Jahrgang 
1889
Seite
192
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192 Peutsche Photographen-LZeitung 1889.

Nr. 24.

Ueber Innenaufnahmen.

Vortrag im Photogr. Verein zu Hannover gehalten von Georg Alpers jr.

(Fortsetzung.)

Für Innenaufnahmen sind nun als Objective grösstentheils nur Weitwinkelconstrucetionen verwendbar, indem von dem Besteller möglichst viel aufs Bild verlangt wird, was man ibm ja auch nicht übel nehmen kann. Sind nun Detailaufnahmen zu machen, 80 können hierzu auch Euryskope, Aplanate oder Antiplanete verwandt werden und hat man alsdann bei diesen Instrumenten den Vortheil der grösseren Lichtstärke und noch einen weiteren, auf welchen ich später zurückkommen werde. Als vorzüglich zu Innenaufnahmen geeignet sind Buschs Pantoskope, Steinheils Weitwinkelantiplanete, ferner die Weitwinkel von Voigtländer, Ross, Français, Dallmeyer ete. Den grössten Weitwinkel von allen diesen genannten Instrumenten haben nun die Pantoskope und werden dieselben aus diesem Grunde sehr viel zu solchen Aufnahmen verwandt, trotzdem ihnen von manchen Seiten der Vorwurf einer übertriehenen Perspective gemacht wird. Wenn nun auch dieser Vorwurf ein ganz berechtigter ist, so wird derselbe doch reichlich durch den Vortheil des weitaus grösseren Bildwinkels aufgewogen, da ich mit dem Pantoskop noch immerhin Aufnahmen machen kann, welche mit anderen Instrumenten nicht mehr möglich sind, weil ja, wie ich eben schon erwähnte, der Be- steller immer möglichst viel von dem betr. Raume im Bilde sehen will; es stellen namentlich hier die Herren Architecten sehr grosse An- forderungen an den Photographen. Ich speciell arbeite aus diesem Grunde bauptsächlich mit Pantoskopen und auch mit Steinheils Weitwinkelaplanaten, welche ebenfalls gan⸗z vorzüglich sind.

Ausser diesen genannten Gegenständen ist nun unbedingt noch eine Wasserwaage erforderlich, denn gerade bei Innenräumen mit 80 nahen Distancen ist es noch viel mehr nothwendig, die Camera ge- nau zu nivelliren, als bei Landschaftsaufnahmen. Haben wir nun die zur Aufnahme nöthigen Utensilien beisammen, so können wir zu dieser selbst schreiten.

Ich theile diese in 3 Gattungen: leichte, schwierige und ganz schwierige. Zu ersteren gehören Aufnahmen, bei denen keine Fenster mit ins Bild kommen, welche keine grossen Contraste in den Farben- wirkungen etc. zeigen, sowie manche Detailaufnahmen, wie solche von günstig beleuchteten Epithaphien. Zu den schwierigen zähle ich Aufnahmen mit Fenstern, Räume mit grossen Contrasten, z. B. dunkelbraune Eichenholztäfelung mit weissen Figuren davor, und zu der dritten Categorie solche, bei denen man direct gegen die Fenster photographiren muss. Gerade derartige Aufnahmen gehören mit zu den heikelsten Aufnahmen, die dem Photographen gestellt werden können und sind in manchen Fällen nicht gut ausführbar.

Bevor wir nun den Apparat aufstellen, ist es nothwendig, sich den aufzunehmenden Raum erst einmal von den verschiedensten Standpunkten anzusehen, um den für die Aufnahme günstigsten wählen zu können. Man gehe dabei Schritt für Schritt zu Werke und vermeide, wenn es irgend angeht, eine geometrische Ansicht, sondern wähle stets mehr eine perspectivische. Haben wir nun