Jahrgang 
1889
Seite
181
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Nr. 22. Deutsche Photographen-Zeitung 1889. 181

dieses? Ist es zu vermeiden? Die letztere Frage beantworte ich sofort wit ja, die erstere folgendermaassen: Man entschliesse sich, die Seitengardinen sämmtlich bis auf mindestens Kopfhöhe der sitzenden Person zuzuziehen, man wird dann vielleicht auch die Oberlichtgardinen etwas mehr schliessen müssen, möglicherweise auch gezwungen sein, das Vorderlicht etwas mehr einzuschränken (alles Das genau angeben zu wollen, wäre absurd, denn es sind in jedem Atelier andere Verhältnisse) die oberen Gardinen kurz vor der Person schliesse man so weit, dass der Stirnhügel der Schatten- seite gerade noch ein Streiflicht von gleicher Höhe, wie das Licht desjenigen der Lichtseite, aber nur an seinem Rande erhält Aehn- liches wiederholt sich dann relativ an der Wange u. s. w. am übrigen Körper. Achtet man dann darauf, dass die Wange der Schattenseite einen schönen, bestimmten Schlagschatten an der Nase erbält, der sich auch etwas abwärts auf die Oberlippe erstreckt, ohne die Wange ganz zu decken, so dass das Wangenbein(Jochbein) noch ein ziemlich kräftiges, aber doch schon untergeordnetes Licht erbält, so erzielt man die Beleuchtung, welche Klary classisch nennt; sind die Contraste jedoch noch etwas bart, die Schatten noch wenig durch- sichtig, so ist ja der Klarysche Beleuchtungsschirm ein unschätzbares Hilfsmittel, diese Härten zu mildern; ebenso ist dieser Schirm viel verlässlicher, als Reflectoren, welche unter ungeübten Händen die wunderlichsten Missformen verursachen können.

Um für die einfachen Portraitbeleuchtungen wiederum Muster aus dem Gebiete der Malerei zu nennen, führe ich z. B. das bekanute Portrait Michel Angelos an, es vereinigt in sich massige Rundung der Kopfformen mit grossartiger Kraft und reine Weichheit der Uebergänge, dass man sich nicht satt sehen kann. Wie wundervoll sind Haar und Bart, wie schön abgestuft das Licht im ganzen Portrait. Als ein Muster der Beleuchtung eines Kopfes en face nenne ich das bekannte Selbstportrait Albrecht Dürers. Man sehe den Unterscbied zwischen Licht- und Schattenseite, wie schön ist die Ab- stufung des Lichtes auch darin; man betrachte das langherabwallende Haar, wie fein ist es modulirt, wie klar sind die Hände gezeichnet. Als einen Kopf en profil nenne ich den Kopf Tizians im Pelz. Wie markig und ruhig ist darin das Licht, ohne Härte. Als weiteres Beispiel nenne ich das Selbstportrait Rembrandts, diesem entgegen das Rafaels. Welche Unterschiede zwischen den einzelnen angeführten Köpfen; jeder ist für sich eigenartig schön. lch kann wirklich nicht begreifen, dass man nicht nach solchen Mustern arbeitet, einige wenige ausgenommen, sondern dass Mancher im allgemeinen sein Bestreben nur auf Herstellung solcher Photographien richtet, welche durch ein gelecktes Aussehen bestechen, ohne nur den geringsten Kunstwerth zu besitzen. Schreiber dieses zeigte einst seinem Zeichenlehrer, einem sehr tüchtigen Bildhauer, eine moderne Photo- graphie eines sehr bekannten Ateliers, über welche er sich nicht gerade lobend ausdrückte, als ich ihm darauf einige Studien aus einem weniger bekannten Atelier, deren Anfertiger die Meisterwerke der Malerei als seine Vorbilder benutzte, vorlegte, machte der Mann einen wahren Freuden-Salto und sagte:Ja, das sind Bilder, so sollen Photographien aussehen, nach diesen will ich zeichnen,