens Nachfolger, wurde vom Grossherzog von Hessen zum Hofphotographen ernannt, ebenso auch das Mitglied

Herr F. Langbein in Heidelberg zum Hofphotographen des Grossherzogs von Baden.

Literatur.

J. F. Schmid, Das Photographiren, ein Rathgeber für Amateure und Fachphotographen, 19 Bogen Octav, mit 54 Abbildungen und einer Farbendruckbeilage. Preis Mk. 4, geb. Mk. 4,80. Wien, A. Hart- lebens Verlag.

Das uns vorliegende Werk ist hauptsächlich wohl dazu bestimmt, die Mitte zu halten zwischen den Werken grossen Umfanges(wie

z. B. dem Ederschen umfassenden Lehrbuche) und den kleinen

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