Jahrgang 
1889
Seite
188
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Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 23.

Schraube zum Festhalten der Camera angebracht ist, sehr werthvoll. da man bei solchen Aufnahmen mit dem gewöhnlichen Stativ nicht ausreicht. Eine derartige Leiter ist namentlich dann sehr zWeck- mässig, wenn man sehr hochsitzende Epithaphien etc. in Kirchen auf- zunehmen hat, an die ohne dieses Hilfsmittel gar nicht anzukommen jst. Die Camera stelle man stets auf das oberste wagerechte Brett der Leiter und nitht quer, damit der Objectivdeckel bequem von der einen Seite zu erreichen ist; auch erleichtert diese Art des Auf- stellens des Apparates das Einstellen, Einschalten der Blende und Einsetzen der Cassette.

(Fortsetzung folgt).

Wodurch characterisirt sich die künstlerische Beleuchtung?

Von Bruno Saemann(Atelier J. Jungmann), Mülhausen i. Els.

(Fortsetzung.)

Wer den wirklich schönen durchgeistigten Ausdruck der Antike kennen lernen will, betrachte insbesondere den Kopf der Juno Ludovici, den der Venus von Milo, welche beide als die schönsten noch exi- stirenden Repräsentanten vollendeter Frauenschönheit gerühmt werden. Dennoch möchte ich dringend warnen, plastische Werke als Vorbilder für bildliche Darstellungen hinsichtlich der Beleuchtung zu nehmen, denn es liegt gar zu sehr für den Nichtkenner die Gefahr nabe, in eine gewisse Monotonie bei seinen Beleuchtungen auszuarten. Ich bitte, dieses aber nicht so zu verstehen, dass ich abrathe, Büsten zum Studium des Lichts im Atelier zu verwenden, im Gegentheil, iech kann es nur dringend empfehlen, denn an solchen ist die Wirkung von Licht und Schatten, ebenso der Contrast der einzelnen Partien des dazu gewählten Hintergrundes so klar und schön zu sehen, wie nirgend anders; namentlich möchte ich die Aufgabe stellen, einen harmonischen helleren Hintergrund zu erzielen und nicht, wie man meist sieht, einen pechschwarzen. Bei solchen Studien gehen Einem die Augen auf, sie sind ungemein lehrreich: man versuche Be- leuchtungen, wie sie beispielsweise die oben angeführten Meister- werke der Malerei zeigen, zu erzielen, an diesen sieht man direct, wie das Resultat auszusehen hat, an plastischen Werken täuscht gar zu leicht die Farbe des Materials. Auf jeden Fall aber ist durchaus zu verwerfen Photographien, selbst die vortrefflichsten, copiren zu wollen, denn selbst die besten sind zu Missverständnissen geeignet, besonders können Studien von Volkstypen, Costümen etc., selbst wenn sie unsere anerkannten Meister der Photographie ge- fertigt haben, nie als Muster für ein eigentliches Portrait gelten. Hat nämlich z. B. eine solche Person, welche zum Studium sass, irgend welche Kopfbedeckung aufgehabt, so ist es sehr zweifelhaft, ob dasselbe dazu verwendete Licht geeignet gewesen wäre, denselben Kopf ohne Bedeckung gleich gut wiederzugeben, ebenso sind die mehr oder weniger gehobenen oder gesenkten Kopfstellungen für die Beleuchtung von so wesentlichem Einfluss, dass es leicht erklärlich ist, dass jeder Kopf(und das gilt ebenso beim Portrait) ein für sich